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Schnittlauch säen und gießen, aber richtig | Zeitpunkt, Abstand & Co

Schnittlauch säen

Schnittlauch ist eines der am weitesten verbreiteten Küchenkräuter, die in deutschen Gärten angebaut werden. Oftmals klappt der Anbau nicht, weil verschiedene Faktoren nicht berücksichtigt werden und/oder falsche Vorgehensweisen, beispielsweise beim Gießen der Aufzucht, schuld daran sind. Eine professionelle Anleitung erklärt, wie Anzucht und Pflege richtig erfolgen und wie Sie insbesondere beim Schnittlauch säen und gießen beachten sollten.

Sortenunterschiede beachten

Teilung oder Samen

Wer bestimmte Schnittlauch-Sorten bereits im Garten angebaut hat, kann aus den Blüten Samen zur Vermehrung gewinnen. Nicht alle Sorten blühen oder besitzen ausreichend beziehungsweise geeigneten Samen in ihren Blüten.

Grundsätzlich ist eine Samen-Anzucht die bessere Methode zur Vermehrung, da sie als einfacher sowie erfolgversprechender gilt. Zudem bleiben alte Schnittlauch-Bestände in vollem Umfang erhalten.

Schnittlauche mit weißen Blüten eignen sich prinzipiell nur für die Teilung. Ihre geringfügige Samenbildung ist nicht geeignet für eine Aussaat-Vermehrung.

Topf- oder Freiland-Vermehrung

Des Weiteren sind Sorten meist nur durch Teilung, unabhängig von ihrer Blütenfarbe, vermehrbar, wenn sie über dickere Röhrenblätter verfügen. Dazu zählen zum Beispiel die Sorten ‚Corsican White‘, ‚Elbe‘ und ‚Forescate‘. Dafür sind sie die beste Wahl für die Kultivierung in Töpfen, während für die Vermehrung im Freiland alle Sorten geeignet sind.

Standort

Schnittlauch säen

Schnittlauch säen und gießen

Einen wesentlichen Faktor für eine erfolgreiche Vermehrung beim Säen von Schnittlauchsamen, macht der richtige Standort aus. Allium schoenophrasum ist ein Kaltkeimer. Das heißt: erfolgt ein Säen bei zu hohen Temperaturen, keimt der Samen nicht. Anders sieht es bei einer Teilung aus, für welche die optimale Temperatur höher liegt. Außerdem zählt er zu der Kategorie der Mittelzehrer und benötigt dementsprechend viele Nährstoffe. Unkraut kann dem Schnittlauch diese entziehen, sodass es am Wachstum gestört werden kann.

Der optimale Standort erfüllt folgende Voraussetzungen:

  • Umgebungstemperatur: zwischen 5 Grad Celsius und 10 Grad Celsius
  • maximale Temperatur: zwischen 18 Grad Celsius und 20 Grad Celsius (keimen dann deutlich langsamer)
  • halbschattige Lichtverhältnisse, wobei vor allem für die Keimung nur wenig Sonne auf den Samen scheinen sollte
  • unkrautfreier Platz
  • vor starkem Regen geschützt
  • kein Frost oder kalter Wind trifft auf den Samen

Bester Zeitpunkt

Entsprechend der optimalen Umgebungstemperatur von bis zu maximal 10 Grad Celsius für die Keimung der Samen, liegt der beste Zeitpunkt zum Schnittlauch säen ungefähr zwischen Mitte März und Mitte April. Wichtig ist, dass der Samen geschützt wird, wenn die Temperaturen in den Minusbereich sinken. Hier droht Erfrierungsgefahr und der Samen wird keimunfähig.

Für ein Säen zur Vorzucht, eignet sich die Aussaat in einem Topf an einem kühlen Ort im Haus. Der beste Zeitpunkt ist in diesem Fall bereits Februar, wenn das Kraut frostgeschützt stehen kann. Als Kaltkeimer profitiert er von der Kühle an ungeheizten Standorten wie Hausflur oder Keller.

Werden die Samen später und bei Temperaturen über 10 Grad Celsius ausgesät, wie beispielsweise auf einer Fensterbank im beheizten Raum, dauert eine Keimung deutlich länger oder sie bleibt ganz aus.

Schnittlauch säen

Soll der Samen gänzlich im Topf angezogen werden, kann dies zu jedem Zeitpunkt des Jahres erfolgen, sofern die optimale Temperatur gegeben ist.

