Selbstversorger.de

Kraienköppe Huhn | Wesen, Farbschläge, Legeleistung

Kraienköppe

Die robusten und pflegeleichten Kraienköppe stehen in dem Ruf, besonders fleißige Eierleger zu sein. Zudem sind die hübschen Landhühner mit dem charakteristischen Kämpfereinschlag gut zu zähmen. Ursprünglich stammt die für Selbstversorger attraktive Rasse aus der Grenzregion zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Steckbrief

Gewicht Hahn2,5 bis 3 Kilogramm
Gewicht Henne1,75 bis 2,5 Kilogramm
Legeleistungbis zu 200 Eiern im Jahr
Eigewichtmindestens 55 Gramm
Eifarbeweiß
Winterlegerja
Bruttriebvorhanden, jedoch nicht stark ausgeprägt
Federfüßenein
Farbenschlägederzeit sind fünf Farbenschläge offiziell anerkannt
RinggrößeHenne 18 / Hahn 20

Herkunft

Dass die Kraienköppe bis heute ein „kämpferisches“ Aussehen besitzen, kommt nicht von ungefähr: Ursprünglich wurde die Rasse tatsächlich für die im 19. Jahrhundert noch sehr beliebten Hahnenkämpfe gezüchtet. Etwa zwischen 1880 und 1890 kreuzten die in den Niederlanden lebenden Brüder Lazonder Tiere folgender Rassen und Herkunft:

  • Malaien
  • Belgische Kämpfer
  • einige italienische Rassen
  • sowie niederländische Landhühner

Sie erhielten aus diesen Kreuzungen mutige, sehr starkknochige Tiere, die den damals für Hahnenkämpfe besonders beliebten Malaien – eine aus Südostasien stammende Kampfhuhnrasse – überlegen waren.

Vom Kämpfer zum Wirtschaftshuhn

Die neue, in den Niederlanden als „Twentse Grijze“ getaufte Rasse stellte sich allerdings, wie so viele andere Kampfhuhnrassen auch, als äußerst schlechte Leger heraus und blieb daher zunächst auf einen kleinen Züchterkreis beschränkt.

Durch das Einkreuzen niederländischer und italienischer Landhuhnrassen – insbesondere letztere gelten als hervorragende Eierleger – wandelte sich das reine Kampfhuhn in ein feinknochiges, aber immer noch stattliches und vor allem sehr legefreudiges Landhuhn. Dieses, erstmals 1925 auf der Junggeflügelschau in Hannover vorgestellt, setzte sich schnell durch und fand vornehmlich im deutsch-niederländischen Grenzgebiet alsbald zahlreiche Liebhaber.

Offizielle Anerkennung

Die offizielle Anerkennung als Rasse erfolgte bereits 1926 zunächst nur mit dem silberhalsigen Farbenschlag. Die beliebte goldhalsige Variante gelangte schließlich 1929 / 30 zur Anerkennung.

Hinweis: In Deutschland konnte sich die niederländische Rassebezeichnung jedoch nicht durchsetzen, stattdessen wurden die Tiere auf deutscher Seite seit jeher als „Kraienköppe“ bezeichnet. Dies führt manchmal zu Verwirrungen, weil es eine gleichnamige niederländische Hühnerrasse gibt, die wiederum im Deutschen als „Breda“ bekannt ist.

Rassebeschreibung

Zwar ist der Vermerk, dass ein deutlicher Kämpfereinschlag wünschenswert (und dessen Fehlen ein grober Fehler) wäre, aus der offiziellen deutschen Rassebeschreibung mittlerweile verschwunden, dennoch legen viele Züchter bis heute großen Wert auf diese für Kraienköppe sehr charakteristische Merkmale wie etwa den „Stiernacken“. Hähne wie Hennen dieser Rasse haben einen muskulösen, kräftigen Körperbau, der dennoch nicht zu schwer werden darf: Schließlich geht ein zu starker Knochenbau bei dieser Rasse mit einer schlechteren Legeleistung einher.

Weitere typische Rassemerkmale:

  • Kopf: breit, kurz, gewölbt, hervortretende Augenbrauen und deutlich abgesetztes Genick
  • Kehle und Gesicht: möglichst federfrei
  • Kamm: schmaler Wulstkamm
  • Hals: kräftig, mit reichlichem Behang, der auf Rücken und Schultern fällt
  • Schultern: markant, breit
  • Rücken: recht lang und gerade, eher breit, nach den Seiten abgerundet, nach hinten eher abfallend
  • Sattel: breit, lang und voll im Behang
  • Rumpf: kräftig, gestreckt
  • Brust: voll und breit, gewölbt
  • Bauch: voll
  • Schenkel: kräftig
  • Läufe: glatt, gelb

Das Gefieder sollte stets straff anliegen. Hähne sind mit einer Höhe zwischen 60 und 65 Zentimetern meist deutlich größer als die etwa 45 bis 50 Zentimeter großen Hennen.

Tipp: Was das Gewicht betrifft, werden in der derzeit gültigen Musterbeschreibung zwar rund 3 Kilogramm für Hähne und 2,5 Kilogramm für Hennen vorgeschrieben, allerdings sind die Tiere in vielen Zuchten deutlich schwerer. Althähne erreichen mitunter bis zu 4 Kilogramm Gewicht, Hennen bis zu 3,5 Kilogramm. Da das hohe Gewicht einen negativen Einfluss auf die Legeleistung hat, achten Sie unbedingt auf einen leichteren Körperbau.

