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Schafrassen – kleine robuste und alte in Deutschland – mit Bildern

Schafrassen - Kamerun Schaf

Es gibt weit über 100 verschiedene Schafrassen mit jeweils verschiedenen Eigenschaften. Im laufe der Zeit wurden immer neue und effizientere Rassen gezüchtet, so dass manch alte Schafrasse fast ausgestorben oder in Vergessenheit geraden ist. Hier in diesem Artikel widmen wir uns diesen „alten“ Schafrassen und zeigen was die Haltung dieser Schafe auch für Anfänger so reizvoll macht.

Alte Schafrassen in Deutschland

– Robust und pflegeleicht? –

Wenn von alten deutschen Schafrassen die Rede ist, dann sind damit meistens Rassen gemeint, die auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten stehen. Sie sind mehr oder weniger vom Aussterben bedroht, weil moderne Rassen mit hohem Milch-, Woll- oder Fleischertrag in der professionellen Tierhaltung eingesetzt werden. Diese sind jedoch manchmal anfällig für Krankheiten und benötigen eine recht intensive Pflege. So genannte Robustrassen zeichnen sich durch einfache Pflege aus und eignen sich gut für die Hobbyhaltung oder auch für die Selbstversorgung.

Was heißt „Rote Liste“?

Die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen) veröffentlicht seit 1980 eine „Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen im Bundesgebiet“. Dabei werden die einzelnen Rassen in verschiedene Kategorien eingeteilt, von „Bestandsbeobachtung“ bis zu „extrem gefährdet“ oder auch „nur noch Einzeltiere“. Schafrassen gelten als gefährdet, wenn es weniger als 1500 Tiere der Rasse gibt. In der letzten Zeit ist die Haltung von mehr oder weniger seltenen und gefährdeten Schafrassen immer beliebter geworden, sowohl in der Hobbyhaltung als auch in Betrieben, die sich professionell mit der Schafhaltung beschäftigen.

Schafrassen für die Selbstversorgung

– Welche Schafrassen kommen für die Selbstversorgung in Frage? –

Prinzipiell sind alle Schafrassen für die Selbstversorgung geeignet, es kommt immer darauf an, was mit der Schafhaltung erreicht werden soll. Oft werden jedoch besonders pflegeleichte Tiere gewünscht, bestimmte Wollqualitäten zum Spinnen oder Filzen oder andere spezifische Eigenschaften der Tiere. Eine hohe Milchleistung ist für die Selbstversorgung meistens eher nebensächlich. Die Milchverarbeitung erfordert viel Zeit sowie Wissen und bei großen Mengen auch eine Organisation des Verkaufs der entstandenen Produkte. Daher eignen sich die so genannten Robustrassen besonders gut für die Hobbyhaltung und/oder Selbstversorgung. Sie stellen recht geringe Anforderungen an die Pflege und benötigen nur selten einen Tierarzt. Wichtig für die leichte Aufzucht der Lämmer sind einfache Geburten und gute Muttereigenschaften. Alte Schafrassen sind hierin den Leistungstieren in der Regel überlegen.

Hier folgt eine kleine Liste beliebter und gut geeigneter Schafrassen mit ihren Besonderheiten:

Bentheimer Landschaf

  • auf der Beobachtungsliste
  • reinweiß mit dunkler Augen- und Ohrenpartie und dunklen Beinen
  • mittelgroß
  • Gewicht: Muttertier ca. 60 kg, Bock ca. 80 bis 90 kg
  • hervorragende Fleischqualität
  • hohe Wollmenge recht guter Qualität
  • saisonale Brunst
  • beste Muttereigenschaften
  • häufig Zwillingsgeburten
  • relativ resistent gegen Moderhinke

Coburger Fuchsschaf

  • Vorwarnstufe der Roten Liste
  • mittelgroß
  • Gewicht: Muttertier ca. 60 bis 85 kg, Bock ca. 85 bis 105 kg
  • Fleisch für Feinschmecker
  • interessante und begehrte Wolle
  • Lämmer haben rötliche Wolle, die im Laufe der Zeit immer heller wird
  • saisonale Brunst

Graue gehörnte und Weiße gehörnte Heidschnucke

graue gehörte Heidschnucke

  • klein bis mittelgroß
  • Gewicht: Muttertier ca. 45 bis 55 kg, Bock ca. 75 bis 90 kg
  • Mehrlingsgeburten möglich
  • eher grobe Wolle, für Teppiche oder zum Filzen geeignet
  • sehr schmackhaftes Fleisch
  • wird gern zur Landschaftspflege eingesetzt
  • Graue gehörnte Heidschnucke inzwischen nicht mehr gefährdet
  • genügsam
  • pflegeleicht

