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Wyandotte Huhn: Wesen, Legeleistung und Haltung

Wyandotte Hahn

Das freundliche Wyandotte-Huhn – oder auch einfach Wyandotte – ist sowohl bei Züchtern als auch Haltern sehr beliebt, wie sich anhand der hohen Tierzahlen auf Ausstellungen gut beobachten lässt. Die Rasse ist unkompliziert in der Haltung und zudem ein ausgesprochenes Wirtschaftshuhn, das sowohl viele große Eier legt als auch schmackhaftes Fleisch liefert.

Steckbrief: Wyandotte

Gewicht Hahn: 3,4 bis 3,8 Kilogramm
Gewicht Henne: 2,5 bis 3 Kilogramm
Legeleistung: 180 Eier im ersten und zweiten Legejahr
Eigewicht: mindestens 55 Gramm
Eifarbe: gelblich bis dunkelbraun, je nach Farbenschlag
Winterleger: nein
Bruttrieb: recht ausgeprägt, zuverlässige Glucken
Kammform: Rosenkamm
Federfüße: nein
Farbenschläge: derzeit 18 anerkannt
Ringgröße: Hahn 20 / Henne 18

Herkunft

Seinen Ursprung hat das Wyandotte-Huhn in den USA, wo es im 19. Jahrhundert aus den Rassen Hamburger Silberlack, Paduaner, Sebright sowie den aus Bangladesch und Indien stammenden Chittagong-Hühnern erzüchtet wurde. Auch die großen Brahma-Hühner sowie Cochins hatten einen maßgeblichen Anteil an der neuen Hühnerrasse. Das Zuchtziel bestand von Anfang an in der Erschaffung eines pflegeleichten Zwiehuhns, welches wenig Futter braucht und dafür viele Eier legt. Des Weiteren sollte die neue Rasse einen freundlichen Charakter sowie einen guten Bruttrieb besitzen und sich zuverlässig um die Kükenaufzucht kümmern.

Tatsächlich wurden die ersten Tiere in den 1880er Jahren auf Ausstellungen gezeigt, so dass es bereits 1883 zur offiziellen Anerkennung kam. Schon nach kurzer Zeit erfreuten sich die nicht nur von ihrer Leistung und ihrem Wesen her sehr angenehmen Hühner großer Beliebtheit. Das Wyandotte-Huhn besitzt zudem ein gefälliges Äußeres, das bis heute einer der Hauptgründe für seine Haltung ist. Nach Deutschland kam die Rasse noch in den 1880er Jahren und fand auch hier schnell einen großen Freundeskreis.

Ihren Namen verdanken die Wyandotten-Hühner übrigens einem Indianerstamm der Huronen, die im heutigen Michigan weit verbreitet waren und sich angesichts des Wasserreichtums ihrer Heimat selbst als „Wyandot“ – was so viel wie „Inselbewohner“ bedeutet – bezeichneten.

Rassenbeschreibung

Das Wyandotte-Huhn besitzt ein charakteristisches Äußeres, welches die Rasse deutlich von anderen Hühnerrassen abhebt. Typisch sind etwa die fehlenden Sichelfedern beim Hahn, der demzufolge keinen „Hahnenschweif“ trägt, sondern dessen Rückenlinie einen stumpfen Abschluss bildet. Diese sollte zum Schwanz hin etwas ansteigen und bei der Rückansicht bei Hennen ein umgedrehtes „V“ abbilden.

Wyandotte Hahn

Die Rasse ist mit bis zu 3,8 Kilogramm Gewicht beim Hahn und bis zu drei Kilogramm bei der Henne mittelschwer, wirkt jedoch durch die sehr üppige Befiederung schwerer als sie ist. Insbesondere die Hennen bilden am Hinterleib viele Flaumfedern aus, die wichtig für gute Legehennen und Brüterinnen sind. Gemäß dem heute noch gültigen Zuchtziel sollten die Tiere eher hoch als breit sein, wobei der Hahn seine Brust stolz nach vorn wölbt.

Ebenfalls charakteristisch ist der fein geperlte, rote Rosenkamm, der vorn etwas breiter ist und sich nach hinten verjüngt. Der rundliche Kopf ist durch sein rotes Gesicht und eine leichte Befiederung gekennzeichnet, wobei die Augen leicht hervortreten. Auch Ohr- und Kehllappen sind kräftig rot.

