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Folie Vlies Hochbeet

Welche Folie oder Vlies fürs Hochbeet: 6 Möglichkeiten verglichen

Ein Hochbeet stellt in vielen Situationen eine gute Möglichkeit dar, selbst auf kleinstem Raum die Früchte eines eigenen Gartens zu genießen. Unerlässlicher Bestandteil des klassischen Aufbaus ist dabei eine Schicht, die den Beetinhalt, also die Erde, gegenüber der Beeteinfassung, also dem Holz (oder seltener auch Stein) abtrennt. Welche Möglichkeiten es dafür gibt und wo die Vor- und Nachteile von Folie oder Vlies im Hochbeet liegen, erfahren Sie hier.

Warum überhaupt Folie oder Vlies?

Die Folie im Hochbeet hat mehrere Funktionen, die sich – je nach Konstruktion des Hochbeets – zu einem mehr oder weniger komplexen Anforderungsprofil für geeignete Materialien addieren:

  • Schutz der Beeteinfassung vor Feuchtigkeit aus dem Substrat (vor allem bei feuchteempfindlichen Materialien wie Holz)
  • Ableitung übermäßiger Feuchtigkeit aus dem Hochbeet
  • Verhinderung von Ausschwemmungen der Erde aus dem Beet

Daraus ergeben sich unterschiedliche Eignungen für die im Handel zur Verfügung stehende Materialauswahl.

Vlies oder Folie?

Vor der Betrachtung konkreter Materialien sollte kurz der grundlegende Unterschied zwischen Vlies und Folie erläutert werden, denn beide Materialien vermögen etwa die Erde bzw. das Substrat im Hochbeet zu halten. Das Vlies ist allerdings entgegen jeder Folie von sich aus wasserdurchlässig, während Folien zunächst wasserundurchlässig sind und somit an den erforderlichen Stellen – vor allem am Hochbeetboden – gezielt durch Löcher oder Schlitze für übermäßiges Niederschlagswasser durchlässig gemacht werden müssen.

Schnittlauch im Hochbeet

Diese essentiellen Unterschiede ergeben abweichende Einsetzbarkeiten beider Materialien, denn wo eine eigentlich dichte Folie leicht perforiert und somit durchlässig gemacht werden kann, lässt sich ein ohnehin durchlässiges Vlies nicht einfach abdichten. Somit ergeben sich bereits vor der Entscheidung über ein bestimmtes Material folgende Präferenzen hinsichtlich Folie oder Vlies:

Vlies:

  • für Hochbeetböden
  • für unempfindliche Einfassungen, wie Metall, Stein oder Beton
  • im Bereich feuchteempfindlicher Materialien nur in Kombination mit dichten Werkstoffen bedingt sinnvoll

Folie:

  • für alle seitlichen Einfassungen
  • für den Hochbeet-Boden nur perforiert bzw. nicht vollflächig, um Durchlässigkeit zu erhalten

Folie und Vlies für den Einsatz im Hochbeet

Die Zahl der erhältlichen und auch geeigneten Materialien für den Einsatz im Hochbeet ist begrenzt. Diese Typen gehören zu den gängigsten Werkstoffen:

Achtung: Alle nachfolgend aufgeführten Folien gehören zur großen Gruppe der so genannten Teichfolien. Trotz ihrer Unterschiede weisen sie allesamt eine hohe Flexibilität, eine hohe Belastbarkeit, sowie die Unbedenklichkeit in der Verwendung im Rahmen der Gartenarbeit auf. Normale Abdeckplanen und sonstige Folien sollten dagegen nicht für das Hochbeet herangezogen werden. Eine sehr geringe Haltbarkeit im geplanten Einsatzbereich, sowie eine meist hohe Ausdünstung enthaltener Weichmacher lassen sie für den Einsatz in der Umgebung des Gemüseanbaus zumindest fraglich erscheinen.