Kamerunschaf

Kamerun Schaf
Kamerun Schaf
  • klein
  • Gewicht: Muttertier ca. 30 bis 40 kg, Bock ca. 40 bis 50 kg
  • ursprünglich aus Afrika
  • Haarschaf (muss nicht geschoren werden, da es das Haarkleid saisonal wechselt)
  • relativ scheu
  • anspruchslos
  • robust
  • pflegeleicht
  • Fleischschaf
  • asaisonale Brunst
  • Wurfgröße: 1 bis 3 Lämmer

Karakulschaf

  • Pelzschaf, das Lammfell wird als Persianer verkauft
  • mittelgroß
  • Gewicht: Muttertier ca. 40 bis 60 kg, Bock ca. 60 bis 80 kg
  • mögliche Farben: grau, schwarz, braun
  • saisonale Brunst
  • extrem gefährdet

Leineschaf

  • extrem gefährdet
  • frohwüchsig
  • gute Muttereigenschaften
  • saisonale Brunst
  • mittelgroß
  • Gewicht: Muttertier ca. 55 bis 70 kg, Bock ca. 100 bis 115 kg

Moorschnucke

  • auch bekannt als Weiße ungehörnte Heidschnucke
  • sehr pflegeleichte Rasse
  • genügsam
  • relativ fettarmes und sehr wohlschmeckendes Fleisch
  • eignet sich gut zur Landschaftspflege in Moor- und Feuchtgebieten
  • klein
  • Gewicht: Muttertier ca. 40 bis 50 kg, Bock ca. 60 bis 70 kg

Rauhwolliges Pommersches Landschaf

  • mittelgroß
  • Gewicht: Muttertier ca. 45 bis 60 kg, Bock ca. 60 bis 70 kg
  • saisonale aber sehr lange Brunst
  • sehr robust
  • gut spinnfähige Wolle, blaugrau bis bräunlich
  • schwarze Lämmer
  • genügsam
  • sehr umgänglich
  • witterungs- und klimavertäglich

Skudde

  • kleinste deutsche Schafrasse, stammt aus Ostpreussen
  • sehr pflegeleichte Rasse
  • weiße Wolle, zum Spinnen und Filzen geeignet
  • robust
  • zutraulich
  • wetterunempfindlich
  • harte Klauen, daher wenig anfällig für Moderhinke
  • eine der ältestesten Schafrassen
  • Gewicht: Muttertier ca. 25 bis 40 kg, Bock ca. 35 bis 50 kg
  • asaisonale Brunst
  • Zwillinge recht häufig
  • vorzügliche Muttereigenschaften
  • Bock kann ganzjährig in der Herde bleiben
  • gut geeignet zur Landschaftspflege
  • sehr wohlschmeckendes, leicht wildbretartiges Fleisch

Tiroler Bergschaf

  • mittelgroß bis groß
  • Gewicht: Muttertier ca. 70 bis 85 kg, Bock ca. 90 bis 130 kg
  • extrem langlebig
  • trittsicher
  • reinweiße Wolle
  • sehr fruchbar
  • asaisonale Brunst
  • Zwillinge recht häufig
  • sehr gute Muttereigenschaften

Neben diesen alten Rassen gibt es noch zahlreiche weitere, die für die Selbstversorgung interessant sind. Einige davon sind für Anfänger gut geeignet, andere eher für fortgeschrittene Schafhalter. Die Nutzung der Schafe ist durchaus unterschiedlich, denn während die eine Rasse auf eine hohe Milchleistung gezüchtet wurde, steh bei einer anderen die Fleischproduktion im Vordergrund dementsprechend unterscheidet man bei den modernen Rassen so genannte Fleisch- und Milchschafe.

Fleischschafrassen

Charollaisschaf

  • mittelgroß, aber schwer
  • gute Fleischqualität
  • hoher Fleischansatz
  • weiße Wolle

Hampshire

  • groß
  • beste Fleischqualität
  • hoher Fleischertrag
  • weiße Wolle
  • frühreif
  • asaisonale Brunst
  • gute Muttereigenschaften

Merinoschaf

  • 3 Arten in Deutschland vertreten: Merinolandschaf, Merinolangwollschaf, Merionafleischschaf
  • groß
  • Gewicht: Muttertier ca. 80 bis 90 kg, Bock ca. 120 bis 140 kg
  • qualitativ hochwertige, reinweiße, sehr feine Wolle

Suffolk

  • schnellwüchsig (recht früh schlachtreif)
  • gute Fleischqualität
  • hohe Schlachtausbeute
  • frühreif und sehr fruchtbar
  • weiße Wolle
  • lange Brunstzeiten bei saisonaler Brunst

