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Hühnerkrankheiten-Übersicht: 22 häufige Krankheiten erkennen

Huhn Hühnerkrankheiten

Hühner zu halten ist nicht schwierig. Sie brauchen Futter, Wasser, genügend Auslauf und einen Stall, der ihnen Schutz bietet. Dafür bekommt man je nach Rasse Eier, Fleisch oder sogar beides. Wichtig ist jedoch, dass die Hühner immer gesund bleiben und die häufigsten Hühnerkrankheiten leicht vom Halter erkannt werden können. Nur dann kann eine schnelle Behandlung erfolgen.

Hühnerkrankheiten durch Bakterien

Bakterien kommen überall in der Umwelt vor, auch im Hühnerstall. Sie können von einem einfachen Schnupfen bis hin zur schweren Tuberkulose viele Erkrankungen auslösen. Besonders anfällig sind Hühner, welche in einer schlechten Haltung leben oder verunreinigtes Futter und Wasser bekommen. Bakterien lassen sich also am besten durch gute Haltungsbedingungen in Schach halten. Einigen Erkrankungen kann mit einer Impfung vorgebeugt werden.

Eileiterentzündung

Diese Entzündung betrifft vor allem Legehühner. Ursache sind neben Bakterien auch Viren. Sie treten durch kleinste Verletzungen ein, die durch gegenseitiges Picken, den Hahnentritt oder unsachgemäße Handhabung der Hühner entstehen können.

Anzeichen:

  • Abmagerung
  • Apathie
  • Bewegungsunlust
  • gelb-schmieriges verklebtes Gefieder rund um die Kloake

Die Eileiterentzündung kann nur im Frühstadium behandelt werden. Als Vorbeugung dienen eine möglichst saubere, keimarme Haltung und der sachgemäße Umgang mit den Hühnern.

Geflügelcholera

Diese Erkrankung kann alle Vogelarten befallen und damit auch von Wildvögeln auf die Hühner übertragen werden.

Leghorn Huhn

Symptome:

  • Mattigkeit
  • Appetitverlust
  • wässriger, teilweise blutiger Durchfall
  • bei schweren Verläufen Atemnot und Gelenkschwellungen
  • Tod tritt innerhalb weniger Stunden oder Tage ein

Eine Behandlung ist nicht möglich. Die Geflügelcholera kommt heute nicht mehr so häufig vor, da sich die allgemeinen Haltungsbedingungen verbessert haben. Die beste Vorbeugung ist demnach eine möglichst hygienische Haltung und eine bedarfsgerechte Fütterung mit Vitaminen und Mineralien.

Schnupfen

Während eine Erkältung fast immer von Viren ausgelöst wird, wird ein Schnupfen bei Hühnern durch Bakterien verursacht. Ursache für den Krankheitsausbruch kann jedoch eine vorherige Erkältung sein. Hühner erkranken an Schnupfen bei ungünstigem Stallklima. Insbesondere wenn es feuchtkalt oder feuchtwarm ist.

Hühnerschnupfen lässt sich erkennen durch:

  • eitrigen Nasenausfluss
  • Kopfschütteln
  • niesen
  • Atembeschwerden
  • röchelnde oder piepsende Atemgeräusche.
  • geschwollener Nasen- und Augenbereich

Als erste Maßnahme kommen Hausmittel in Betracht. Hält sich der Schnupfen hartnäckig, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden, welcher bei Bedarf Antibiotika verschreibt.

Um die Krankheit zu vermeiden, ist ein trockener Stall ohne Zugluft wichtig.

Weiße Kükenruhr

Diese Erkrankung wird durch Salmonellen ausgelöst. Betroffen sind vor allem Küken, die unter schlechten Haltungsbedingungen aufwachsen. Die Erreger der Krankheit befinden sich in verseuchtem Futter und im Kot erkrankter Hühner. Außerdem gehört die weiße Kükenruhr zu den Hühnerkrankheiten, welche schon über das Brutei übertragen werden können.

Hühner

Symptome:

  • hängende Flügel
  • allgemeine Schwäche
  • Futterverweigerung
  • erhöhtes Wärmebedürfnis
  • Federn um den After verklebt

Eine Behandlung ist nicht sinnvoll, selbst wenn die Tiere sich erholen sollten, sind sie anschließend Dauerausscheider der Salmonellen. Die wichtigste Vorbeugung ist eine gute Stallhygiene und die richtige Wärme bei der Kükenaufzucht.

