Selbstversorger.de

Komplett schwarze Hühner | Ayam Cemani

Ayamcemani

Ayam Cemani (meist nur als Cemani bezeichnet) sind eine auffällige Besonderheit im Hühnerhof: Die lebhaften, flinken Tiere sind von Kopf bis Fuß tiefschwarz gefärbt. Sogar Kamm, Ohrlappen, Augen, Knochen und Fleisch weisen eine schwarze Färbung auf. Die interessante Rasse stammt ursprünglich aus Indonesien, ist aber auch in unseren Breitengraden gut zu halten.

Steckbrief

Gewicht Hahn 2 bis 2,5 Kilogramm
Gewicht Henne 1,5 bis 2 Kilogramm
Legeleistung 80 Eier pro Jahr
Eigewicht mindestens 45 Gramm für Bruteier
Eifarbe cremeweiß bis elfenbeinfarben
Winterleger ja
Bruttrieb ausgeprägt
Kammform einfach
Federfüße nein
Farbenschläge ausschließlich schwarz
Ringgröße Henne 16 / Hahn 18

Herkunft und Geschichte

Ursprünglich stammen die komplett tiefschwarzen Tiere aus einer ganz bestimmten Region in Indonesien und kommen bis heute vornehmlich in dem Ort Kedu (Java Tengah) vor. Die Rasse existiert wahrscheinlich schon seit mehreren hundert bis tausend Jahren, allerdings liegt seine genaue Geschichte im Dunkel der Zeiten verborgen. Genetikern zufolge geht die ungewöhnliche Schwarzfärbung auf die Mutation eines einzigen Tieres zurück. Aus diesem haben sich wahrscheinlich sowohl die Ayam Cemani als auch andere, ebenfalls dunkel pigmentierte Rassen entwickelt.

In ihrer asiatischen Heimat werden diese Hühner gern für magische bzw. schamanistische Rituale verwendet, werden ihnen doch mystische und heilende Eigenschaften nachgesagt. So finden die Tiere beispielsweise in verschiedenen Opferritualen Verwendung. Zudem sind Ayam Cemani auch in anderen asiatischen Ländern und Regionen – vor allem im aufstrebenden China – begehrt, gilt ihr Fleisch doch als besonders delikat und nahrhaft. Aufgrund ihrer Seltenheit sind die Tiere sehr teuer: Ein einziges Huhn kann durchaus mit mehreren hundert Euro gehandelt werden, sofern es sich um ein reinrassiges und makelloses Tier handelt.

Ayam Cemani in Europa

Erstmals in Europa bekannt wurden die Tiere bereits in den 1920er Jahren, als aus den Niederlanden nach Indonesien eingewanderte Europäer erstmals von den ungewöhnlichen Tieren berichteten. Die ersten Exemplare gelangten allerdings erst vor wenigen Jahren hierher, als der Niederländer Jan Steverink sich auf die Suche nach dem Heimatort der tiefschwarzen Hühner machte und 1998 erstmals Bruteier nach Europa brachte. Diese allerdings erweisen sich als nicht besonders ergiebig, denn aus den 20 mitgebrachten Eiern schlüpften lediglich zwei Küken – von denen eines aufgrund von krummen Beinen für eine weitere Zucht unbrauchbar war.

Ayam Cemani
Fiver, der Hellseher, Ayam Cemani (Zoo Dresden), Zuschnitt von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Das zweite Küken wiederum entpuppte sich als eine gesunde Henne und wurde schließlich mit einem Sumatrahahn verpaart. Steverink ließ sich weitere Bruteier aus Indonesien schicken, deren Schlupfrate allerdings stets sehr niedrig war. Aus diesem Grund sind in Europa erhältliche Ayam Cemani in den allermeisten Fällen nicht reinrassig, sondern stammen aus Kreuzungslinien. Das zeigt sich häufig in Merkmalen wie etwa einem grünlich schimmernden Gefieder, hellerem Fleisch, einem dunkelrot statt schwarz gefärbten Kamm bzw. der einen oder anderen hellen Feder.

Offizielle Anerkennung als Rasse

Die Vorstellung der ersten europäischen Ayam Cemani erfolgte 2003 auf der Junggeflügelschau in Hannover. Zur offiziellen Anerkennung gelangte die Rasse erst im Jahre 2006, wobei es bis heute nur wenige Züchter und noch keinen Sonderverein gibt.

