Wachteln halten: Grundlagen der Wachtelhaltung von A-Z

Wachtelhahn und Henne

Wachteln zu halten hat in Europa und Asien eine lange Tradition. Kein Wunder: Sowohl die Eier der Tiere als auch ihr Fleisch gelten als Delikatessen. Zudem eignen sich die kleinen Hühnervögel perfekt als Ziervögel. Schlussendlich ist die Wachtelhaltung auch noch recht unkompliziert. Gründe genug also, sich näher damit zu beschäftigen.

Arten

Die Wachtel gehört wie ein Huhn oder ein Fasan zur Familie der Hühnervögel. Am weitesten verbreitet sind die sogenannten Erdwachteln. Zu dieser Gattung gehören insgesamt neun Arten, die sich zumindest theoretisch auch für die Haltung in Ställen eignen. Typischerweise sind dort aber vor allem drei Arten zu finden:

  • Eurowachtel: Coturnix coturnix
  • Japanwachtel: Coturnix japonica
  • Zwergwachtel: Coturnix chinensis

Die Eier und das Fleisch dieser drei Arten schmecken hervorragend und insbesondere Feinschmecker schätzen dies. Die Zwergwachtel eignet sich ihrer geringen Größe wenig allerdings nur bedingt für die Fleischgewinnung. Sie wird deshalb weltweit überwiegend als Ziervogel gehalten. Die Haltungsbedingungen für alle drei Arten unterscheiden sich praktisch nicht. Alle drei sind zudem weitgehend scheu, können mit der nötigen Geduld aber durchaus dem Menschen gegenüber zutraulich werden. Jungtiere und Tiere für die Zucht können Sie auf gut bestückten Geflügelmärkten und -schauen relativ problemlos kaufen.

Eier

Wachteleier

Auch die Eier der Wachteln sind unter Feinschmeckern begehrt. Sie schmecken gebraten oder gekocht vorzüglich. Ein einzelnes Ei wiegt lediglich zehn bis 13 Gramm. Das ist rund fünf mal weniger als das durchschnittliche Gewicht eines Hühnereis. Dafür halten rohe Wachteleier bei kühler Lagerung deutlich länger als Hühnereier. Bis zu fünf Wochen sind überhaupt kein Problem. Das typische Aufschlagen ist bei Wachteleiern nicht möglich, da ihre Eihaut ausgesprochen zäh ist. Um sie zu öffnen müssen sie deshalb an der Spitze mit einem gezackten Messer vorsichtig aufgeschnitten werden. Wachteleier müssen nur rund vier Minuten gekochten werden, bevor sie hart sind. Vor dem Entfernen der Schale sollte das Ei ein paar mal und einem festen Handdruck auf eine glatten Fläche hin- und hergerollt werden. Das erleichtert dann das Schälen enorm.

Futter

Das richtige Füttern spielt eine ganz entscheidende Rolle für die Entwicklung der Wachteln und auch, wenn es darum geht, sie möglichst artgerecht zu halten. Dabei muss einerseits zwischen Küken und erwachsenen Tieren, andererseits aber auch zwischen einem Grundfutter, das permanent zur Verfügung stehen sollte, und zusätzlichen Leckereien unterschieden werden.

Erwachsene Wachteln

Als Grundfutter für erwachsene Tiere eignet sich bei der Wachtelhaltung vor allem Legehennenfutter. Es ist im landwirtschaftlichen Fachhandel relativ günstig auch in größeren Mengen erhältlich. Mit einem Proteinanteil von 17 bis 18 Prozent entspricht es genau dem Eiweißbedarf, den eine Wachtel hat. Idealerweise weist es eine mehlige Konsistenz auf. Es kann aber in Form von kleinen Pellets verfüttert werden. Alternativ dazu kann auf Putenmastfutter zurückgegriffen werden, das allerdings einen höheren Eiweißgehalt hat. Als Leckereien bieten sich Grünzeug wie beispielsweise Gras oder Salatblätter, Äpfel oder auch Karotten an. Auf keinen Fall sollten Sie Kräuter aus der freien Natur verfüttern. Bestimmte Pflanzen können nämlich dazu führen, dass das Fleisch für Menschen ungenießbar wird.

