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Hühner halten im Garten – Grundlagen der Hühnerhaltung für Anfänger

Hühnerhaltung

Jeden Tag es frisches Bio-Ei… von eigenen Hühnern! Um Hühner zu halten und artgerecht zu versorgen, braucht man keinen großen Bauernhof. Ein kleiner Garten und ein zweckdienlich gezimmerter Hühnerstall sind vollkommen ausreichend für die Selbstversorgung mit Eiern und vielleicht sogar Fleisch für die Suppe oder den Braten. Eine Schar von drei oder vier Hühnern einer kleineren Rasse braucht nicht viel Platz; das Halten ohne Hahn ermöglicht die private Eierproduktion sogar mitten im Wohngebiet.

Vorüberlegungen

Bevor Sie sich eine Hühnerschar anschaffen, gibt es jedoch einige wichtige Fragen zu klären:

  • Ist die Hühnerhaltung in Ihrem Wohngebiet überhaupt erlaubt?
  • Brauchen Sie für die Errichtung des Hühnerstalles eventuell eine Baugenehmigung?
  • Lassen sich bereits vorhandene Stallungen vielleicht zum Hühnerstall umfunktionieren?
  • Wie viel Platz in Ihrem Garten wollen bzw. können Sie den Tieren überlassen?
  • Wer kümmert sich um die Tiere, wenn Sie außer Haus sind?

Erst wenn diese Fragen erschöpfend beantwortet sind, können Sie sich weitere Gedanken über die Haltung und Pflege von Hühnern machen.

Übrigens: Zwar sind Hühner recht anspruchslos, brauchen aber trotzdem täglich frisches Wasser und Futter – und müssen außerdem bei einer Freilandhaltung morgens aus dem Stall gelassen und abends wieder herein gescheucht werden. Sollten Sie einmal über Nacht nicht da sein oder in den Urlaub fahren, sollten Sie einen zuverlässigen Stellvertreter benennen.

Warum Rassehühner?

Viele Menschen kaufen ihre Tiere auf Märkten oder im örtlichen Fachhandel. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen jedoch nicht um reine Rassehühner, sondern um Kreuzungen. Diese werden oft als weiße, braune oder schwarze „Legehühner“ bezeichnet bzw. sogar fälschlich unter dem Rassenamen verkauft, dessen sie ähnlich sehen. Häufig sorgen derartige Kreuzungsprodukte für Enttäuschungen, können sie doch die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen bzw. verhalten sich nicht ihrer vermeintlichen Rasse entsprechend. Darin besteht der große Nachteil „rasseloser“ Tiere: Man kann kaum voraussehen, wie sich ihr Verhalten und ihre Eigenschaften entwickeln.

Hühnerrassen und ihre Eigenschaften

Dieses Risiko besteht bei nachgewiesenen Rassehühnern nicht: Hier sind nämlich nicht nur die äußeren Eigenschaften wie Körperbau, Befiederung und Farbe festgelegt, sondern auch innere Merkmale wie der Bruttrieb sowie Zahl, Farbe und mittlere Größe der Eier. Hinzu kommen weitere Eigenschaften, die sich am besten mit „Charakter“ umschreiben lassen. Zu manchen Rassen (wie beispielsweise den handlichen Modernen Englischen Zwergkämpfern) kann der Halter ein enges Verhältnis aufbauen, so dass die zahmen Tiere ihm hinterherlaufen wie Hunde und sich sogar auf den Schoß setzen. Daneben gibt es Rassen, die gute oder schlechte Flieger sind oder deren Hähne eher viel oder eher wenig krähen – beziehungsweise melodisch oder misstönend.

Übrigens: Wer Rassehühner hält und vielleicht sogar züchtet, sorgt dafür, dass jahrhundertealte Geflügelrassen weiterhin Bestand haben – dies kann durchaus einmal wichtig werden, sollte der Genpool der modernen, hochgezüchteten Rassen eines Tages erschöpft sein bzw. eine Auffrischung brauchen. Somit können Sie mit Ihrer persönlichen Hühnerhaltung zur Biodiversität, d. h. zur Erhaltung der Artenvielfalt, beitragen.