Tuberkulose

Tuberkulose-Bakterien kommen bei sehr schlechten, unhygienischen Haltungsbedingungen und in überalterten Herden vor. Je nach Erregerstamm können sie für den Menschen ansteckend sein. Die Krankheit kann sich lange hinziehen. Die Tiere magern ab, Kamm und Kehllappen verlieren ihre typische Farbe. Abschließend nachgewiesen werden kann die Erkrankung jedoch nur über eine Obduktion.

Bei Verdacht auf Tuberkulose sollte unbedingt ein Tierarzt hinzugezogen werden. Die Bakterien sind sehr widerstandsfähig. Eine Heilung ist nicht möglich, es kann sogar notwendig sein, den gesamten Bestand zu töten.

Hühnerkrankheiten durch Parasiten

Parasiten im Hühnerbestand gefährden Tiere nicht nur durch die übertragenen Krankheiten, sondern auch durch die hervorgerufene allgemeine Immunschwäche. Milben, Federlinge, Flöhe und Läuse saugen Blut und können eine Blutarmut herbeiführen. Zudem sorgen blutsaugende Parasiten für starken Juckreiz, der zu Verhaltensauffälligkeiten wie Federpicken oder Kannibalismus führen kann. Parasiten sollten durch regelmäßige Reinigung, Desinfektion und ein bereitgestelltes Staubbad bekämpft werden. Außerdem gibt es spezielle Mittel gegen Parasiten beim Tierarzt.

Milbe Hühnerkrankheiten

Kalkbeine

Diese Krankheit wird durch Fußräudemilben verursacht. Diese graben sich in die Haut an den Beinen ein und sind durch die Bildung einer dicken Borke zu erkennen, welche es den Tieren schwer macht zu laufen. Die Milben sind hochansteckend. Hilfreich ist das Aufweichen und Abwaschen der Borke mit einer Schmierseifenlösung und die Gabe eines Anti-Milbenmittels.

Kokzidiose oder rote Kükenruhr

Betroffen sind hauptsächlich Küken, aber auch geschwächte Alttiere. Die Ursache ist ein einzelliger Parasit, welcher zu schweren Darmentzündungen führt. Die Dauerformen (Oozysten) können längere Zeit auch im Stall überleben. Sie überstehen Kälte und Hitze und mögen feuchte Einstreu. Die Übertragung erfolgt durch Kot, verunreinigtes Futter oder Trinkwasser.

Anzeichen sind ein Kümmern erkrankter Tiere, sie nehmen kein Futter auf und lassen die Flügel hängen. Es erfolgt blutiger Durchfall und bei einem raschen Verlauf sterben die Tiere innerhalb von 4 bis 5 Tagen. Gegen die Erkrankung gibt es wirksame Mittel beim Tierarzt.

Würmer

Je nach Wurmart machen sich Anzeichen unterschiedlich bemerkbar:

Luftröhrenwurm Hühnerkrankheiten
Luftröhrenwürmer
  • Luftröhrenwurm führt zu Fressunlust und Atemnot
  • Spul- und Haarwürmer beeinträchtigen Jungtiere und führen zu Abmagerung, Durchfall und struppigen Gefieder
  • Darmwürmer können Entzündungen und Durchfall verursachen

Würmer werden hauptsächlich durch Kot erkrankter Tiere (auch Wildtiere) aufgenommen, vor allem im Auslauf. Vorbeugend kann eine regelmäßige Wurmkur helfen.

Hühnerkrankheiten durch Pilze

Schimmelpilze sind nicht nur für Menschen gefährlich. Pilzsporen aus verschimmeltem Futter oder der Einstreu gefährden vor allem die Hühner, die sie durch ihre Scharr-Tätigkeit in der Luft verteilen und einatmen. Andere Pilze können auch bei Körperkontakt übertragen werden. Es sollten nur einwandfreies Futter und saubere Einstreu verwendet werden.

Aspergillose

Die Schimmelpilzsporen dringen in die Luftwege der Hühner ein und verursachen dort schwere Entzündungen. Äußerlich ist die Erkrankung an einer weißlich blassen Gesichtsfarbe und wässriger Umgebung des Augapfels zu erkennen. Außerdem können Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall und keuchende Atmung auftreten. Junge Tiere sind besonders anfällig, bei ihnen kann es zu Todesfällen kommen. Ansonsten dauert die Erkrankung zwischen 4 bis 6 Wochen. Eine Behandlung ist schwierig und teuer.

Junghuhn

Kammgrind

Befallen werden von dieser Erkrankung Kämme, Kehllappen und Ohrscheiben. Die Tiere können sich durch Berührungen erkrankter Tiere anstecken. Zu erkennen sind befallene Stellen an hellen Flecken, die sich ausbreiten und borkenartige Struktur annehmen. Hilfreich ist ein Entfernen der Borke mit Schmierseifenlösung und ein Einpinseln betroffener Stellen mit Jodtinktur.