Farbschläge

Insgesamt gibt es vier verschiedene, anerkannte Farbschläge. Ein weiterer befindet sich derzeit noch im Anerkennungsverfahren. Kraienköppe gibt es in diesen attraktiven Gefiederfarben:

  • silberhalsig
  • goldhalsig
  • orangehalsig
  • blau-goldhalsig
  • rotgesattelt

Da die silber- und goldhalsigen Kraienköppe die ältesten Farbschläge darstellen, gehören diese auch zu den beliebtesten. Orange- und blau-goldhalsige Zuchten sind hingegen eher selten zu finden, rot gesattelte sind erst seit 2012 offiziell anerkannt. Des Weiteren gibt es als orange-blauhalsig bezeichneten Farbenschlag, der jedoch nicht als solcher durch die Zuchtverbände anerkannt ist.

Nutzung / Wirtschaftlichkeit

Kraienköppe gelten bis heute als ausgezeichnete Eierleger, konnten sie doch bei Leistungsprüfungen in den 1920er und 30er Jahren zeigen, dass sie deutlich mehr als 200 Eier pro Jahr legen konnten. Leider haben viele Züchter diese für Selbstversorger so wertvolle Eigenschaft nahezu weggezüchtet, indem sie die Tiere ausschließlich auf „Schönheit“ selektierten und deren Leistung völlig außer Acht ließen. Die Folge ist, dass die Rasse heute bei so manchem enttäuschten Halter in Verruf geraten ist – schließlich legten die als so legefreudig beschriebenen Tiere nur wenige Eier.

Achten Sie bei der Anschaffung von Tieren dieser Rasse also darauf, bei einem auf Leistung abzielenden Züchter zu kaufen. Vermeiden Sie es hingegen, Ihre Tiere bei jemandem zu erwerben, der durch viele Pokale zahlreiche Erfolge auf Schauen und Ausstellungen erzielen konnte! Ausstellungszüchter achten selten auf Leistungsmerkmale wie etwa die tatsächlich gelegte Eierzahl, weil es ihnen auf andere Merkmale ankommt.

Gezielte Leistungszucht

Allerdings lassen sich erworbene Jungtiere durch gezielte Selektion von legefreudigen Hennen – und vor allem ihre Söhne sollten Sie zur Zucht verwenden! – wieder zu alter Stärke zurückführen. Schließlich liegt den Kraienköppen die Legefreudigkeit geradezu in den Genen.

Weitere positive Merkmale dieser wirtschaftlichen Rasse:

  • legefreudig, 200 und mehr Eier im ersten und zweiten Legejahr
  • sehr gute Futtersucher, sofern Auslauf großzügig und abwechslungsreich gestaltet
  • Winterleger
  • sehr robust und winterhart
  • frohwüchsige und frühreife Küken

Grundsätzlich eignen sich die schönen Tiere also sehr gut für den Selbstversorgerhof, zumal sie auch über einen starken Charakter verfügen.

Charakter

Nicht nur in ihrem Äußeren erkennt man das Erbe der Kämpfer, auch ihr Charakter erinnert an die starken Nerven und die Menschenbezogenheit dieser Hühnerrassen. Kraienköppe sind neugierig und sehr leicht zu zähmen, sie fressen ihnen buchstäblich „aus der Hand“ und lassen sich, sofern daran gewöhnt, problemlos auf den Arm nehmen. Allerdings sind insbesondere die Hähne recht aggressiv und gehen sowohl auf Rivalen im Hühnerhof als auch auf andere (vermeintliche) Bedrohungen los. Im Gegensatz zu vielen anderen Hühnerrassen verstecken sich die stolzen Kraienkopp-Hähne nicht vor dem Habicht, sondern setzen sich gegen diesen mit allen vorhandenen Waffen zur Wehr.

Tipp: Zudem kommt die Rassebezeichnung „Kraienkopp“ nicht von ungefähr: Vor allem die Hähne zeichnen sich durch sehr laute und langgezogene Rufe aus, von denen sich so mancher Nachbar möglicherweise gestört fühlen könnte. Wer eine eher ruhige Rasse sucht, sollte sich daher besser nach anderen Hühnern umschauen.

Haltung

Am wohlsten fühlen sich die robusten Kraienköppe in einer naturnahen Haltung mit einem großzügigen und abwechslungsreich gestalteten Auslauf, der bestenfalls mit einem hohen, flugsicheren Zaun umgeben ist. Die Rasse gilt als sehr flugfreudig. Ansonsten stellen Kraienköppe kaum Ansprüche, sind sie doch ausgesprochen robust und widerstandsfähig – selbst im Winter.

Neben der Großrasse gibt es auch eine sowohl in ihrem Äußeren als auch in ihren Eigenschaften sehr ähnliche Zwergrasse. Zwerg-Kraienköppe werden bis zu 850 Gramm (Hähne) bzw. 750 Gramm (Hennen) schwer und legen bis zu 180 Eier mit einem Gewicht von etwa 35 Gramm pro Jahr. In den Niederlanden wird diese Varietät als „Twentse Grijze Krielen“ bezeichnet.

Weitere Informationen

Wer sich für die Haltung und Zucht von Kraienköppen interessiert, findet aktuelle Informationen sowie Züchteradressen beim offiziellen Sonderverein der Züchter der Kraienköppe und Zwerg-Kraienköppe. Diesen gibt es bereits seit 1932.