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Pilze im Garten oder im Haus züchten? | Vor- und Nachteile

Pilze anbauen

Wer sich möglichst eigenständig durch selbst erzeugte Nahrungsmittel versorgen möchte, der baut Gemüse an, hält sich Hühner – und zieht die eigenen Pilze! Ob man letzte lieber im Haus oder doch eher im Garten züchten sollte, ist dabei häufig intensiv diskutiert. Wir erklären Vorteile und Nachteile beider Varianten.

Haus oder Garten – die ausschlaggebenden Faktoren

Für die Entscheidung, welcher Ort denn nun tatsächlich am besten geeignet ist, um Pilze zu züchten, sollten Sie verschiedene Faktoren in Ihre Überlegungen einbeziehen. Denn durch sie erlangt jeder Anbauort seine ganz eigenen Vor- und Nachteile in Hinsicht auf:

  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Nährstoffangebot
  • Platzangebot
  • Pilzsorte

Zuletzt sollte man aber natürlich auch die geplante Pilzsorte in die Abwägung einbeziehen. Denn alle Pilze stellen ganz eigene Anforderungen und können daher je nach Sorte sehr individuell entweder für einen Anbau im Haus oder eben die Zucht im Garten prädestiniert sein.

Die Temperatur

Ganz allgemein gesprochen bevorzugen Pilze kühle Temperaturen für die Reife zu einem verzehrfähigen, geschmackvollen Gewächs. Ist die Temperatur dagegen zu hoch, wachsen die oberirdischen, erntefähigen Bestandteile rasch, jedoch mit weit geringerem Aroma.

Gartenanbau

  • Pro: in Übergangszeiten optimale Temperaturbereiche tags wie nachts
  • Contra: keine Einflussmöglichkeiten auf Temperatur, Fröste unmittelbar nach Anbau des Mycels kritisch

Hausanbau

  • Pro: konstante Temperatur mit guter Beeinflussbarkeit
  • Contra: zu hohe Temperaturen oft nur technisch senkbar (Klimaanlage)

Pilze Keller

Die Luftfeuchtigkeit

Damit sich das Mycel gut im vorgegebenen Substrat ansiedeln und ausbreiten kann, benötigt es eine gewisse Menge an Feuchtigkeit. Entgegen zahlreicher Pflanzen gewinnt es diese vor allem aus der Luftfeuchtigkeit und weniger aus echten Niederschlägen. Eine Luftfeuchtigkeit innerhalb gewisser Rahmenbedingungen zählt also zu den unabdingbaren Voraussetzungen, um Pilze zu züchten.

Gartenanbau

  • Pro: Durch Tau, Nebel etc. hohe Luftfeuchtigkeit ohne weiteres Zutun möglich
  • Contra: gezielte Regulierung der Luftfeuchte nicht möglich

Hausanbau

  • Pro: konstante Umgebungsbedingungen mit konstanter Luftfeuchte gut umsetzbar
  • Contra: Veränderungen der Luftfeuchte immer mit Aufwand (technische Einrichtungen, manueller Aufwand durch feuchte Tücher etc.) verbunden

Tipp: Anstatt beim Anbau im Gebäude auf technische Luftbefeuchter zu setzen, können bereits feuchte Tücher vor den Kellerfenstern diesen Nachteil einfach und simpel ausräumen.

Das Nährstoffangebot

Ohne Nahrung kein Wachstum. Das gilt selbstverständlich auch für das Pilzmycel und seine oberirdischen, erntefähigen Auswüchse – die Pilze. Beim Züchten im Haus oder im Garten wird deshalb üblicherweise auf ein Substrat zurückgegriffen, aus dem der Pilz Nährstoffe und Energie gewinnt. Je nach Pilzart können Stroh, Totholz oder auch stark humose Erde die Wachstumsgrundlage bilden. Immer wieder wird spezielles Pilzsubstrat eingesetzt, das sich aber in seiner Zusammensetzung an den bereits genannten Nährböden orientiert.

Gartenanbau

  • Pro: Bei Beetanbau Substrat bereits vollständig oder teilweise vorhanden
  • Contra: hohe Wahrscheinlichkeit einer Beanspruchung des Substrats durch andere Tiere, Pflanzen oder Pilzarten

Hausanbau

  • Pro: geregeltes Umfeld ohne Fremdbeanspruchung des Substrats, geregeltes Nährstoffangebot durch zu schaffendes Substrat
  • Contra: keine ohnehin vorhandenen Substratbestandteile (Totholz etc.)

Pilze Markt

Das Platzangebot

Obwohl die erntefähigen Pilzkörper in ihrer Ausdehnung klar begrenzt sind, braucht ein Pilz einen gewissen Raum. Denn das die Pilzhüte erzeugende Mycel nimmt weit mehr Raum ein und kann in der freien Natur sogar enorme Ausmaße annehmen. Ganz so üppig fällt ein Mycel beim Züchten zwar nicht aus, allerdings kann der Anbau in Haus oder Garten auch hier ganz eigene Vorteile und Nachteile mit sich bringen.

Gartenanbau

  • Pro: nur geringe Barrieren für Beete bzw. Substratlegen, bei Beetanbau im Erdreich faktisch keine Limitierung der räumlichen Ausdehnung des Mycels
  • Contra: Trennung zwischen Pilzbeet und anderer Nutzung gegen ungehinderte Ausbreitung erforderlich

Hausanbau

  • Pro: Klare Eingrenzung des zur Verfügung gestellten Entwicklungsraumes über begrenztes Substrat
  • Contra: häufig räumliche Limitierung der Zucht durch begrenzte Raumgröße

Hinweis: Es wird deutlich, dass ein begrenztes Platzangebot sowohl Vorteil als auch Nachteil zugleich sein kann. Beachten Sie daher bei dem Faktor Platz neben der Pilzsorte auch die Menge, die sie zu ernten hoffen!

Berücksichtigung der Pilzsorte

Es wird deutlich, dass sowohl für den Garten, als auch für das Haus einige elementare Vorteile sprechen. Ebenso gibt es aber auch bei beiden Örtlichkeiten offensichtliche Nachteile. Anstatt eine willkürlich erscheinende Entscheidung an Hand beliebiger Stärken und Schwächen zu treffen, sollten Sie unbedingt die geplante Pilzsorte in ihre Überlegungen einbeziehen. Denn während einige Sorten beispielsweise hohen Wert auf eine gleichbleibend niedrige Temperatur legen, ist für andere Sorten dagegen der Raum zur flächenmäßigen Entwicklung wichtig.

Informieren Sie sich vor den ersten Schritten Ihrer Pilzzucht über die spezifischen Anforderungen Ihres Pilzes und entscheiden Sie erst dann, ob der Anbau im Haus oder im Garten sinnvoller umgesetzt werden kann.