Küken

Küken zu halten und groß zu ziehen bedeutet nicht nur, dass sie besonders geschützt werden müssen, sie benötigen vielmehr auch ein spezielles Futter. In ihren ersten drei Lebenswochen haben die Mini-Wachteln einen höheren Eiweißbedarf. Sie müssen daher mit einem Mischfutter versorgt werden, das einen Rohproteinanteil von 24 bis 26 Prozent hat. Am besten eignet sich dafür sogenanntes Putenstarterfutter in Mehlform. Zusätzliche Leckereien können Sie anbieten, diese müssen Sie aber unbedingt zerkleinern. Die Umstellung auf das Futter für erwachsene Tiere erfolgt schrittweise in der vierten Lebenswoche.

Das Futter können Sie in einem Napf, einem Trog oder auch in einem Geflügelfutterspender verabreichen. Daneben muss auch sichergestellt sein, dass die Tiere jederzeit ausreichend frisches Wasser zum Trinken zur Verfügung haben.

Giftigkeit

Wachtel

Unter bestimmten Umständen kann das Fleisch der Wachteln giftig sein. Die Gründe dafür sind weitgehend unbekannt. Man vermutet, dass Pflanzen, die die Tiere fressen, dafür verantwortlich sind. Um welche Pflanzen es sich dabei handelt konnte allerdings ebenfalls noch nicht geklärt werden. Eine Vergiftung durch den Genuss von Wachtelfleisch zeigt sich beim Menschen in erster Linie durch Muskelschmerzen und in einer Zersetzung der Muskelzellen. Die dabei frei werdenden Stoffe können bis zum Nierenversagen führen. Eine Wachtelfleischvergiftung nennt man in der Medizin Coturnismus. Bei der Wachtelhaltung durch den Menschen tritt dieses Problem nur sehr, sehr selten auf. Man tut freilich gut daran, nicht wahllos Kräuter und anderer Pflanzen aus der freien Natur an die Tiere zu verfüttern.

Wachtelhaltung

Wachteln zu halten stellt keine besonders große Herausforderung dar. Ganz im Gegenteil: Die Wachtelhaltung erfordert sogar einen relativ geringen Aufwand. Die Tiere können grundsätzlich auf vier Arten gehalten werden – nämlich in einem Stall, in einem Käfig, in einer Voliere oder in einem Gatter.

Stallhaltung

Unter einem Stall soll hier ein geschlossener, aber auch für Menschen begehbarer Raum verstanden werden. Ein typischer Hasenstall eignet sich damit schon mal nicht für die Wachtelhaltung. Der sollte eine Mindestgröße von 1 mal 1,5 Meter haben. Besser ist jedoch eine Größe von 1 mal 2 Meter. Bis zu fünf Tiere können hier Platz finden. Möchte man mehr Wachteln halten, muss der Stall natürlich größer ausfallen. Es sollte ein Sandbad zur Verfügung stehen, sowie ein mindestens durch ein Brett abgetrennter Ruhebereich. Besser ist hingegen ein kleines Häuschen. Die unabdingbare Tränke muss unbedingt erhöht stehen, um die Verunreinigung des Wassers durch die permanent scharrende Tiere zu vermeiden. Als Einstreu eignen sich Sägespäne.

Käfighaltung

Zumindest theoretisch ist auch die Wachtelhaltung in Gitterkäfigen möglich. Bei einer standardisierten Käfiggröße von 80 mal 40 Zentimetern ist sie allerdings definitiv nicht artgerecht. Die Tiere können in dem Käfig außerdem weder scharren noch fliegen. Wachteln in Käfigen zu halten sollten Sie deshalb nicht in Betracht ziehen.

Volierenhaltung

Wenn es darum geht, Wachteln zu halten, dann kommt am häufigsten eine Voliere zum Einsatz. Der Vorteil für die Tiere liegt dabei auf der Hand: Da meist mindestens drei Seiten der Voliere aus einem feinmaschigen Draht gefertigt sind, können sich die Wachteln beinahe wie in der freien Natur fühlen. Es handelt sich also um eine sehr angenehme Form der Wachtelhaltung. Die Voliere sollte auf jeden Fall auch für den Menschen begehbar sein. Die Ausstattung entspricht der eines Stalles.