Tipp: Gute Legerinnen erkennen Sie bei den Wyandotten leicht an der Farbe ihrer Läufe: Diese haben nämlich im Gegensatz zu weniger gut legenden Hennen eine blassere Färbung.

Farben

Ursprünglich wurde das Wyandotte-Huhn im silber-schwarzgesäumten Farbenschlag gezüchtet, zu dessen Zweck extra der ähnlich gefärbte Hamburger Silberlack eingekreuzt wurde. Mittlerweile erkennt der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e. V. (BDRG) 18 verschiedene Farbvarianten an, wobei es insgesamt wohl etwa 30 verschiedene gibt.

Derzeit anerkannt sind die folgenden Farbenschläge:

  • weiß
  • weiß-schwarz columbia
  • silberhalsig
  • silberschwarz-gesäumt
  • schwarz
  • schwarz-weiß gescheckt
  • rot
  • rebhuhnfarbig-gebändert
  • goldhalsig
  • goldweiß-gesäumt
  • goldschwarz-gesäumt
  • goldblau-gesäumt
  • gestreift
  • gelb
  • gelb-schwarzcolumbia
  • dunkel
  • braun-porzellanfarbig
  • blau

Hahn und Henne der Rasse unterscheiden sich in ihrer Farbgebung nur wenig, sind aber durch ihre Kopf- und Halszeichnung voneinander zu unterscheiden. Während der Hahn hier deutliche Unterschiede zum Mantelbehang zeigt, setzt sich bei der Henne die Zeichnung an dieser Stelle fort. Bei den einfarbigen Farbenschlägen sind die Hähne in der Regel kräftiger gefärbt als die Hennen.

Wie beim Federkleid sind auch die Eifarben bei Wyandotten sehr unterschiedlich ausgeprägt und weisen je nach Farbenschlag unterschiedliche Schattierungen zwischen gelb und dunkelbraun auf. Die Augen sind bei allen Farbvarianten hingegen stets orangerot, die Läufe gelb.

Nutzung / Wirtschaftlichkeit

Hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit eignen sich Wyandotten sehr gut für einen Selbstversorgerhof. Es handelt sich um eine klassische Zwienutzungsrasse, die sowohl produktive Eierleger sind als auch einen guten Schlachtkörper liefern. Die durchschnittlich 150 bis 180 Eier in den ersten beiden Legejahren schmecken nicht nur vorzüglich zum Sonntagsfrühstück, sondern eignen sich gleichermaßen gut für eine Kunst- oder eine Naturbrut. Das Wyandotte-Huhn gerät schnell in Brutstimmung und ist eine sehr fürsorgliche Mutter, die ihre Küken zuverlässig schützt und führt.

Des Weiteren gilt diese Hühnerrasse als überaus pflegeleicht, sind Wyandotten doch exzellente Futtersucher, die – sofern der Auslauf groß genug ist – nur wenig Zufütterung brauchen.

Wesen des Huhns

Zwerg-Wyandotte

Zwar wirkt so eine Schar über den Hühnerhof spazierender Wyandotten durch ihr Äußeres und ihre Haltung recht stolz, aber dieser Eindruck täuscht. Die Rasse ist

  • menschenfreundlich
  • sehr zutraulich
  • wenig aggressiv
  • wenig schreckhaft
  • wird schnell zahm

Auch für Kinder eignen sich die hübschen Tiere sehr gut und lassen sich gern aus der Hand füttern oder sogar auf den Arm nehmen. Aufgrund ihrer Größe und ihrer Behäbigkeit fliegen Wyandotten außerdem nicht, weshalb die Umzäunung des Auslaufs nicht höher als einen Meter sein muss. Die Tiere sind zwar den ganzen Tag emsig mit der Futtersuche beschäftigt, reißen aber eher selten aus und schätzen einen routinierten Tagesablauf – zur üblichen Fütterungszeit stehen sie zuverlässig an der Futterstelle und warten.

