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Yokohama Huhn | Legeleistung, Haltung & Besonderheiten

Yokohama

Yokohama-Hühner fallen auf dem Hühnerhof definitiv auf: Die grazilen, schlanken Tiere mit ihren hübschen Farben und den bei den Hähnen sehr langen Schwänzen sorgen für staunende Besucher und erfreuen ihre Halter durch ihren Anblick. Allerdings handelt es sich um reine Zierhühner, denn weder ihre Legeleistung noch ihr Schlachtkörper eignen sich für eine wirtschaftliche Verwendung.

Steckbrief

Gewicht Hahn2,0 bis 2,5 Kilogramm
Gewicht Henne 1,3 bis 1,8 Kilogramm
Legeleistung80 Eier pro Jahr
Eigewicht40 Gramm
Eifarbegelblich
Winterlegernein
Bruttriebausgeprägt
KammformRosenkamm
Federfüßenein
Farbenschlägeweiß, weiß-rot gezeichnet
RinggrößeHenne 16 / Hahn 18

Herkunft

Zwar suggeriert die Rassebezeichnung eine japanische Herkunft, tatsächlich aber handelt es sich bei Yokohama-Hühnern um eine deutsche Züchtung. Die japanischen Ahnen dieser Rasse gelangten bereits 1869 über Paris nach Deutschland, wobei ihre ursprüngliche Bezeichnung – Minohiki – nicht bekannt war und die „neue“ Rasse deshalb nach dem japanischen Hafen Yokohama bezeichnet wurde.

Minohiki-Hühner werden in Japan bereits seit vielen Jahrhunderten gezüchtet und genießen in ihrer Heimat ein hohes Ansehen. Die Schwänze der Hähne können mehrere Meter lang werden, weshalb diese Tiere in der Regel einzeln auf Stangen gehalten werden und nur wenig Auslauf bekommen. Eine natürlichere Hühnerhaltung würde der üppigen Schwanzbefiederung schaden.

Optisch sehen sich die japanischen Minohiki-Hühner sowie die deutschen Yokohama recht ähnlich. Die Unterschiede sind gering, allerdings werden die Langschwanzhühner hierzulande in anderen Farbenschlägen gezüchtet als in Japan. Um die rassetypischen Färbungen zu erhalten, kreuzten Züchter schon früh andere Hühnerrassen wie etwa Phönix und Malaien-Huhn ein. Aus diesen Gründen gelten Yokohama und Minohiki heute als jeweils eigenständige Rassen.

Tipp: Wer Langschwanzhühner mag, findet auch in den ebenfalls japanischen Rassen Phönix und Onagadori faszinierende Tiere. Diese werden zudem noch in anderen Farbenschlägen als die Yokohama gezüchtet.

Rassebeschreibung

Yokohamas weisen einen für Hühner eher untypischen Körperbau auf, der in seiner eleganten Form eher an Fasane erinnert. Die aufgerichtete, stolze Körperhaltung mit der nahezu waagerechten und zum Schwanz hin abfallenden Rückenlinie verdankt die Rasse ihren athletischen Vorfahren, den Kämpferrassen wie beispielsweise dem Malaien-Huhn.

Yokohama

Gemäß dem geltenden Rassestandard soll der Körper vom Schnabel bis zum Schwanz stromlinienförmig in einer gleichmäßig harmonischen Linie verlaufen. Dabei zeigen die Hähne optimalerweise gerade getragene, sehr lang gewachsene Schwänze, die, bei entsprechender Haltung, mehrere Meter lang werden können. Dies gelingt durch eine genetische Besonderheit dieser Tiere, die deshalb seltener mausern als andere Hühnerrassen. Bei optimalen Haltungsbedingungen kann der Schwanz pro Jahr bis zu einem Meter an Länge zunehmen.

Als besonders schön gelten Hähne, deren Schwanzfedern bereits ab dem Sattel herabfallen, zudem sollten die langen Schwanzfedern über dem Boden schleifen. Bei den Hennen hingegen ist der üppige Schwanz nicht so stark ausgeprägt, wobei auch sie einen im Vergleich zu anderen Rassen eher längeren Schwanz aufweisen. Bei den weiblichen Tieren allerdings sind weder Sattelbehang noch Schwanz buschig oder überlang, sondern liegen eng und geschlossen zusammen.

Yokohama besitzen zudem einen eher kleinen Kopf mit wenig ausgeprägten Kehllappen. Ihr feinknochiger Körperbau wirkt zwar zierlich, dennoch sind die Tiere mit einem Gewicht von durchschnittlich anderhalb bis zwei Kilogramm keine ausgesprochenen Leichtgewichte.

Farben

In Deutschland sind Yokohamas lediglich in diesen Farben anerkannt:

  • weiß
  • weiß-rot gezeichnet / weiß-rot gesattelt

Typisch für die aparte weiß-rote Zeichnung sind zudem diese gemäß Rassestandard wünschenswerten Merkmale:

  • Grundfarbe weiß
  • Brust, Bauch und Schenkel rot-weiß getupft
  • Flügel zumeist lediglich teilweise rot-weiß getupft
  • gelegentlich auch einfarbig rote Bereiche

Gesicht und Kehllappen dieser Rasse sind eher blassrot, die Augen rot bis orange-rot. Schnabel und Läufe hingegen sollten einen sattgelben Farbton aufweisen.