Gatterhaltung

Wachtel

Ein Gatter ist zweifellos die optimale Form der Wachtelhaltung. Unter einem Gatter versteht man in diesem Zusammenhang einen kleinen Stall, der an drei Seiten lediglich mit einem feinmaschigen Drahtgitter versehen ist. Er verfügt über keinen separaten Boden, sondern wird direkt auf eine Wiese aufgesetzt. Wichtig ist, dass die Konstruktion ein Dach besitzt, da die Wachteln sonst wegfliegen. In Größe und Ausstattung orientiert sich das Gatter wiederum an einem Stall.

Für welche Haltungsform auch immer man sich entscheidet: Wichtig ist, dass die Wachtel genügend Platz zur Verfügung haben und sich bei Bedarf auch zurückziehen können. Es gilt: Lieber etwas größer planen als zu klein.

Krankheiten und Parasiten

Auch wenn mitunter anderes behauptet wird, können auch Wachteln nahezu sämtliche Geflügelkrankheiten bekommen. Bekanntlich ist auch bei Tieren die beste Krankheit diejenige, die sie nicht bekommen. Vorbeugung spielt dabei die zentrale Rolle. Dabei kommt es neben dem richtigen Futter vor allem auf die Hygiene im Wachtelstall an. Er muss regelmäßig gründlich gereinigt und sollte nur mit Schuhen betreten werden, die ausschließlich für den Stall zur Verfügung stehen. Damit vermeidet man einerseits, dass sich Krankheiten im Stall entwickeln können und schleppt andererseits keine Erreger ein. Umso artgerechter Sie die Wachteln halten, um so geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie erkranken. Häufig lässt sich trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen allerdings ein Befall mit Parasiten nicht vermeiden. Typischerweise werden die Tiere von Milben befallen. Deshalb sollte ihnen auch unbedingt ein Sandbad zur Verfügung stehen, das ihnen das reinigen ihres Gefieders erleichtert.

Schlachtung

Wer Wachteln hält, um sich damit selbst mit Fleisch zu versorgen, kommt um das Thema Schlachtung nicht herum. Die Tiere können nun mal nicht lebendig gegessen werden – jedenfalls nicht von uns Menschen. Das Schlachten ist sicherlich der mit großem Abstand am wenigsten erfreuliche Teil bei der Wachtelhaltung. An ihr führt jedoch kein Weg vorbei. Von Vorteil ist natürlich, wenn man einen Metzger oder einen anderen erfahrenen Wachtelhalter mit der Schlachtung beauftragen kann. Andererseits gehört zum Wachteln halten deren Tötung einfach auch dazu. Man tut also gut daran, ehrlich gegenüber sich selbst zu sein und auch diesen Schritt zu tun. Wichtig ist dabei, dass die Tötung möglichst schmerzlos, schnell und stressfrei für das Tier erfolgt. Man sollte sich den Vorgang unbedingt vorab ganz konkret ansehen und sich nicht einfach auf eine schriftliche Anleitung verlassen. So geht eine Schlachtung vor sich:

  • Das zu schlachtende Tier vorsichtig außerhalb der Sichtweite seiner Artgenossen bringen. Diese sollen von der Schlachtung möglichst nichts mitbekommen.
  • Mit einem Schlagholz wird dem Tier dann sehr kräftig auf den Hinterkopf geschlagen, um es erst einmal zu betäuben. Hängt der Kopf nach unten, war die Betäubung erfolgreich.
  • Dann die Wachtel auf einen stabilen Holzklotz legen und sie mit einer Hand festhalten.
  • Mit einer Axt oder einem Küchenbeil wird anschließend durch einen kräftigen Hieb der Kopf abgetrennt.
  • Das Tier an den Füßen hochheben, damit das Blut aus dem Hals laufen kann.
  • Anschließend die tote Wachtel in einem Eimer mit heißem Wasser kurz hin und her bewegen, um sie besser rupfen zu können.
  • Dann werden mit einer Schere oder einem Messer die Rippen durchtrennt. Vom Hals abwärt bewegt man sich dabei entlang der Wirbelsäule.
  • Zum Schluss wird der Bauchraum aufgeschnitten, um die Innereien entfernen zu können. Auch die Wirbelsäule und der Schwanz müssen komplett entfernt werden.
  • Jetzt das Tier sorgfältig auswaschen, es abtrocknen und die Borsten der Federn abbrennen.

