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Bienen in Deutschland – 9 Wild- und Honigbienenarten kurz vorgestellt

Bienenarten -Honigbiene - Apis mellifera

Für den Laien gibt es schlicht die Biene. Eventuell wird noch eine Unterscheidung zwischen Honigbienen und wildlebenden Tieren vorgenommen. Die weiteren Feinheiten der Bienenwelt entziehen sich dagegen vielen Betrachtern. Dabei ist die Welt dieser faszinierenden Tiere ebenso vielfältig, wie die aller anderer Tiere und Pflanzen auch. Schon alleine neun Arten an Wildbienen existieren und dienten bzw. dienen auch heute noch Züchtern als Grundlage für immer pflegeleichtere, robustere und ertragreichere Bienenarten.

Wildbiene versus Honigbiene

Der Arbeitskreis Wildbienen-Kataster listete mit seiner Kommission „Taxonomie Wildbiene“ mit Stand vom Februar 2017 alleine 585 in Deutschland vorkommende Wildbienenarten auf. Darunter befinden sich so aussagekräftig benannte Arten wie Senf-Blauschillersandbiene, oder auch die Zwergharzbiene und die Filzige Kraftbiene. Sie unterscheiden sich in Bienenarten, die meist nach ihren äußerlichen Charakteristika, oder ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zusammengefasst sind. Unter diesen zahlreichen Arten der Wildbienen gibt es so beispielsweise wiederum gut 100 Arten an Sandbienen, 20 Arten an Seidenbienen, aber auch jeweils 90 bzw. 75 Arten an Wespenbienen und Hummeln. Während die Hummeln aus biologischer Sicht zu den Bienen zu zählen sind, handelt es sich bei den Wespenbienen dagegen um Bienen, die lediglich in ihrer äußeren Erscheinung den Wespen ähneln.

Die bekannteste dieser wild lebenden Bienenarten sind die Honigbienen. Allerdings existieren von ihr weltweit nur etwa 10 Arten, während in Deutschland sogar nur eine einzige wilde Art der Honigbiene beheimatet ist. Bei ihr handelt es sich um die so genannte Westliche Honigbiene, als einziger wild lebender Honiglieferant in unseren Breiten somit der Ursprung der klassischen Imkerei durch den Menschen.

Die westliche Honigbiene

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Apinae
  • Name: Westliche Honigbiene

Verbreitungsgebiet

Europa, Afrika, Vorderasien

Lebensform

staatenbildend, bis zu mehrere zehntausend Tiere je Volk

Sozialstruktur

Das Volk der westlichen Honigbiene besteht aus drei Typen von Bienen. Die Königin ist das einzige voll entwickelte Weibchen und somit auch alleinig in der Lage, durch die Ablage von Eiern den Fortbestand des Volks sicherzustellen. Die Arbeiterin, eine weibliche Biene mit auf Grund der Pheromonabgabe der Königin in der Entwicklung gehemmten Ovarien, stellt dagegen den überwiegenden Teil der Bevölkerung. Sie übernehmen alle Abreiten rund um das Überleben des Bienenvolks von der Nahrungsbeschaffung bis zur Aufzucht der Brut und der Errichtung der Waben. Die Drohnen sind mit ungefähr fünfhundert bis zweitausend Tieren nur schwach repräsentiert. Die einzige Aufgabe dieser wenigen männlichen Vertreter im Bienenvolk ist die Paarung mit der Königin und somit der Beitrag zur Fortpflanzung.

Bienenstock
Bienenstock

Erscheinung

  • Körperlänge ca. 13mm
  • Gewicht ca. 82 Milligramm
  • Durchgehend braun gefärbter Körper mit hellen Haarringen am Hinter-leib, die den gestreiften Eindruck erzeugen
  • Königin und Arbeiterinnen mit Stachelapparat
  • Pollentransport über Beintaschen

Besonderheit

Die westliche Honigbiene wurde im Rahmen der Kolonialisierung nahezu weltweit verbreitet und gilt heute als das wichtigste Nutztier der Welt.

Die östliche Honigbiene

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Apidae
  • Name: Östliche Honigbiene
  • Trivialname: asiatische Honigbiene

Verbreitungsgebiet

Nepal, Indien, Sri Lanka, Südostasien und Japan

Lebensform

staatenbildend, mehrere tausend bis zehntausend Tiere je Volk

Sozialstruktur

Auch die Organisation des Bienenstaats entspricht dem Aufbau eines Volkes der westlichen Honigbiene mit Königin, Arbeiterinnen und Drohnen.