Bodenbeschaffenheit

Freiland

Einen wichtigen Teil zur Keimung und für ein kräftiges, gesundes Wachstum trägt der Boden bei. Bestimmte Voraussetzungen sorgen dafür, dass eine optimale Versorgung von Feuchtigkeit und Nährstoffen erfolgen kann. Folgende Eigenschaften sollte die Erde besitzen:

  • Lockerheit
  • Humusreich
  • feucht, aber nicht durchnässt
  • wasserdurchlässig
  • leicht sandig- oder lehmhaltig
  • geringfügig kalkhaltig
  • pH-Wert zwischen 6.0 und 7.0

Tipp: Ist der Boden kalkarm, kann dennoch ein Säen erfolgen, wenn die Erde regelmäßig mit einem kalkhaltigen Dünger angereichert wird. Dazu eignen sich zum Beispiel Magnesiumkalk oder herkömmlicher Gartenkalk.

Topf

Für das Schnittlauch säen sollte auf den Einsatz von spezieller Anzuchterde verzichtet werden, wie sie normalerweise bei der Vermehrung durch Samen zahlreicher Pflanzenarten empfohlen wird. Im Gegensatz zu diesen Pflanzen benötigt der Schnittlauchsamen deutlich mehr Nährstoffe. Anzuchterde ist in der Regel aber nährstoffarm, sodass hier unbedingt nährstoffreiche Blumenerde beziehungsweise ein hochwertiges Substrat zu verwenden ist. Diese/s sollte über die gleichen Eigenschaften verfügen, wie die Gartenerde. Vor allem auf eine hohe Durchlässigkeit ist zu achten, da das Risiko von Staunässe bei der Topf-Anzucht deutlich höher liegt, als beim Säen im Freiland.

Schnittlauch säen

Folgende Schritte sollten zum Säen von Schnittlauchsamen durchgeführt und Details beachtet werden, damit eine erfolgversprechende Keimung und ein kräftiges Wachstum begünstigt werden.

Freiland

Schnittlauch säen

Bodenvorbereitung

  • Pflanzort gut umgraben und auflockern
  • Pflanzstelle von Wurzelresten und Ähnlichem, aber vor allem von Unkraut befreien
  • größere Erdbrocken sind zu zerkleinern
  • Erde mit Kompost vermengen
  • Erde gegebenenfalls mit Lehm, Sand und/oder Kalk anreichern
  • im Anschluss Erde mit einer Harke glatt harken

Aussaat

  • Vertiefungen von zwei Zentimetern in die Erde drücken
  • Samen einlegen
  • mit einer circa einem Zentimeter hohen Erdschicht bedecken (Dunkelkeimer)
  • Erde leicht benässen (ideal ist ein Besprühen mit weichem Sprühstrahl, damit die Samen nicht ausgeschwemmt werden)
  • lichtdurchlässige Folie über die Aussaat spannen (schützt vor Übernässung durch starken Regen und begünstigt Feuchtigkeitsspeicherung)
  • Folie täglich zum Lüften anheben und bei Bedarf Erde befeuchten
  • Abstand der einzelnen Samen: ein bis zwei Samen pro Quadrat-Zentimeter
  • Keimdauer unter optimalen Bedingungen: zwei bis drei Wochen
  • nach der Keimung Folie entfernen

Topf

Schnittlauch säen und gießen

Im Grunde erfolgt das Aussäen in einem Topf ähnlich, wie beim Säen ins Freiland. Lediglich bei der Bodenvorbereitung sowie dem Abstand der Samen finden sich Unterschiede.

Topfvorbereitung

  • ist im Topf kein Abflussloch vorhanden, ist eines hineinzuschneiden oder zu bohren oder diesen gegen Topf mit Abflussloch zu wechseln
  • vor der Topffüllung mit Erde/Substrat, Kies, Quarzsand oder Tonscherben auf Topfboden auslegen (Drainage gegen Staunässe)
  • über die Drainage ein Pflanzenvlies legen
  • nährstoffreiche/s Erde/Substrat einfüllen (muss nicht zusätzlich mit Kompost angereichert werden)
  • gegebenenfalls ein wenig Kalk und Sand oder Lehm untermischen – je nach Inhaltsstoffe der Erde/des Substrats

Aussaat

  • gleiche Vorgehensweise wie unter „Säen im Freiland – Aussaat“ beschrieben
  • Ausnahme ist der größere Abstand zwischen den Samen: ein bis zwei Samen alle drei Quadrat-Zentimeter (zu eng gepflanzt, erhöht sich das „Erstickungsrisiko“ bei zunehmendem Wachstum
  • Standort: bis zur Keimung kühl und hell mit wenig Sonnenlicht – nach der Keimung vertragen Keimlinge etwas höhere Temperaturen ohne direktes Sonnenlicht
  • die Jungpflanzen können ins Freiland umgesetzt werden, wenn die Temperaturen konstant mindestens fünf Grad Celsius betragen

