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Apfelspinner

Apfelspinner: was tun gegen die Apfel-Gespinstmotte?

Wenn der Apfelbaum plötzlich von einem weißen Gespinst umgeben ist, so waren die Raupen der Apfel-Gespinstmotte (Yponomeuta malinellus) am Werk. Dieser Schädling tritt häufig massenhaft auf und frisst sich an den saftigen Laubblättern satt. An welchen Merkmalen Sie den Schädling erkennen und wie Sie ihn effektiv bekämpfen, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Biologie und Lebenszyklus

Die Apfel- oder auch Apfelbaum-Gespinstmotte ist ein zur Familie der Gespinst- und Knospenmotten (Yponomeutidae) zählender Schmetterling. Die Weibchen dieser Art legen in den Monaten Juli und August ihre mit einer schützenden Sekretschicht bedeckten Eier dachziegelförmig an der Rinde des Apfelbaums ab. Schon nach wenigen Wochen schlüpfen die Larven aus den gelblich bis bräunlich gefärbten Eiern, beginnen allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu fressen. Stattdessen überwintern unter der sich aushärtenden Sekretschicht, aus der sie sich ab Anfang Mai des Folgejahres befreien und schließlich die charakteristischen, dichten Gespinste ausbilden.

Erwachsene Tiere schlüpfen im Sommer

In diesen leben die Raupen in größeren Gruppen und legen sich regelrechte Vorräte an Laubblättern an. Ab Juni verpuppen sich die Tiere in festen, weißen Kokons, die gut in den feinen Gespinsten zu erkennen sind. Die erwachsenen Falter schlüpfen nach wenigen Wochen zwischen Juni und August, wonach der beschriebene Lebenszyklus von vorn beginnt. Typischerweise und im Gegensatz zu anderen Schädlingen bilden Gespinstmotten pro Jahr nur eine neue Generation aus.

Milde Winter begünstigen Population

Gespinstmotten brauchen für eine gute Vermehrungsrate warme Temperaturen und trockene Witterung. Während der sommerlichen Paarungszeit fühlen sich die erwachsenen Falter bei Temperaturen über 12 °C besonders wohl, weshalb in heißen und trockenen Jahren besonders viele Eier abgelegt werden. Kommt dazu noch ein milder und schneearmer Winter, ist die Mottenplage im Folgejahr bereits vorprogrammiert: Dann nämlich überleben besonders viele der Wärme liebenden Larven.

Apfelspinner erkennen

Apfel-Gespinstmotten haben sowohl in ihrer Larven- als auch in der Erwachsenenform ein charakteristisches, leicht zu erkennendes Erscheinungsbild:

Apfel-Gespinstmotte

  • erwachsene Falter: gefranste Vorderflügel mit weißer Grundfarbe und schwarzen Punkten, grau gefärbte Hinterflügel
  • Flügelspannweite zwischen 16 und 23 Millimeter
  • Larven: ca. 18 bis 25 Millimeter lang, gelbliche bis grünliche Grundfarbe mit schwarzen Punkten
  • Körper deutlich in zehn Abschnitte segmentiert
  • ein seitlicher schwarzer Punkt pro Körpersegment
  • Kopf und Beine dunkel gefärbt
  • geringe Behaarung

Tipp: Während die Raupen in den Gespinsten recht leicht zu erkennen sind, sind die erwachsenen Falter nachtaktiv und deshalb tagsüber so gut wie nie zu sehen. Sie können die Population jedoch einschätzen, indem Sie Pheromonfallen im Baum aufhängen. Anhand der Anzahl der darin gefangenen Tiere lässt sich ablesen, ob der Befallsdruck eher hoch oder niedrig ausfällt.

Schadbild

Einen Befall mit dem Apfelspinner können Sie nicht übersehen, vor allem, wenn es sich um ein Massenaufkommen handelt: Die weißen Gespinste mit den oft hunderten darin lebenden Raupen können ganze Bäume dicht umschließen und stellen so das typische Schadbild dar. Die hungrigen Larven fressen diese zudem innerhalb kurzer Zeit praktisch kahl. Allerdings erholen sich ansonsten gesunde Obstbäume schnell wieder und treiben nach dem Verpuppen und Schlüpfen der erwachsenen Tiere aufs Neue aus. Trotzdem kann der Ertrag im Herbst deutlich geringer als erhofft ausfallen, schließlich können mit der Apfel-Gespinstmotte befallene Apfelbäume ihre Kraft nicht allein in die Ausbildung und Entwicklung von Früchten investieren.

Apfel-Gespinstmotte

Tipp: Wenn man genau hinguckt, kann ein Befall mit dem Apfelspinner schon sehr früh erkannt werden. Achten Sie bereits im April – vornehmlich direkt vor oder während der Blütezeit – auf sich verfärbende und eintrocknende Blätter. Entfernen Sie dieses Laub, denn darin befinden sich die fressenden Raupen. Durch diese Maßnahme lässt sich der spätere Befallsdruck sowie einer starken Gespinstbildung oft vorbeugen.