Welche Rasse für Sie die Beste ist:

Welche Rasse sich für Sie am besten eignet, ist in erster Linie von Ihren Ansprüchen sowie den vorhandenen Haltungsbedingungen abhängig. Wollen Sie ein zahmes Huhn, welches viele Eier legt und bei Ihnen alt werden darf oder präferieren Sie ein Tier, welches sowohl Fleisch als auch Eier liefert? Haben Sie eher großflächige Ausläufe oder lediglich einen Kleingarten hinter dem Haus bzw. sogar nur ein paar Quadratmeter Platz? Überlegen Sie vorher gründlich, welche Eigenschaften Ihrer neuen Haustiere Ihnen wirklich wichtig sind und entscheiden Sie sich nach diesen Kriterien für eine bestimmte Rasse

Eine Wahl ausschließlich nach „Schönheit“ kann herbe Enttäuschungen verursachen. Erste Anhaltspunkte für die Auswahl kann die grobe Einteilung der verschiedenen Hühnerrassen nach ihrer Größe und ihrem vorrangigen Nutzungszweck liefern:

  • Legerassen: wurden und werden vornehmlich wegen ihrer guten Legeeigenschaften gezüchtet
  • Zwiehühner: liefern sowohl Fleisch als auch Eier
  • Fleischhühner: sind – je nach Rasse – weniger gute Leger, setzen jedoch sehr viel Fleisch an

In Deutschland sind rund 150 verschiedene Hühnerrassen anerkannt. Für Anfänger in Sachen Hühnerhaltung besonders geeignet sind die im Folgenden aufgezählten, diese gelten als besonders ruhig und robust.

Legerassen

  • Araucana (Grünleger)
  • Barnevelder
  • New Hampshire
  • Orpington
  • Plymouth Rock
  • Rhodeländer
  • Rheinländer
  • Wyandotten
Zwerg-Wyandotte Huhn
Zwerg-Wyandotte

Zwiehuhnrassen

  • Amrock
  • Bielefelder Kennhuhn: Die einzige Hühnerrasse, bei der aufgrund der Färbung schon bei frisch geschlüpften Küken eine Unterscheidung in Hähne und Hennen getroffen werden kann.
  • Deutsches Langschan
  • Sulmtaler
  • Vorwerk
Amrock Huhn
Amrock

Fleischhühner

  • Deutsches Lachshuhn
  • Jersey Giant: eine der größten bekannten Hühnerrassen
  • Niederrheiner
  • Sussex
Jersey Giant Huhn
Jersey Giant

Hühner kaufen

Wo Sie Hühner kaufen und worauf Sie beim Kauf achten sollten

Gesunde und vitale Tiere kaufen Sie am besten beim Züchter. In jeder Region gibt es Geflügelzüchterverbände oder Vereine, in denen sich die örtlichen Züchter zusammengeschlossen haben. Die Adressen und Ansprechpartner können Sie im Internet erfahren (einfach nach Rassegeflügelzuchtverein + Ort oder Bundesland googlen) oder aber beim Dachverband (BDRG – Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter) erfragen. Hier erhalten Sie außerdem viele wertvolle Tipps und Ratschläge für Ihre Hühnerhaltung.

Kontaktaufnahme auf Geflügelschau

Während der Ausstellungssaison zwischen Oktober und Januar finden zudem sowohl auf regionaler als auch auf nationaler und internationaler Ebene kleine wie große Geflügelschauen statt. Auf derartigen Veranstaltungen können Sie die Tiere kennenlernen und Kontakt zu den Züchtern aufnehmen. Oft werden im Rahmen von Tierbörsen außerdem Hühner sowie ganze Stämme (meist ein Hahn und zwei bis drei Hühner) zum Kauf angeboten.

Alter der Hühner

Wenn Sie sehr junge Küken erwerben wollen, können Sie – mit ein bisschen Pech – auch nur an Hähne geraten. Die korrekte Geschlechtsbestimmung ist beim Federvieh nicht ganz einfach, so dass sich auch gestandene Fachleute irren können. Kaufen Sie lieber Tiere, die schon ca. ein halbes bis ein Jahr alt sind – auch diese legen noch sehr gut, sind aber schon ausgewachsen. Erst ab einem Alter von zwei Jahren lässt die Legeleistung langsam nach. Übrigens: Je nach Rasse können die Tiere bis zu 15 Jahre alt werden.

Tipp: Achten Sie bei der Wahl des Züchters zudem darauf, welche Zuchtziele er bei seiner Rasse setzt. Zwar sind die inneren wie äußeren Rassemerkmale in so genannten Standards festgelegt, doch so mancher Züchter legt mehr Wert auf „Schönheit“ – und weniger auf die Legeleistung – die entsprechend geringer ausfällt.