Pflanznachbarn

Da Schnittlauch zu den mittelstarken Zehrern gehört, besitzt er einen bestimmten Bedarf an Nährstoffen, der über die Erde zu decken ist. Stehen in unmittelbarer Nachbarschaft Pflanzen, die ebenfalls viele Nährstoffe benötigen, kann es schnell zu einem Konflikt kommen, bei dem in der Regel eine Pflanze den Kürzeren in Form einer Unterversorgung zieht. Aus diesem Grund ist beim Schnittlauch säen darauf zu achten, dass passende Nachbarn gewählt werden, die dem Schnittlauch nicht die Nährstoffe und Feuchtigkeit entziehen.

Zudem gibt es Pflanzen, die nach dem Abernten oder Auspflanzen eine für Schnittlauch ungeeignete Bodenqualität hinterlassen. Umgekehrt können auch alte Schnittlauch-Pflanzstellen für andere Pflanzenarten Nachteile mit sich bringen. Im Fachjargon wird hier von der Fruchtfolge gesprochen.

Es gibt dementsprechend Pflanzen, die sich nicht als Nachbarn eignen und solche, die sich als optimale Pflanznachbarn zeigen:

Stangenbohnen

  • ungeeignete Pflanznachbarn: Kohlrabi, Petersilie, Dill und Möhren
  • gut geeignete Pflanznachbarn: Lauch, Erbsen, Basilikum und Bohnen
  • gute Fruchtfolge nach allen anderen Kräuterpflanzen
  • ungeeignet als Fruchtfolge von Schnittlauch, Zwiebeln, Lauch und Knoblauch
  • Vorsicht bei Kräuterpflanzen, die lieber trockenen Boden bevorzugen, wie beispielsweise Salbei, Rosmarin und Thymian

Schnittlauch gießen

Ist der Schnittlauch an einem optimalen Standort gepflanzt und der Boden speichert durch Sand und/oder Lehm gut Feuchtigkeit, ist er in der Pflege leicht zu handhaben. In der Regel ist der Allium schoenophrasum dann nur während längeren Trockenperioden oder an heißen Sommertagen zu gießen. Ein eindeutiges Zeichen für einen raschen Wasserbedarf setzt Schnittlauch, wenn sich gelbe und/oder vertrocknete Teile an den Halmen bilden.

Während Samen durchgehend feucht gehalten werden müssen, verzeiht die erwachsene Pflanze deutlich mehr Toleranz gegenüber einer leichten Abtrocknung der Erdoberfläche. Lässt sich der Daumen leicht zwei oder mehr Zentimeter an der Oberfläche eindrücken, sind die Wurzeln noch ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt – es muss nicht gegossen werden. Beträgt der Eindrückrahmen weniger als zwei Zentimeter, ist ein Gießen erforderlich. Am besten gedeiht Schnittlauch aber, wenn der Boden grundsätzlich eine gewisse Feuchtigkeit besitzt.

Womit gießen?

Der Graslauch oder Schnittling, wie Schnittlauch auch genannt wird, ist kalkliebend, weshalb das richtige Gießen in der Pflege einen wichtigen Aspekt ausmacht. Er kann ohne weiteres mit herkömmlichen Leitungswasser gegossen werden. Dies sollte nicht zu kalt oder zu warm sein.

gießen

Worauf beim Gießen achten?

Beim Schnittlauch gießen ist unbedingt zu beachten, dass die Erde nicht vollständig durchnässt. Die Wurzeln zeigen sich empfindlich bei zu langer bestehender Nässe und eine Wurzelfäulnis ist meist das Resultat. Dies kommt vor allem bei Staunässe vor. Deshalb ist es wichtig, dass die Wassermenge immer dem Wasserbedarf angepasst wird und der Boden gut wasserdurchlässig ist sowie aus Töpfen überschüssiges Wasser ablaufen kann.

Zudem sollte beim Gießen vermieden werden, dass die Halme mit kalkhaltigem Leitungswasser benässt werden. Der Kalk setzt sich auf diesen ab und nimmt dem Schnittlauch das frische, satte Grün. Gießen sollten Sie dementsprechend nur den Bodenbereich und nicht von oben.

Ist aufgrund hoher Temperaturen oft zu gießen, sollte man während dieser Zeit auf eine zusätzliche Düngung mit Kalk verzichtet.