Texel

  • mittelgroß bis groß
  • weiß
  • guter Fleischertrag
  • mageres Fleisch auch bei hochgewichtigen Tieren
  • anspruchsvoll bezüglich Weide und Futter

Zwartbless

  • mittelgroß bis groß und elegant
  • kräftig
  • fettarmes Fleisch mit sehr feinem Geschmack
  • etwas anspruchsvoll bezüglich Futter und Weide
  • sehr fruchbar
  • eher Drillingsgeburten als einzelne Lämmer
  • schwarzbraune Wolle

Milchschafrassen

Ostfriesisches Milchschaf

  • groß
  • weiß
  • häufig Mehrlingsgeburten
  • schmackhaftes Fleisch und gute Wolle

Lacaune-Milchschaf

  • mittelgroß und kräftig
  • anpassungsfähig
  • sehr gute Milchleistung
  • frühreif
  • gute Schlachtkörperqualität
  • weiße bis gelbliche Wolle

Schwarzbraunes Milchschaf

  • groß
  • dunkle lichtechte Wolle
  • hochwertiges Fleisch

Wollschafe

Nur selten werden in Deutschland Schafe allein für die Gewinnung von Wolle gehalten. Sie gilt oft als „Abfallprodukt“ in der Schafhaltung, denn die Kosten für die Schur sind oft höher als der Ertrag aus dem Wollverkauf. Zudem sind die Wollqualitäten ausländischer Schafe häufig deutlich „besser“ oder vielmehr die Wolle ist feiner und für körpernah getragene Kleidung deutlich beliebter.

Australische oder neuseeländische Merinowolle ist an Feinheit mit einheimischer Wolle übrigens kaum vergleichbar, wozu die Haltung und vor allem das Klima einen nicht unerheblichen Beitrag leisten. Trotz allem gewinnt einheimische Wolle zum Spinnen und/oder Filzen immer größere Bedeutung. Zu den besonders beliebten Schafen gehören hier Coburger Fuchschafe, Rauhwollige Pommersche Landschafe und Merinoschafe. Aber auch die Wolle von Skudden, Bergschafen oder Ostfriesischem Milchschafen findet ihre Liebhaber.

Saisonale und asaisonale Brunst

Brunst ist die Zeit, in der ein Tier paarungsbereit ist beziehungsweise erfolgreich gedeckt werden kann. Bei Schafen dauert diese Brunst jeweils 24 bis 36 Stunden. Die saisonale Brunst tritt in Zusammenhang mit der Tageslänge und abnehmendem Licht auf, also im Herbst. Während dieser Zeit sollten die Tiere gedeckt werden. Die Lämmer werden dann nach etwa 150 Tagen Trächtigkeit im (zeitigen) Frühjahr geboren. Die asaisonale Brunst ist (weitgehend) unabhängig von der Tageslänge und den Lichtverhältnissen, allerdings zuweilen in unterschiedlicher Intensität. Hier können die Muttertiere auch zu einer anderen Jahreszeit gedeckt werden und entsprechend ganzjährig lammen. Bei einigen Schafrassen ist es sogar möglich, dass ein Muttertier zweimal im Jahr lammt. Die Regel sollte das allerdings nicht sein.

Woher bekomme ich alte Schafrassen?

Zackelschaf
Zackelschaf

Haben Sie einen Schafhalter in Ihrem Bekanntenkreis, dann fragen Sie dort an, ob Tiere abzugeben sind. Vielleicht kann Ihr Bekannter Ihnen zumindest einen Kontakt zu anderen Schafhaltern oder Züchtern vermitteln. Neben der örtlichen Tageszeitung mit ausführlichem Anzeigenteil ist auch das Internet eine wahre Fundgrube an Möglichkeiten. Ihre Anlaufstellen sollten mindestens diese sein:

  • spezielle Seiten für Landwirte, die einen Tiermarkt beinhalten
  • die Seite der GEH mit vielen Informationen zu verschiedenen Rassen
  • die Seite von VIEH e.V. (Vielfältige Initiative zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen) mit einer Züchterdatendank und zahlreichen zusätzlichen Informationen

Wollen Sie in Zukunft Schafe züchten und zuchtgeeignete Tiere verkaufen, dann sollten Sie auch direkt bei einem Züchter kaufen und auf gültige Papiere achten. Brauchen Sie Ihre Tiere vor allem für die Selbstversorgung mit Fleisch, Milch und/oder Wolle, dann sind keine Papiere erforderlich. Sie können auch bei einem Schafhalter ohne Zuchtambitionen kaufen. Sehen Sie sich die in Frage kommenden Tier aber unbedingt genau an und kaufen Sie nur gesunde wohlgenährte Schafe, keine Problemtiere.