Apfelspinner bekämpfen

Grundsätzlich ist die Apfel-Gespinstmotte zwar nicht gefährlich, trotzdem sollten Sie sie aus verschiedenen Gründen gezielt bekämpfen. Ein einmaliger Befall hat in der Regel noch keinen starken Effekt auf die Apfelernte im Herbst, doch tritt das Phänomen mehrere Jahre hintereinander verstärkt auf, können die Folgen für die betroffenen Bäume drastisch sein:

  • geringeres Wachstum
  • erhöhte Anfälligkeit für (pilzliche) Erkrankungen
  • deutlich geringerer Ernteertrag
  • Ausweitung des Befalls auf benachbarte Bäume und andere Gehölze

Biologische Maßnahmen

Im Selbstversorgergarten sollten Sie vornehmlich mit biologischen und somit ungiftigen Methoden arbeiten, um die Ernte nicht mit Pflanzenschutzmitteln zu verseuchen. Zudem ist der Apfelspinner auf diese Weise recht unkompliziert zu bekämpfen, auch wenn es etwas Aufmerksamkeit und Mühe kostet.

Yponomeuta malinellus

1. Abspülen/Absammeln

Am einfachsten werden Sie die Apfel-Gespinstmotte durch schlichtes Absammeln los. Da sich die Larven in den gut sichtbaren Gespinsten sammeln, entfernen Sie diese mit einem Besen oder mit einem harten Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch. Sammeln Sie Gespinstreste und Raupen jedoch unbedingt vom Boden auf, sonst kriechen die Tiere wieder zurück. Ein unter dem Baum ausgelegtes Tuch bzw. eine Plane erleichtert diese Arbeit.

Tipp: Auch bei sorgfältigem Aufsammeln kann man die kleinen Tierchen schnell übersehen. Bringen Sie daher am Baumstamm Leimringe an, an denen eventuell übrig gebliebene Raupen hängen bleiben und so nicht mehr zurück in den Baum gelangen.

2. Fressfeinde einsetzen

Wenn nicht nur ein Apfelbaum, sondern eine ganze Streuobstwiese betroffen ist, helfen die zahlreichen Fressfeinde der Apfel-Gespinstmotte Ihnen beim Eingrenzen und Bekämpfen des Befalls. Singvögel wie beispielsweise Meisen, Amseln und auch Spatzen fressen die Raupen sehr gern, weshalb dichte Hecken aus typischen, einheimischen Vogelgehölzen – gut geeignet für den Selbstversorgergarten sind beispielsweise Brombeeren, Schlehen, Weißdorn oder die Kornelkirsche – und im Baum angebrachte Vogel- bzw. Nisthäuschen für eine Ansiedlung der gefiederten Gesellen sorgen.

Rotkehlchen

Tipp: Weitere Fressfeinde der Gespinstmotten sind Erzwespen (Chalcidoidea) und Schlupfwespen (lchneumonidae), die Sie im Fachhandel kaufen und ganz gezielt ausbringen können.

3. Pheromonfallen installieren

Pheromonfallen wiederum bekämpfen nicht die Raupenplage, verhindern aber die Paarungen der erwachsenen Apfelspinner und damit die Eiablage. Sie können Sie also zum Vorbeugen gegen einen Befall im folgenden Jahr verwenden. Achten Sie darauf, speziell für den Apfelspinner frei gegebene Fallen zu kaufen, da diese sehr artspezifisch wirken. Hängen Sie die Fallen ab Juni direkt in den Baum und lassen Sie sie bis zum frühen Herbst dort – gelegentlich müssen die Klebefallen allerdings ausgetauscht bzw. abgesammelt werden, da die Falter an ihnen hängen bleiben.

Chemische Maßnahmen

Tritt das typische Schadbild der Apfel-Gespinstmotte ab Mai auf, ist es für eine chemische Behandlung bereits zu spät. Die entsprechenden Mittel müssen schon vor der Gespinstbildung ab Anfang bis Mitte April ausgebracht werden, da sie vornehmlich frühe Larvenstadien erfassen. Für den Selbstversorgergarten empfehlen sich ungiftige Sprühmittel, die auf der Basis von Bacillus thurigiensis wirken. Hierbei handelt es sich um ein Bakterium, welches, mit der Nahrung von den Raupen aufgenommen, im Verdauungstrakt derselben ein Gift produziert. Die Tiere sterben schließlich an einer Vergiftung.

Apfel-Gespinstmotte effektiv vorbeugen

Effektiv vorbeugen lässt sich der Apfelspinner-Befall durch den winterlichen Obstbaumschnitt. Kontrollieren Sie das Schnittgut auf Eier und überwinternde Larven und entsorgen Sie befallene Gehölzreste nicht auf dem Kompost. Außerdem können Sie die Eiablage verhindern, wenn Sie die Apfelbäume zwischen Juni und August mit engmaschigen Insektenschutznetzen bedecken. So gelangen die adulten Tiere nicht an die Bäume heran.