Erscheinung

  • Körperlänge 12-15mm
  • Gewicht um 80 Milligramm
  • Ausgeprägtere Haarringe am braun gefärbten Hinterleib, als bei der westl. Honigbiene
  • Pollentransport über Beintaschen

Besonderheit

Als einzige Bienenart wurde bei der östlichen Honigbiene eine Verteidigungsstrategie gegen Hornissen und Wespen beobachtet, bei der der Angreifer durch eine große Anzahl an Arbeiterinnen in eine solide Kugel aus lebenden Tieren eingeschlossen wird. Im inneren der Kugel steigt die Temperatur so kurzzeitig auf über 45° C an und der eingeschlossene Eindringling geht zu Grunde.

Varroa Milbe

Varroamilben
Varroamilben

Die Östliche Honigbiene gilt als ursprünglicher Wirt der unter Imkern gefürchteten Varroa Milbe. Im Gegensatz zu ihren westlichen Artgenossen hat es die Östliche Honigbiene dagegen geschafft, erfolgreich Strategien gegen den lästigen Parasiten zu entwickeln. So befreien sich Arbeiterinnen beispielsweise gegenseitig von Parasiten und befallene Larven werden aus der Wabe entfernt und abgetötet. Lediglich befallene Drohenlarven werden eingesargt und gehen mitsamt dem Schädling zu Grunde.

Glanzbienen

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Dufourea
  • Name: z.B. Dufourea Alpina, Dufourea Halictula

Verbreitungsgebiet

Europa, Asien, Amerika – häufigste Verbreitung in Nordamerika

Lebensform

Einzelgänger, oder in kleinen Aggregationen anzutreffen

Sozialstruktur

allein lebend. Die Paarung erfolgt meist im Rahmen der Nahrungssuche im Bereich der Futterpflanzen. Die Eiablage erfolgt solitär in Bodennischen.

Erscheinung

  • Körperlänge je nach Art zwischen 4 und 10 mm
  • Schlanke Körperform, Erscheinung tiefschwarz bis grün-blau glänzend, schütter struppig behaart
  • Pollentransport über Beintaschen an den Unterschenkeln der Hinter-beine, sowie an den Seiten des Mittelsegments

Besonderheit

Glanzbienen ernähren sich überwiegend von Blüten, die Verbreitung erfolgt bis über die Waldgrenze. Der Flug der Glanzbienen erfolgt nur im Hochsommer in nur einer Generation je Jahr.

Blattschneider- und Mörtelbienen

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Megachile
  • Name: z.B. Maritima, Rotundata, Versicolor

Verbreitungsgebiet

Weltweit, alleine in Deutschland mit 23 Arten

Lebensform

Einzelgänger, Brut in Linienbauten

Sozialstruktur

allein lebend, Kontakt zwischen Weibchen und Männchen lediglich zur Paarung

Erscheinung

  • Körperlänge je nach Art zwischen 8 und 15 mm
  • Flaches Abdomen, Pollentransport über die Bauchbürste
  • Optische Erscheinung mit brauner Körperfärbung und hellen Haarringen der Honigbiene sehr ähnlich, jedoch mit deutlich stärkerer Behaarung.

Besonderheit

Blattschneider- und Mörtelbienen brüten in Holz- und Mauerspalten, sowie vergleichbaren Vertieflungen. Nach der Einlage der Brut wird der Brutplatz dicht verschlossen. Hierzu werden von den Blattschneiderbienen Pflanzenteile wie Blattsegmente, oder auch seltener Blütenblätter, verwendet. Die Mörtelbienen dagegen nutzen zum Verschluss des Brutplatzes lehmige Bodenbestandteile.
Der Flug der Blattschneider- und Mörtelbienen erfolgt nur im Sommer zwischen Juni und August. Unter günstigen Umständen wird eine zweite Generation im selben Jahr großgezogen, dann folgt eine zweite Flugphase im September und Oktober.

Ackerhummel

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Bombus
  • Name: Ackerhummel (bombus pascuorum)

Verbreitungsgebiet

ganz Europa, seit 2010 selbst in Island nachgewiesen

Lebensform

staatenbildend, jedoch mit weit geringeren Bienenzahlen, als beispielsweise Honigbienen. Brut unter Moospolstern oder in Baum- und Erdhöhlen, sowie in erreichbaren Bereichen von Gebäuden, seltener in Mäusehöhlen und anderen Tierbauten

Sozialstruktur

von den Honigbienen bekannter Aufbau des Bienenstaates mit Königin, Arbeiterinnen und Drohnen

