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Felsenbirne als Marmelade: sind die Früchte giftig?

Felsenbirne Strauch

Anders als ihr Name vermuten lässt, hat die Felsenbirne (bot. Amelanchier) mit der Birne höchstens eine gewisse entfernte Verwandtschaft gemeinsam, denn beide gehören zu den Kernobstgewächsen (bot. Pyrinae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Entgegen der landläufigen Meinung sind die beerenähnlichen Früchte der Felsenbirne nicht giftig und lassen sich zu allerlei Leckereien, so zum Beispiel zu Marmelade, verarbeiten.

Superfood

Haben Sie schon einmal etwas von Saskatoonbeeren gehört? Diese Früchte werden in Kanada im großen Stil angebaut und für allerlei süße und herzhafte Gerichte verarbeitet – unter anderem für das nahrhafte kanadische „Nationalgericht“ Pemmikan, einem Gemisch aus getrocknetem Fleisch, getrockneten Beeren und Fett. Dabei handelt es sich um die Früchte der Erlenblättrigen Felsenbirne (bot. Amelanchier alnifolia), die mittlerweile hierzulande als so genanntes „Superfood“ angeboten werden.

Heimische Amelanchier-Arten

Statt auf teure, importierte Trockenbeeren können Sie ganz einfach auf frisches Wildobst aus Ihrem Garten oder aus der Natur zurückgreifen, denn verwandte Arten dieser Felsenbirne (beispielsweise die Gemeine Felsenbirne, bot. Amelanchier ovalis, oder die Kupfer-Felsenbirne, bot. Amelanchier lamarckii) sind auch bei uns weit verbreitet.

Die anspruchslosen, bis zu drei Meter hohen Sträucher oder kleinen Bäume hängen im Juni und Juli voll mit bis zu einen Zentimeter großen, blauschwarzen Beerenfrüchten. Diese werden aufgrund ihrer Färbung oft für giftig gehalten, sind aber essbar und lassen sich prima zu Marmelade, Gelees oder Likör verarbeiten.

Felsenbirne Strauch ganz

Fast vergessenes Wildobst

Tatsächlich werden die geschmacklich leicht an Marzipan erinnernden Früchte schon seit vielen hundert Jahren als gesundes Wildobst geschätzt, wovon volkstümliche Namen wie beispielsweise „Korinthenbaum“ in Norddeutschland heute noch zeugen. In früheren Zeiten trockneten die Menschen die reifen Beerenfrüchte und verwendeten sie anstelle von Rosinen. In moderner Zeit ist die Verwendung als Wildobst allerdings etwas in Vergessenheit geraten.

Ist die Felsenbirne giftig?

Heute kennen die meisten Menschen die Felsenbirne nur noch als hübschen Zierstrauch für den Garten, wissen aber nicht, dass die bei Reife blauschwarzen Früchte nicht direkt giftig sind. Lediglich die im Fruchtfleisch enthaltenen Samen enthalten in geringen Mengen so genannte cyanogene Glykoside, die freigesetzt zu Blausäure reagieren können – das allerdings passiert nur, wenn man die Samenkerne zerkaut. Schlucken Sie diese stattdessen einfach hinunter, scheidet ihr Körper sie mitsamt den Giftstoffen unverdaut wieder aus.

Die enthaltene Menge an Blausäure entspricht in etwa denen von Apfelkernen (ja, auch diese sind im Grunde giftig!) und wird durch Kochen vollständig zerstört. Verspeisen Sie die Früchte dagegen roh, kommt es erst bei größeren Mengen ab ca. 250 Gramm möglicherweise zu Verdauungsproblemen. Mit Vergiftungserscheinungen müssen Sie hingegen nicht rechnen.

Inhaltsstoffe

Ganz im Gegenteil, denn – in Maßen genossen – enthalten Felsenbirnen eine ganze Reihe an gesunden Inhaltsstoffen, die zu einer ausgewogenen Ernährung dazu gehören. So liefern die reifen Früchte neben Vitaminen und Mineralstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe, zu denen Gerbstoffe und Flavonoide gehören.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Felsenbirne im Überblick

  • Vitamine: Vitamin C, wichtig für das Immunsystem
  • Mineralstoffe: Magnesium, Kalzium, Kalium, Zink, reich an Eisen, wichtig für Blut, Nerven und Muskeln
  • Flavonoide: wichtig für die Herzgesundheit, halten Blutgefäße geschmeidig
  • Gerbstoffe: sorgen für den leicht bitteren Geschmack, bekämpfen Entzündungen im Körper
  • Ballaststoffe: vor allem Pektin sättigt, ohne dabei zusätzlich Kalorien zu liefern

Tipp: Felsenbirnen sind nicht nur voller gesunder Inhaltsstoffe, sondern auch kalorienarm und daher für eine gesunde, ausgewogene Ernährungsweise gut geeignet. 100 Gramm der reifen Früchte enthalten lediglich rund 85 Kilokalorien.