Hühnerkrankheiten durch Viren

Viren können besonders schwere Krankheiten auslösen. Dazu gehören die Vogelgrippe und die Newcastle-Krankheit. Beide Hühnerkrankheiten können schnell ganze Bestände befallen und zu vielen Todesfällen führen. Wie bei Bakterien kann gegen einige virenbedingte Erkrankungen geimpft werden. Auch Viren vermehren sich besonders bei schlechten Haltungsbedingungen und infizieren immun geschwächte Tiere.

Atypische Geflügelpest/Newcastle-Krankheit

Diese Erkrankung ist anzeigepflichtig. Außerdem gibt es eine Impfpflicht. Erkrankte Tiere dürfen nicht behandelt werden, der Bestand wird getötet. Die Krankheit ist hochansteckend und kann auch auf andere Vogelarten übergehen. Verantwortlich ist ein Pestvirus, welches hauptsächlich durch Kot und Schleimabsonderungen übertragen wird.

Anzeichen können sein:

  • Fressunlust
  • hohes Fieber
  • grüner und dünnflüssiger Durchfall
  • übermäßiges Trinken
  • Fließeier
  • neurologische Ausfälle, Rückwärtslaufen, Kopfverdrehen

Geflügelpest/Vogelgrippe

Anders als die Newcastle-Krankheit wird die echte Geflügelpest nicht durch Pestviren, sondern durch Grippeviren übertragen. Auch diese Krankheit ist anzeigepflichtig, darf nicht behandelt werden und führt zur Tötung des gesamten Bestandes. Die Vogelgrippe ist auf andere Vogelarten übertragbar oder wird durch diese auf Hühner übertragen.

Vogelgrippe Geflügelpest Hühnerkrankheiten

Eine Impfung gegen Vogelgrippe ist zwar theoretisch möglich, aber in Deutschland verboten. Schutz bieten nur gute Stallhygiene und den Kontakt zu Wildvögeln zu minimieren.

Symptome können sein:

  • Apathie
  • Fressunlust
  • Fieber
  • erschwerte Atmung
  • verminderte Legeleistung, schlechte Ei-Qualität
  • stumpfes, struppiges Gefieder
  • Ödeme
  • Blauverfärbungen von Haut und Schleimhäuten
  • plötzliche Todesfälle

Tipp: Wird von Amtswegen Stallpflicht angeordnet, sollte diese unbedingt eingehalten werden. Die Hühner werden so geschützt und bei Zuwiderhandlung kann ein Bußgeld fällig werden.

Bronchitis

Die verantwortlichen Viren verbreiten sich durch den Kot und Nasenausfluss erkrankter Tiere. Bei Junghennen und ausgewachsenen Tieren verläuft die Erkrankung harmlos. Stärker betroffen sind Küken. Dort kommt es zu Röcheln, Atemnot, Niesen, Nasenausfluss, Abmagerung und struppigem Gefieder. Eine Behandlung ist nicht möglich, Vitamingaben können den Verlauf abmildern. Vorbeugend helfen ein gutes Stallklima, ausreichend Hygiene und eine Impfung.

Hühnerküken

Geflügelpocken

Diese Erkrankung tritt hauptsächlich bei feuchter Witterung auf, ausgelöst vom Geflügelpockenvirus. Die Ansteckung erfolgt über Mund- und Nasensekret oder Kot. Außerdem kann sich das Virus über blutsaugende Parasiten ausbreiten. Es gibt zwei Formen der Pocken. Die Hauptform fällt durch die namengebenden Knoten am Kamm, Kehllappen oder im Nasenbereich auf. Auch Ohrscheiben können betroffen sein. Die Pocken sind erbsen- bis kirschgroß, dunkelbraun und fallen nach einiger Zeit von allein ab.

Gelbe Beläge im Rachen und Schnabel zeugen von der Schleimhautform. Es droht Ersticken bei sehr schwerem Verlauf. Vorbeugend kann der Tierarzt den Bestand impfen.

Leukose

Diese Viruserkrankung ist weitverbreitet. Eine Ansteckung kann schon im Brutei erfolgen oder durch Tierkontakte. Anfällig sind ältere Jungtiere zwischen 6 und 10 Monaten. Die erkrankten Tiere magern ab, Kamm und Kehllappen werden gelblich oder verblassen. Eine Heilung ist nicht möglich.