Nutzung / Wirtschaftlichkeit

Wer Yokohamas hält, tut dies in der Regel aus reiner Liebhaberei. Die Rasse ist wenig wirtschaftlich, da die Legeleistung mit durchschnittlich 80 Eiern in den ersten beiden Legejahren sehr gering ist und die Tiere zudem sehr langsam wachsen und nur schwer Fleisch ansetzen. Der durchschnittlich anderthalb bis zwei Kilogramm schwere Schlachtkörper reicht dennoch für eine gute Hühnersuppe oder einen kleinen Sonntagsbraten, zumal das zarte Fleisch als Delikatesse gilt.

Charakter

Nicht nur in ihrem Äußeren, auch im Charakter kommt das Erbe der eingekreuzten Kampfhuhnrassen vor allem bei den männlichen Yokohamas durch. Sie werden gegenüber anderen Hähnen sowie auch gegen Menschen leicht aggressiv, weshalb sie möglichst einzeln bzw. in kleinen, geschlechtergemischten Gruppen gehalten werden sollten. Dafür jedoch sind sowohl die Hähne als auch die Hennen dieser Rasse leicht zu zähmen, lassen sich schnell auf „ihre“ Menschen fixieren und sind sehr zutraulich.

Yokohama

Zudem sind Yokohamas neugierig und munter, aber nicht übermäßig lebhaft oder gar nervös. Ihr grundsätzlich ruhiger, zahmer Charakter gehört zu den wichtigsten Zuchtzielen, weshalb auffallend aggressive Exemplare unbedingt aus der Zucht herausgenommen werden müssen.

Tipp: Die Hennen dieser Rasse legen zwar nur wenig Eier, brüten jedoch gerne und zuverlässig. Zudem sind sie gute Glucken, die sich hingebungsvoll um ihre langsam wachsenden Küken kümmern. Demzufolge eignen sich Yokohamas sehr gut für eine Naturbrut.

Haltung

Auch in ihrer Haltung weisen Yokohamas einige rassetypische Besonderheiten auf, die sich vornehmlich aus ihrem Äußeren ergeben. Spezielle Haltungsbedingungen sind vor allem deshalb notwendig, um die langen Schwanzfedern der Hähne vor dem Verschmutzen und / oder Abbrechen zu schützen. Aus diesem Grund brauchen die Tiere sowohl im Auslauf als auch im Stall mehr Platz als andere Hühner – die sonst zumeist empfohlenen 10 bis 15 Quadratmeter pro Tier sind für diese Rasse nicht ausreichend. Außerdem sollten Sie auf diese Bedingungen im Auslauf sowie im Stall achten:

  • fester, optimalerweise mit Gräsern und Kräutern bewachsener Untergrund
  • Boden darf nicht zum Verschlämmen neigen
  • Auslauf und Stall häufig ausmisten und reinigen
  • Einstreu häufig wechseln
  • nicht bewachsene Stellen im Freigehege bedecken
  • hierzu eignet sich z. B. Rindenmulch
  • Sitzstangen in etwa einem Meter Höhe anbringen
  • Auslauf zum Schutz vor Regen teilweise überdachen

In Gruppenhaltung neigen die Hähne zudem zu einer häufigeren Mauser, weshalb die Schwanzfedern bei einer natürlichen Haltung weniger lang als bei der in Japan traditionellen Einzelhaltung auf der Stange werden. Außerdem brauchen die Tiere ein eiweißreiches Futter, da sie das Protein für die Bildung der Federn benötigen. Herkömmliches Hühnerfutter genügt den Ansprüchen der Yokohamas nicht, weshalb Sie dieses beispielsweise mit Quark, Mehlwürmern und ähnlichen Zutaten aufpeppen müssen.

Dafür ist die Rasse ausgesprochen winterfest, kommt auch mit kalten Temperaturen und Schnee sehr gut zurecht. Ein beheizter Stall ist also nicht notwendig.

Zwerg-Yokohamas

Die Zwergform ist mit einem Gewicht von rund 800 Gramm bei den Hähnen und 700 Gramm bei den Hennen zwar deutlich kleiner, ähnelt den großen Verwandten ansonsten sowohl im Äußeren, als auch in der Legeleistung und den Besonderheiten der Haltung sehr. Die etwa 80 bis 100 Eier pro Jahr haben optimalerweise ein Gewicht von ca. 30 Gramm.

Weitere Informationen

Wer sich für die Haltung und Zucht von Yokohamas interessiert, findet nähere Informationen sowie Gleichgesinnte im seit 1921 bestehenden Sonderverein der Züchter der Sumatra, Zwerg-Sumatra, Yokohama und Zwerg-Yokohama e. V. Dieser untersteht dem Dachverband Bund deutscher Rassegeflügelzüchter e. V.
Zwar sind Yokohamas mittlerweile weltweit zu finden – wobei die meisten Züchter nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien zu Hause sind – werden jedoch auf kleineren Geflügelschauen nur selten gezeigt.