Sammeln und Ernten

Lediglich die reifen Früchte finden in der Küche Verwendung. Sie können zwischen Juni und Juli gesammelt werden, wobei Sie sie mühsam von Hand pflücken müssen. Übrigens sehen die kleinen Felsenbirnen zwar aus wie Beeren, tatsächlich handelt es sich aber um Apfelfrüchte – ähnlich etwa der Aroniabeere. Damit Sie daraus Marmelade kochen können, müssen Sie eine Weile pflücken – und vor allem schnell sein, denn das Obst ist auch in der Vogelwelt sehr beliebt.

Felsenbirne nah

Hinweis: Felsenbirnen-Sträucher mit reifenden Früchten sind schnell geplündert, weshalb so mancher Gartenratgeber zu Vogelschutznetzen rät. Davon allerdings ist abzuraten, denn in den feinen Maschen verfangen sich jedes Jahr zahlreiche Singvögel und verenden jämmerlich.

Die Früchte der Felsenbirne erkennen Sie an diesen Merkmalen:

  • sehen in Größe, Form und Farbe Heidelbeeren recht ähnlich
  • messen etwa einen Zentimeter im Durchmesser
  • im reifen Zustand je nach Art rötlich-violett bis blauschwarz
  • Fruchtfleisch deutlich heller
  • vier bis zehn kleine, rundliche Samen im Inneren

Verarbeitung

In der Regel isst man Felsenbirnen nicht roh, sondern verarbeitet sie auf verschiedene Weise. Grund hierfür ist nicht nur das Haltbarmachen der schnell verderblichen Beeren, sondern auch die Tatsache, dass durch Kochen und anderes Erhitzen die enthaltene Blausäure unschädlich gemacht wird. Sie können Felsenbirnen:

  • Kochen
  • zu Saft pressen (und anschließend zu Gelee verarbeiten)
  • Einlegen (z. B. in Alkohol)
  • Trocknen
  • Einfrieren

Felsenbirnen trocknen

Getrocknete Felsenbirnen schmecken ähnlich wie Rosinen und werden wie solche verwendet. Des Weiteren lässt sich aus den Beeren ein leckerer Tee brühen, indem Sie einen gehäuften Teelöffel dieser mit 150 Milliliter heißem (aber nicht mehr kochendem!) Wasser übergießen. Sie trocknen die verlesenen, gewaschenen und gut abgetrockneten Früchte entweder in einem Dörrautomaten oder aber wie folgt im Backofen:

  • Backofen auf maximal 70 °C vorheizen
  • Felsenbirnen locker auf mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen
  • Blech in den Ofen schieben
  • Tür schließen, Holzlöffel zwischen Tür und Ofen klemmen
  • Spalt soll Abzug der Feuchtigkeit gewährleisten
  • Früchte mehrere Stunden trocknen lassen
  • Sind „rascheltrocken“, wenn fertig

Lassen Sie das Obst anschließend abkühlen und füllen Sie es in ein gut verschließbares Behältnis.

Felsenbirnen einfrieren

Haben Sie zu viele der Früchte geerntet und haben nicht gleich Zeit, daraus Marmelade zu kochen, können Sie sie auch einfach einfrieren. Verlesen und waschen Sie das Obst, trocknen Sie es anschließend gut ab und füllen Sie es in einen Gefrierbeutel oder ein geeignetes, gut verschließbares Gefäß. Die Beeren kleben beim Einfrieren nicht aneinander und werden – sofern nicht überreif – auch beim Auftauen nicht matschig.

Felsenbirne Marmelade

Rezept: Felsenbirnen-Marmelade

Verarbeiten Sie die Felsenbirnen entweder allein oder zusammen mit anderen Früchten der Saison zu Marmelade, Gelee oder Likör. Zudem eignen sich die Beeren auch sehr gut für Kompott oder als Kuchenbelag. Solo schmecken sie wenig aromatisch, ergänzen aber anderes Obst wie beispielsweise Johannisbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren oder Rhabarber geschmacklich hervorragend. Da Felsenbirnen zudem sehr viel Pektin enthalten, können Sie den Zuckergehalt etwas reduzieren – die Marmelade wird trotzdem fest. Bewährt hat sich beispielsweise dieses Rezept:

  • 600 Gramm Felsenbirnen
  • 400 Gramm Früchte der Saison
  • 500 Gramm Gelierzucker (1:2)

Früchte verlesen, waschen, gegebenenfalls entsteinen und zerkleinern. Gemäß der Anweisung auf der Gelierzucker-Packung kochen und noch heiß in saubere, ausgekochte Einmachgläser bzw. Schraubgläser füllen und gut verschließen.