Ackerhummel
Ackerhummel

Erscheinung

  • Körperlänge 9 bis 15 mm
  • Gedrungener und kompakter Körperbau, typische Streifenbildung am Hinterleib durch braune Körperfärbung mit hellen Haarringen, Oberseite des Oberkörpers meist leuchtend orange bis rötlich, sehr ausgeprägte Behaarung
  • Pollentransport über Beintaschen an den oberen Gliedern der Hinter-beine

Besonderheit

Die Ackerhummel gilt als besonders friedliebend und wird daher häufig über Bienen- bzw. spezielle Hummelkästen angelockt. Sie gilt als Kulturfolger und nutzt sowohl natürlich vorkommende, als auch vom Menschen kultivierte Blütenpflanzen als Nahrungsgrundlage. Sie gilt als besonders unempfindlich und verfügt über eine extrem ausgeprägte Flugphase von Mai (zunächst nur Königinnen) bis Ende Oktober.

Maskenbienen

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Hylaeus
  • Name: z.B. Annularis, Confusus, Variegatus

Verbreitungsgebiet

Weltweit, schwerpunktmäßig Europa. Im deutschsprachigen Raum sind alleine 45 Hylaeus-Arten bekannt, davon 37 in Deutschland.

Lebensform

Einzelgänger, Brut in vorhandenen Hohlräumen in Lehmwänden oder Totholz, wie beispielsweise Fraßgänge von Käfern und Würmern, teilweise in selbst geschaffenen Hohlräumen in Pflanzenstängeln

Sozialstruktur

allein lebend, Kontakt zwischen Weibchen und Männchen nur zur Paarung

Mastenbiene - Hylaeus
Mastenbiene – Hylaeus

Erscheinung

  • Körperlänge je nach Art zwischen 3,5 und 10 mm
  • Schlanker Körperbau mit langem Hinterleib, meist dunkler bis schwarze Färbung des gesamten Leibs
  • Charakteristische weiße bis gelbe Gesichtsmaske, die bei den Männchen stark ausgeprägt, bei den Weibchen dagegen teils zu wenigen Punkten an der Kopfseite reduziert in Erscheinung tritt
  • Keine äußeren Merkmale zum Pollentransport

Besonderheit

Maskenbienen bauen ihre Nester meist in linearen, runden Nischen und Höhlungen. Sie sind aber auch in der Lage, ihre Brutplätze an asymmetrische wie unregelmäßige Höhlungen anzupassen. Der Nestverschluss erfolgt über einen Deckel aus Drüsensekreten. Bis zum finalen Nestverschluss weisen die Fasern des Deckels eine so hohe Flexibilität auf, dass die Biene jederzeit durch ihn hindurch ins Nest gelangt. Da äußere Merkmale zum Pollentransport fehlen, wird der Pollen geschluckt und im Kropf zum Nest transportiert. Die Flugphase liegt zwischen Mai und September, wobei nur in Einzelfällen eine zweite Generation im selben Jahr heranwächst.

Kraftbienen

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Biastes
  • Name: Brevicornis, Emarginatus, Truncatus

Verbreitungsgebiet

Europa, Asien, Nordafrika, im deutschsprachigen Raum nur mit den drei genannten Arten vertreten

Lebensform

parasitär als so genannte Kuckucksbiene, bevorzugt als Wirt Schlürfbienen, Spiralhornbienen und Glanzbienen

Sozialstruktur

allein lebend, Kontakt zwischen Weibchen und Männchen zur Paarung, anschließend Brutpflege durch ursprüngliche Nestersteller

Erscheinung

  • Körperlänge je nach Art zwischen 5 und 8 mm
  • Kompakter Körperbau
  • Geringe und kurze Behaarung
  • Färbung von orange bis rot, teils mit hellen bis weißen Flecken am Hinterleib
  • Keine Vorrichtungen zum Pollentransport, da Versorgung der Brut durch Wirtstiere

Besonderheit

Weibchen wie Männchen der Kraftbienen können häufig beim Schlafen beobachtet werden, da sich die Tiere während des Schlafs in die Wandung von Blättern oder Blüten ihrer Nahrungsquellen verbeißen und so vor dem Absturz sichern. Die Situation der Kraftbienen kann als prekär bis kritisch eingestuft werden, da sie in besonderem Maße auf das Vorkommen der drei Wirtsarten angewiesen sind. Die derzeit noch besten Überlebenschancen werden von Experten der Art Biastus Trunactus zugemessen, da sie die besten Anpassungsfähigkeiten und die noch am weitesten verbreiteten Wirtstiere nutzt.