Darauf sollten Sie beim Kauf von Schafen unbedingt achten:

  • sauberes Fell, der Jahreszeit entsprechend (steht die Schur unmittelbar bevor, dann sollte sie noch vor dem Kauf durchgeführt werden, das ist für Sie und die Schafe deutlich stressärmer)
  • saubere, gepflegte und gut geschnittene Klauen
  • hinkt ein Tier? (Achtung, Moderhinke! – sie befällt schnell die ganze Herde)
  • Ernährungszustand: Sind die Tiere zu fett oder zu mager? Dann sollten Sie von einem Kauf absehen. Fettleibigkeit erschwert die Aufnahme und Trächtigkeit, Magerkeit kann ein Anzeichen für Krankheit sein.
  • Verhalten: Sind die Schafe lebhaft, scheu oder lethargisch, wie reagieren Sie auf den Besitzer? Lethargie kann auch ein Krankheitsanzeichen sein.

Rassetypische Scheu ist okay, übermäßige Scheu könnte eventuell Schwierigkeiten mit sich bringen. Auch wenn Sie all diese Punkte beachten, sollten Sie Ihr Gefühl nicht außer Acht lassen. Kaufen Sie nur Schafe, die Ihnen gefallen und die einen guten Eindruck bezüglich Charakter und Verhalten auf Sie machen. Im Idealfall haben Sie einen sachkundigen Begleiter an Ihrer Seite und ausreichend Zeit, die Schafe zu beobachten und sich inzwischen vielleicht schon mit ihnen anzufreunden. Unter Zeitdruck sollten Sie niemals Tiere kaufen, sie übernehmen schließlich für eine lange Zeit die Verantwortung. Akzeptiert das der Verkäufer nicht, dann stecken womöglich unlautere Beweggründe hinter dem Zeitdruck.

Alte Schafrassen für Einsteiger

– Welche alte Schafrasse eignet sich besonders gut für Anfänger? –

Als Anfänger sollten Sie vor allem auf eine einfache Pflege achten. Komplizierte Schafrassen können Sie sich später immer noch zulegen. Das Gleiche gilt für die Anschaffung eines Schafbocks. Eine hohe Milchleistung erfordert regelmäßiges und vor allem richtiges Melken und die Verarbeitung der Milch solange diese frisch ist. Die Muttertiere müssen jährlich lammen, damit sie auch weiterhin Milch geben. Hochleistungstiere sind recht anfällig, wenn Fütterung und/oder Pflege nicht optimal sind. Wenig geeignet ist außerdem eine Rasse, die von Natur aus sehr scheu ist, wie zum Beispiel das Kamerunschaf. Wollen Sie einem großen Schaf die Klauen schneiden, dann ist das unter Umständen deutlich schwerer als bei einem weniger großen Schaf.

Nehmen Sie also besser ein pflegeleichtes und kleines Schaf, das sich gut händeln lässt. Gut geeignet sind zum Beispiel Skudden, Moorschnucken oder Heidschnucken. Sie alle können ganzjährig draußen gehalten werden, sind relativ klein und gut zu zähmen. Da sie recht harte Klauen haben, ist Moderhinke bei ihnen eher selten zu finden. Die Geburten verlaufen meist einfach und ohne Ihr Zutun. Die Lämmer brauchen selten eine besondere Betreuung. Zudem liefern alle drei Arten sehr schmackhaftes Fleisch. Allerdings müssen diese Schafrassen mindestens einmal im Jahr geschoren werden. Beim Kamerunschaf entfällt die Schur, dafür bleibt es in der Regel scheu. Das macht die Klauenpflege zumindest für den Anfänger recht schwierig.

Tipps für Anfänger

– Was sollte ich als Anfänger bei der Schafhaltung beachten? –

Auch wenn Theorie und Praxis nicht immer übereinstimmen, sollten Sie sich vor dem Kauf Ihrer Schafe gründlich über deren Bedürfnisse und die Haltungsbedingungen verschiedener Schafrassen informieren. Bücher zu diesen Themen finden Sie im Buchhandel oder im Internet. Dort sind auch viele Artikel zum Thema Schafhaltung zu lesen. Bewahren Sie im Umgang mit Ihren Schafen vor allem Gelassenheit und geraten Sie nicht in Panik, wenn etwas nicht sofort funktioniert. Im Laufe der Zeit werden Sie alles Wichtige lernen und eine gewisse Routine bekommen.

Im Idealfall steht Ihnen ein erfahrener Schafhalter zur Seite, der Sie berät, Ihnen die Klauenpflege und andere wichtige Dinge zeigt und hilft, falls einmal Not am Mann ist. Sicher kennt er auch einen Scherer, der die jährliche Schafschur für Sie übernimmt oder kann Ihnen dabei zumindest am Anfang Ihrer Schafhalterkarriere helfen.