Gerade beim Betäuben des Tieres durch einen Schlag auf den Kopf sollte man sehr beherzt zur Werke gehen. Der erste Schlag muss bereits sitzen, weil die Wachtel sonst unnötige Schmerzen leidet.

Umgang

Wachteln zu halten bedeutet auch, regelmäßig Umgang mit ihnen zu haben. Die Tiere gewöhnen sich schnell an Menschen und können sogar zutraulich werden. Dabei kommt es aber entscheidend auf das richtige Verhalten an. Der Stall sollte immer vorsichtig betreten werden. Hektische Bewegungen gilt es in der Nähe der Wachteln unbedingt zu vermieden. Auch Lärm und lautes Sprechen er- und verschreckt die Tiere. Müssen sie in die Hand genommen werden, sollte der Zugriff niemals von oben, sondern immer von der Seite erfolgen. Der Griff von oben erweckt bei den Wachteln zwangsläufig den Eindruck, als ob sich ein Greifvogel auf sie stürzen würde und erzeugt damit Panikreaktionen. Kurzum: Beim Umgang mit Wachtel sollte alles vermieden werden, was bei den Tieren Stress erzeugen könnte. Stressvermeidung ist im Übrigen bei der Wachtelhaltung auch eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme gegen Krankheiten.

Zucht

Wachtelküken

Wachteln zu halten ist eine Sache, Wachteln zu züchten hingegen eine ganz andere. Dabei kommt es vor allem auf befruchtete Bruteier an. Um diese zu erhalten braucht es einen sogenannten Zuchtstamm. Darunter versteht man die zahlenmäßig richtige Kombination aus Hähnen und Hennen. Für Selbstversorger, die Wachteln in einem kleineren Umfang halten hat sich ein Verhältnis von einem Zuchthahn auf drei bis sieben Hennen als ideal erwiesen. Erhöht man die Anzahl der Hennen, legen diese zwar auch mehr Eier, jedoch werden weniger Eier befruchtet. Zuchthähne können Sie bereits in einem Alter von acht bis zehn Wochen für die Zucht verwenden. Ab einem Alter von sechs Monaten sinkt dann die Fruchtbarkeit der Tiere erheblich. Das Alter der Tiere spielt bei der Zucht in der Wachtelhaltung also durchaus eine Rolle. Ältere Tiere zu halten macht meist auch keinen Sinn.

Brut

Das Ausbrüten der Eier erfolgt bei der Wachtelhaltung am besten in einem Brutgerät. Dafür müssen Sie unverkotete, saubere Bruteier auswählen. Nicht jedes Ei eignet sich für die Brut. Es sollte normal geformt und weder zu spitz noch zu stumpf sein. Auch besonders kleine und sehr große Eier eignen sich nicht. Hat man genügend Eier gesammelt, kommen sie in den Brüter und werden bei einer Temperatur von 37,6 Grand Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 50 bis 65 Prozent ausgebrütet. Diese Werte können allerdings je nach Gerät differieren. Man sollte unbedingt die Hinweise des Herstellers berücksichtigen. Sollte das Brutgerät nicht über eine automatische Wendevorrichtung verfügen, müssen Sie die Eier regelmäßig per Hand wenden – allerdings nicht in den ersten drei Tagen. Die Küken schlüpfen nach 15 bis 17 Tagen Brutzeit.

Kükenaufzucht

Die frisch geschlüpften Küken sollten umgehend aus dem Brüter genommen und in einen Karton verfrachtet werden. Eine Kartonfläche von 100 mal 60 Zentimetern ist ideal. Der Boden des Kartons wird mit Sägespänen als Einstreu bedeckt. Außerdem muss eine Wärmelampe in den Karton hängen, um für die nötige Temperatur zu sorgen. Zudem braucht es einen Futtrenapf mit Kükenfutter und einen Wassernapf. Die Küken verbringen in dem Karton normalerweise ihre ersten drei Lebenswochen. Dann können sie zu den erwachsenen Tieren. Die Wachtelhaltung geht dann ganz normal weiter.