Mauerbienen

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Megachilidae
  • Name: z.B. rote Mauerbiene, gehörnte Mauerbiene, Schneckenhausbiene

Verbreitungsgebiet

Weltweilt, bevorzugt in mildem Klima, wie beispielsweise mediterranen Regionen, aber zahlreiche Arten auch in Mitteleuropa und speziell Deutschland

Lebensform

Solitärbiene ohne Staatenverbund

Sozialstruktur

allein lebend. Jedes Weibchen baut für die eigene Brut ein eigenes Nest, Kontakt zu den Drohnen besteht nur zur Fortpflanzung.

Erscheinung

  • Körperlänge und Gewicht vergleichbar der westlichen Honigbiene mit ca. 13mm Körperlänge und etwa 80 Milligramm Gewicht, einzelne Arten, wie die gehörnte Mauerbiene, deutlich kleiner und leichter
  • einfarbiger Körper ohne charakteristische Streifenbildung, Farbgebund von dunkelrot bis gelb
  • stark ausgeprägte, borstige Körperbehaarung
  • Pollensammlung und -transport über stark behaarte Bauchbürste an der vor-deren Rumpfunterseite
  • Je nach Art teils individuelle erkennungsmerkmale, beispielsweise bei der gehörnten Mauerbiene zwei kleine Hörnchen am Kopf, die jedoch in der Behaarung meist nicht auffallen

Besonderheit

Der Name Mauerbiene lässt sich sowohl auf einen der bevorzugten Brutplätze in Mauerspalten und -löchern übertragen, als auch auf die Art des Nestverschlusses. Als Verschlussmaterial kann Lehm, aber auch zerkautes Blattmaterial in Verbindung mit Speichel dienen. Die rauen Nestverschlüsse erinnern optisch an Mauerwerk. Einzelne Arten haben sich auf bestimmte Brutplätze spezialisiert, wie etwa die Schneckenhausbiene, die in den leeren Behausungen von Schnecken brüten. Weitere artspezifische Nistplätze sind aber auch Löcher in Totholz, sowie selbst in das Mark von Pflanzenstängel gebissene Brutkanäle.

Zahlreichen Mauerbienenarten eigen ist die große Nähe zur Zivilisation. Sie nehmen besonders gut künstliche Nisthilfen an und lassen sich daher leicht im Garten oder auf dem Balkon ansiedeln. Von den rund 50 europäischen Arten der Mauerbienen gilt daher derzeit keine als gefährdet.

Holzbienen

Biologische Kenndaten

  • Überfamilie: Apoidea
  • Familie: Xylocopa
  • Name: z.B. Iris, Valga, Violacea

Verbreitungsgebiet

bevorzugt in den Tropen und Subtropen, verschiedene Arten jedoch weltweit mit Ausnahme der polnahen Regionen

Lebensform

alleinlebende Solitärbiene

Sozialstruktur

kein Staatenverbund, eigener Bau einer Bruthöhle je Weibchen, Kontakt zu männlichen Holzbienen nur zur Paarung

Holzbiene
Holzbiene

Erscheinung

  • Körperlänge je nach Art 15-18 bis hin zu 22-28 Millimeter
  • Körpergewicht in Abhängigkeit von der Körpergröße stark variierend
  • einfarbige, meist dunkle Tönung des gesamten Körpers, bei europäischen Arten überwiegend dunkel bis komplett schwarz
  • mäßige, dunkle Behaarung am ganzen Körper
  • Pollensammlung und -transport über die Hinterbeine, sowie in verschluckter Form im Kropf
  • stark ausgeprägter, kräftiger Rüssel, damit verbunden Nahrungsgewinnung teilweise als Nektarräuber

Besonderheit

Die europäischen Holzbienenarten fliegen in einer Generation je Jahr im Zeitraum Ende März bis Oktober. Die Nahrungsgewinnung erfolgt teilweise über den bekannten Zugang zur Blüte über den Kelch, teilweise aber auch als Neckarräuber. Dazu durchstoßen die Holzbienen den Blütenkelch mit ihrem kräftigen Rüssel von der Seite und erlangen so direkten Zugang zum Nektarvorrat der Blüte.

Holzbienen erstellen eigene Brutkanäle und greifen üblicherweise nicht auf vorhandene Höhlungen zurück. Bevorzugte Brutorte sind in Totholz und anderen Pflanzen. Die Anordnung der Brutwaben erfolgt linear hintereinander, während die einzelnen Kammern mit Holz- oder anderen Pflanzenstückchen voneinander abgetrennt werden.

Holzbienen sind in Deutschland häufig anzutreffen, werden aber wegen ihrer großen Abmessungen in Verbindung mit der tiefschwarzen Färbung oft nicht als Bienen erkannt und wahrgenommen.