Tipp: Neben den Cemani-Hühnern gibt es noch andere schwarze Rassen. Die bekanntesten sind wahrscheinlich die häufigeren Seidenhühner, die ebenfalls schwarze Haut und schwarzes Fleisch haben. Aber auch das kaum bekannte Schwedische Schwarzhuhn – welches schon seit Jahrhunderten in Schweden und Norwegen gehalten und gezüchtet wird – sowie das aus Vietnam stammende H’Mong Huhn weisen eine rassetypische Hyperpigmentierung auf.

Rassebeschreibung

Cemani-Hühner haben einen deutlichen Kämpfereinschlag, sind muskulös und weisen eine aufrechte, stolze Haltung auf. Sie sind relativ klein und leicht – das Durchschnittsgewicht beträgt bei Hähnen rund 1,8 bis 2 Kilogramm, bei Hennen sogar nur rund anderthalb Kilogramm. Deshalb werden die Tiere manchmal auch als Zwergrasse geführt, obwohl es sich genau genommen nicht um eine solche handelt.

Weitere rassetypische Merkmale sind:

  • muskulöser, aber schlanker Körper
  • etwas breitere Brust
  • gleichmäßiger Fleischansatz ohne übertriebene Brust und Schenkel
  • kräftige Krallen und Schnabel
  • Haltung und Figur verraten Kämpfereinschlag
  • lange Läufe
  • kräftiger Hals
  • gut sichtbare Schenkel

Hahn und Henne weisen nur wenige Unterschiede auf. Lediglich der dickfleischige, einfache Kamm mit den vier bis sechs Zacken sowie der hoch getragene Schwanz unterscheiden die Geschlechter. Zudem sind Hähne etwas größer und schwerer sowie aufrechter in ihrer Haltung als die Hennen.

Farbschläge

Reinrassige Ayam Cemani sind am ganzen Körper – auch im Inneren! – tiefschwarz, zudem weist das eher grobe Federkleid eine matte Färbung mit bläulichem Schimmer auf. Zeigt sich an den Tieren hingegen ein grüner Glanz, so handelt es sich um mit Sumatra vermischte Kreuzungstiere. Ebenfalls typisch für reinrassige Ayam Cemani ist übrigens die Eigenart, dass erwachsene Tiere – auch wenn sie als Küken komplett schwarz waren – nach der Mauser manchmal einen roten Kamm und farbige Schwanzfedern entwickeln. Aus diesem Grund kaufen erfahrene Halter und Züchter nur einjährige Tiere.

Ayam Cemani

Bei der ungewöhnlichen schwarzen Färbung handelt es sich um ein auf natürliche Weise durch Mutation entstandenes Merkmal, welches allerdings durch gezielte Züchtung erhalten wird und typisch für diese Rasse ist. Auch wenn Knochen und Fleisch üblicherweise ebenfalls schwarz oder sehr dunkel pigmentiert sind – außer bei manchen Kreuzungstieren, die manchmal schwarze Knochen und weißes Fleisch haben – weisen die Eier eine innen wie außen normale helle Färbung und gelbe Dotter auf. Das Blut der Ayam Cemani ist ebenfalls nicht schwarz (wie manchmal behauptet), sondern lediglich dunkelrot.

Nutzung / Wirtschaftlichkeit

Im Hinblick auf ihre Wirtschaftlichkeit kommen andere Hühnerrassen auf einem Selbstversorgerhof deutlich besser weg. Ayam Cemani

  • legen lediglich bis zu 80 Eier im Jahr
  • Kreuzungstiere schon mal bis zu 140
  • legen mit bis zu 45 Gramm recht kleine Eier
  • meist sind diese deutlich kleiner
  • haben nur ein geringes Schlachtgewicht

Zudem ist die dunkle Pigmentierung für viele gewöhnungsbedürftig: Das schwarze Fleisch lässt eine Hühnersuppe ebenfalls schwarz erscheinen und ein derart dunkler Sonntagsbraten ist ebenfalls zumindest optisch nicht jedermanns Sache. Allerdings soll das Fleisch einen ungewöhnlich delikaten Geschmack haben, der an Wild erinnert. Manche beschreiben ihn als fasanenartig.
Grundsätzlich können Sie das Fleisch der Cemani-Hühner wie jedes andere Hühnerfleisch auch verwenden und zubereiten.