Tipp: Wie bei so vielen großen Hähne ist der Krähruf des Wyandotten-Hahns nicht gerade leise zu nennen, dafür aber neigen die männlichen Vertreter der Rasse eher wenig zum Lautieren. Das gilt vor allem dann, wenn Sie Stall und Auslauf sicher gestalten und dem Hahn maximal vier bis fünf Hennen zugesellen. Zudem sollten mehrere Hähne getrennt voneinander gehalten werden, um den sozialen Stress und somit die Häufigkeit der Krährufe zu minimieren.

Haltung

Wyandotten sind unkompliziert und stellen auch an ihre Haltungsbedingungen keine allzu hohen Ansprüche. So sind die Tiere schon mit einem kleinen Auslauf und einem Unterstand für die Nacht zufrieden. Über die Sommermonate kann sich eine Herde Wyandotten problemlos selbst versorgen, sofern der Auslauf ausreichend groß ist bzw. die Tiere praktisch unbegrenzten Freilauf haben.

Das Wyandotte-Huhn ist ein emsiger Futtersucher, der sich über einen abwechslungsreichen Auslauf mit Baumbestand und Büschen freut. Diese spenden nicht nur Schatten oder schützen vor Greifvögeln, sondern sorgen zugleich für Nahrung: Von Obstgehölzen fallen nicht nur reife Früchte, sondern auch Maden, Käferlarven und andere Insekten als Proteinquelle ab.

Das robuste Huhn trotzt selbst widrigen Witterungsbedingungen, ist es doch aufgrund seines dichten Federkleids vor Kälte sehr gut geschützt. Auch werden Wyandotten nur selten krank, sofern die hygienischen Haltungsbedingungen stimmen und ausreichend – aber nicht übermäßig – gefüttert werden. Problematisch kann jedoch der ausgeprägte Bruttrieb der Hennen werden, denn dieser kann ihrer Gesundheit schaden.

Gluckende bzw. brütende Hennen vergessen gern einmal zu fressen, weshalb Sie als Halter auf eine ausreichende Futteraufnahme während dieser Zeit achten müssen. Ist der Bruttrieb zudem sehr stark ausgeprägt, sind entsprechende Gegenmaßnahmen sinnvoll. Hierzu können Sie die Henne beispielsweise für einige Tage separat in einen anderen Stall sperren (Futter und Wasser nicht vergessen!) bis sich die Gluckenhaftigkeit wieder gelegt hat.

So sollten Auslauf und Stall bei der Haltung von Wyandotten gestaltet sein:

  • Größe des Auslaufs: mindestens 10-15 qm pro Huhn
  • Untergrund: fest, mit Gräsern und Kräutern bewachsen
  • Bepflanzung: ungiftige (Obst-)Bäume und Sträucher
  • Sonstiges: trockene Sandkuhle an einem sonnigen Standort
  • Hühnerstall: gut abdichten (Schutz vor Kälte und Ungeziefer), mit Stroh oder Spänen ausstreuen
  • Einrichtung: Sitzstangen in gleicher Höhe, aber auf niedrigem Niveau

Weitere Informationen zur Wyandotte

Wenn Sie sich für das Wyandotte-Huhn oder dessen Zwergvariante interessieren, wenden Sie sich am besten an einen in Ihrer Nähe befindlichen Rassegeflügelzuchtverein oder an den entsprechenden Landesverband. Insbesondere bei den Landesverbänden der Rassegeflügelzüchter finden Sie Adressen und / oder Telefonnummern der zuständigen Öffentlichkeitsbeauftragten, die Ihnen bei der Suche nach einem Züchter weiterhelfen. Ansonsten gibt es diverse Sondervereine zur Erhaltung und Förderung von Wyandotten und Zwergwyandotten, die sich zumeist nach Farbenschlägen organisieren.

Alternativ halten Sie zwischen Oktober und Januar einmal Ausschau nach Plakaten oder Berichten in der lokalen Presse, in denen auf eine Rassegeflügelschau des örtlichen Rassegeflügelzuchtvereins aufmerksam gemacht wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit finden Sie dort ausgestellte Wyandotten, die zudem manchmal zum Verkauf angeboten werden. Gleichzeitig können Sie bei der Gelegenheit unkompliziert mit Züchtern in Kontakt kommen.