Mareksche Lähme/Geflügellähme

Diese Viruserkrankung befällt das Gehirn und die Nerven. Die Tiere lassen die Flügel hängen, weisen einen unsicheren Gang auf und hinken. Die Beingliedmaßen sind unnatürlich eingeknickt. Die Augen verfärben sich grau-grün und haben gezackte Pupillenränder. Die Ansteckungsgefahr ist vielfältig.

Verantwortlich können sein:

Gluckenaufzucht

  • infizierte Küken und Junghennen
  • Kot
  • Einstreu
  • Gerätschaften
  • Zecken und Vogelmilben

Eine Behandlung ist nicht möglich, bei Jungtieren muss mit hohen Ausfällen gerechnet werden. Eine Impfung gibt es vom Tierarzt.

Verletzungen

Hühner können sich aus unterschiedlichen Gründen Verletzungen zuziehen. Dazu zählen ungeeignete Sitzstangen, welche zu Ballengeschwüren führen können, scharfe und spitze Gegenstände im Stall oder Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus.

Besonders gefährlich ist die Legenot, bei der ein Ei im Legegang der Henne stecken bleibt. Die Henne benötigt sofortige Hilfe, da es sonst zu Komplikationen kommen kann. Anzeichen für eine Legenot sind auffälliges, aber vergebliches Pressen einer Henne, ein Katzenbuckel und das Hängenlassen der Flügel. Traut man es sich nicht selbst zu, der Henne zu helfen, sollte sofort der Tierarzt gerufen werden.

Henne legt ein Ei

Auch Ballengeschwüre sollte der Tierarzt begutachten. Sie bilden sich, wenn Verletzungen der Füße sich entzünden und eitern.

Haltungsfehler und Hühnerkrankheiten

Falsches oder verunreinigtes Futter kann zu schweren Erkrankungen führen. Dazu gehören zum Beispiel Darmentzündungen und Kropfverstopfungen. Auch fehlende oder falsch zusammengesetzte Vitamine und Mineralstoffe verursachen Krankheiten. Dazu zählen Gicht durch Vitamin-A-Mangel und Eiweißüberschuss und Rachitis durch Vitamin-D-Mangel.

Darmentzündungen heilen ohne Folgen aus, wenn die Tiere mit dem richtigen Futter ernährt werden und einige Zeit Kamillen- oder Pfefferminztee zum Trinken bekommen. Kropfverstopfungen zeigen sich durch einen hervortretenden Kropf, Futterverweigerung und Atemnot. Beheben kann man Kropfverstopfungen durch eine Entleerung des Kropfes. Dazu wird das Huhn kopfüber gehalten und der Kropf vorsichtig massiert, bis der Inhalt über den Schnabel abfließt. Hilft das nicht, kann nur der Tierarzt durch eine OP den Kropf entleeren.

Gicht

Diese Krankheit entsteht vor allem bei älteren Tieren, welche schon länger am Vitaminmangel leiden. Es entsteht eine Stoffwechselstörung und Harnsäure wird nicht mehr ausgeschieden, sondern eingelagert. Anzeichen sind Schwellungen mit gelblich-weißer Masse an den Füßen oder feinkörniger, weißer Belag der inneren Organe.

Rachitis

Diese Vitamin-Mangel-Krankheit zeigt sich bei Küken und halbwüchsigen Tieren durch Beinschwäche, Gelenkverdickungen oder unnatürliche Verbiegungen, Einknicken der Zehen sowie Hocken auf den Fersengelenken. Hilfreich ist eine sofortige Erhöhung der Vitamin D Zufuhr. Die Tiere benötigen außerdem viel Sonnenlicht.

Orpington Huhn

Vorbeugung

Die wichtigste Maßnahme, um Hühnerkrankheiten zu vermeiden, ist die Vorbeugung. Dazu zählen folgende Möglichkeiten:

  • richtige Haltungsbedingungen gewährleisten
  • passende Hühnervolkgröße und -zusammensetzung wählen um Stress zu vermeiden
  • Haltung neuer, verletzter oder erkrankter Hühner in Quarantäne
  • richtige Stallgröße beachten, Stallklima sollte trocken und warm sein, Frost, Feuchtigkeit und Sommerhitze vermeiden
  • Ausstattung des Hühnerstalls hühnergerecht gestalten
  • bedarfsgerechtes sauberes Futter und Wasser
  • Stall und Ausstattung regelmäßig reinigen und desinfizieren
  • Stall unzugänglich für Wildtiere halten
  • Gabe von Multivitaminen und Mineralien über Trinkwasser und Futter

Tipp: Neben einer guten Haltung der Hühner schützt auch Impfen vor Hühnerkrankheiten. Der Tierarzt ist dafür der richtige Ansprechpartner.