Charakter

Ayam Cemani sind definitiv keine Hühner für Anfänger, sondern brauchen Halter mit viel Erfahrung. Die Tiere haben keinen einfachen Charakter, zumal sich in diesem auch ihr kämpferisches Erbe zeigt. Sie sind:

  • sehr lebhaft
  • sehr schreckhaft
  • beim kleinsten ungewohnten Geräusch im Stall verschwunden
  • schwer zu zähmen
  • eher scheu
  • wenig menschenbezogen
  • emsige Futtersucher
  • sehr gute Flieger
  • haben einen großen Bewegungsdrang
  • recht aggressiv

Typischerweise legen sich Ayam Cemani mit allem und jedem an, der ihnen in die Quere kommt. Im Hühnerhof bestimmen die Tiere oft die Hackordnung und achten penibel auf deren Einhaltung – wer sich nicht daran hält, bekommt dies schnell zu spüren. Steht diese jedoch, kann man in der Regel auch mehrere Hähne zusammenhalten. Zudem achten die Tiere aufeinander: Gerät ein Cemani-Huhn in Bedrängnis, kommen oft die anderen angelaufen und unterstützen ihren Artgenossen.

Cemani-Hennen sind hervorragende Glucken mit einem ausgeprägten Bruttrieb. Leider ist die Schlupfrate bei den Eiern sehr schlecht, wobei vor allem bei Kunstbrut oftmals nur sehr wenige Küken schlüpfen. Dies ist auf die hohe Inzuchtrate der europäischen Linie zurückzuführen, da diese nur auf wenige Tiere zurückgeht. Aus diesem Grund ist das gelegentliche Einkreuzen von Sumatra-Hühnern zur Blutauffrischung sinnvoll.

Ayam Cemani
Thomon, Poule cemani, Zuschnitt von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Tipp: Wer Cemani-Hühner zähmen möchte, sollte diese mit der Hand aufziehen und sich von klein auf intensiv um die Küken kümmern. Allerdings ist die künstliche Aufzucht im Vergleich zur Gluckenaufzucht ungleich schwerer, da die Jungtiere viel Wärme brauchen und recht empfindlich sind.

Haltung

Nicht nur ihr Charakter, auch ihre Haltung ist nicht ganz einfach. Ayam Cemani eignen sich nicht für eine reine Stallhaltung, sie brauchen:

  • einen großen, abwechslungsreichen Auslauf
  • viele Versteckmöglichkeiten (Büsche)
  • Bäume, da sie gern in Bäumen hocken
  • einen geräumigen, leicht zu erreichenden Stall

Je größer und abwechslungsreicher in seiner Gestaltung der Auslauf ist, desto eher versorgen sich die fleißigen Futtersucher selbst und müssen zumindest während der Sommermonate nur wenig zugefüttert werden. Allerdings sollten Sie diesen mit einem zwei Meter hohen Zaun umgeben sowie ein Netz darüber spannen: Cemanis sind sehr gute Flieger und ergreifen bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Flucht.

Tipp: Zwar sind Cemanis recht robust und auch bei uns gut winterhart, sollten jedoch trotzdem während der kalten Jahreszeit geschützt werden. Fetten Sie zu diesem Zweck die nicht befiederten Körperteile – etwa den Kamm und die Ohrscheiben – als Schutz gegen die Kälte ein.

Weitere Informationen

In Deutschland gibt es nur wenige Ayam Cemani Züchter, auch einen offiziellen Sonderverein gibt es noch nicht. Wer Informationen und Züchteradressen haben möchte, wendet sich am besten direkt an den Öffentlichkeitsbeauftragten des Bundes deutscher Rassegeflügelzüchter e. V. (BDRG). Ansonsten sind gelegentlich Bruteier (Jungtiere nur selten) in den verschiedenen Kleinanzeigen (etwa auf einschlägigen Internetseiten oder in der Geflügelzeitung) zu finden. Hier allerdings ist die Herkunft und Zuchtlinie nicht immer gesichert!