Hochbeet Kräuter

PVC-Folie

  • Beschreibung: Polyvinylchlorid – thermoplastischer Kunststoff, bekannt z.B. von Rohrleitungen und anderen Werkstücken
  • Vorteile:
    • belastbar
    • gute Toleranz gegenüber thermischen Schwankungen in Sonne, Schatten, Feuchte und Trockenheit
    • günstig auf Grund einfacher Herstellungsverfahren
    • leicht zu verlegen und auszubessern
    • in zahlreichen Farben erhältlich (optischer Aspekt bei Hochbeeten in Terrassennähe)
  • Nachteile:
    • sehr hohe Ausdünstung von Weichmachern
    • eingeschränkte Haltbarkeit im dauerhaften Erdkontakt
    • Zersetzungsprodukte umweltschädlich

PE-Folie

  • Beschreibung: Polyethylen – thermoplastischer Kunststoff
  • Vorteile:
    • recht steifes Materialverhalten, somit zum flächigen Einbau gut geeignet
    • rückstandsfrei biologisch abbaubar, somit gut umweltverträglich
    • UV-beständig
  • Nachteile:
    • im Vergleich zu PVC geringere Haltbarkeit
    • Eckausbildungen gerade bei kleinen Hochbeeten aufwändig und zeitintensiv

EPDM-Folie

  • Beschreibung: Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk
  • Vorteile:
    • sehr dauerhaft (bis zu mehrere Jahrzehnte)
    • kaum Weichmacher enthalten
    • nahezu ausdünstungsfrei
    • vielfach BIO-zertifiziert erhältlich
    • reißfest, extrem dehnbar auf bis zu 300% der ursprünglichen Länge
    • stark kälteresistent bis -40°C
    • ozonbeständig
  • Nachteile:
    • teuer, da aufwändig in der Herstellung
    • recht aufwändig in der Handhabung und im Einbau im Hochbeet

Hochbeet Stein

Noppenfolie

  • Beschreibung: starre Kunststoffbahn, bekannt als Drainageebene vor Kelleraußen-wänden
  • Vorteile:
    • weichmacherfrei
    • mechanisch extrem belastbar
    • unempfindlich gegen schädliche Umweltstoffe
    • schlagfest, thermisch unempfindlich, trinkwasserneutral
    • gute Drainagefähigkeit durch Noppen
    • kein flächiges Anhaften am Beetrand
  • Nachteile:
    • sehr starre Folie
    • Eckausbildungen durch knicken nicht möglich
    • Folie muss geschnitten und gestoßen werden
    • üblicherweise nur aus ökologisch bedenklichem PVC erhältlich

Flüssigteichfolie

  • Beschreibung: Flüssigkunststoff, der nicht eingelegt, sondern aufgestrichen wird und anschließend vollständig aushärtet
  • Vorteil:
    • lebensmittelecht
  • Nachteil:
    • nur bedingt zur Überbrückung von Rissen etc. in der Umrandung geeignet
    • ist auf flächigen Untergrund angewiesen
    • für Beetböden ungeeignet, da kaum perforierbar

PET-Vlies

  • Beschreibung: Gewebe aus Polyethylenterephthalat-Fasern, bekannt beispiels-weise von Funktionsbekleidung
  • Vorteile:
    • wasserdurchlässig und atmungsaktiv
    • einfacher Zuschnitt,
    • leichte Verlegbarkeit
    • frost- und wetterbeständig
    • keine Perforation am Beetboden nötig
  • Nachteil:
    • kein Feuchteschutz für empfindliche Beeteinfassungen, z.B. aus Holz

Tipp: Unabhängig von der Auswahl des genauen Folienmaterials, lohnt die Überlegung einer Materialkombination. Gut geeignet für ein Hochbeet ist beispielsweise die Kombination einer dichten Folie aus EPDM für die Beetseiten zur Holzumrandung mit einem durchlässigen Vlies für den Boden. Bei festen Umrandungen aus Stein oder Metall lässt sich dagegen eine Noppenfolie für die Seiten als Drainageebene gut mit Vlies oder perforierter EPDM-Folie für den Boden verbinden.

Hochbeet geflochten

Hinweise zur Materialauswahl im Einzelfall

Auch wenn beim Betrachten der Möglichkeiten die meisten Leser schnell ihren Favoriten ermittelt haben dürften, lohnt eine kurze Betrachtung möglicher Einflussfaktoren auf die Entscheidung für Folie oder Vlies im Hochbeet:

  • Beeteinfassung? bei Holz, Flechtwerk etc. Feuchteschutz wichtiger, als etwa bei Metall, Stein oder Beton
  • Standzeit? bei einjährigen Beeten keine hohe Dauerhaftigkeit erforderlich, bei dauerhaften Beeten lange Haltbarkeit wichtig
  • Bepflanzung? Verträglichkeit bzw. Ausdünstungen bei Gemüse wichtiger, als beispielsweise bei nicht verzehrfähigen Zierpflanzen
  • Budget? bei geringem Budget kostengünstige Alternative wählen für mehr finanziellen Spielraum bei der Bepflanzung