Recht & Gesetz

Hühnerhaltung in Garten und Wohngebiet

Grundsätzlich ist das Halten von Hühnern vom Gesetz her erlaubt, allerdings mit gewissen Einschränkungen: So kann die Kommune bzw. Gemeinde die Hühnerhaltung in einem bestimmten Wohngebiet untersagen. Bevor Sie sich also Tiere anschaffen, sollten Sie sich zunächst bei der zuständigen Behörde nach den Regelungen erkundigen. Außerdem ist das Halten von Hühnern behördlich zu melden – auch wenn sich viele Hühnerhalter nicht darum scheren. Dieses Versäumnis kann jedoch im Falle eines Seuchenausbruchs – beispielsweise im Zusammenhang mit der nächsten Vogelgrippe – teuer werden. Beachten Sie auch, dass Sie bestenfalls Ihre Nachbarn vor dem Kauf um Erlaubnis fragen bzw. sich mit einer Schachtel frischer Eier mit diesen gut stellen: So mancher Hühnerhalter hat seine Tiere schon aufgrund nachbarlicher Beschwerden abschaffen müssen. Gerade in sehr eng bebauten Gebieten kann es daher sinnvoll sein, eine Hühnerschar ohne Hahn zu halten.

Ist eine Hühnerhaltung auch ohne Hahn möglich?

Streng genommen brauchen Sie keinen Hahn, denn dessen Aufgaben werden bei einer reinen Hennenhaltung durch ein besonders dominantes Huhn übernommen. Der Vorteil einer Hühnerhaltung ohne Hahn besteht vor allem darin, dass Sie keinerlei Probleme mit krähendem Federvieh haben werden – die Nachbarn werden es Ihnen danken. Sofern Sie sowieso nicht züchten bzw. sich Ihre Bruteier oder Küken ohnehin nur vom Züchter holen wollen, ist ein Hahn auch nicht notwendig. Bedenken Sie jedoch, dass auch Hennen von Zeit zu Zeit recht laut werden können; etwa wenn sie Eier legen oder durch laute Geräusche erschreckt werden.

Wie lässt sich der Hahn vom Krähen abhalten?

Lärmbelästigungen durch krähende Hähne lassen sich zwar nicht gänzlich, aber doch zu einem großen Teil abhalten. Normalerweise krähen Hähne am Morgen. Abgeblendete, geschlossene und schallisolierte Ställe halten die Geräuschbelästigung während der frühen Morgenstunden in Grenzen. Allerdings lässt die Isolierung nur wenig Frischluft in den Stall, welche die Tiere jedoch dringend für ihr Wohlbefinden benötigen. Deshalb eignet sich diese Methode nicht für kleine Ställe. Alternativ können Sie den Hahn vor dem abendlichen Aufbaumen auch in einen Karton oder in einem abgesonderten, gut isolierten Teil einer Scheune oder sogar im Hausinneren sperren. Ab neun Uhr morgens darf der Hahn dann wieder zu seinen Hennen. Bedenken Sie jedoch: Als angeborenes Verhalten lässt sich das Krähen nie ganz unterbinden. Das Tier zeigt dadurch seinen Standort an und warnt etwaige Konkurrenten.

Die richtige Unterbringung

Welche Rasse Sie für Ihre Hühnerhaltung auch auswählen: Immer brauchen die Tiere einen Stall, in den sie sich bei Gefahr und zum Schlafen zurückziehen können. Die Unterbringung sollte Schutz vor Witterungseinflüssen wie Kälte, Wind und Regen, aber auch vor Hitze bieten. Hühner vertragen Hitze nur sehr schlecht, weshalb der Stall niemals ganztägig in der prallen Sonne stehen sollte. Auch der Auslauf sollte ausreichend Schatten bieten, natürlich neben genügend Platz zum Scharren und Sandbaden. Die beiden letztgenannten Punkte sind immens wichtig, gehören sie doch zum typischen Hühnerverhalten und sollten daher bei einer artgerechten Hühnerhaltung auf keinen Fall fehlen. Mit einem Sand- oder Staubbad reinigen die Tiere ihr Federkleid, während das Scharren der Nahrungssuche dient. Das Huhn nimmt dabei kleine Insekten, Käfer, Würmer, Körner, aber auch kleine Steine etc. auf.

Wie viel Platz benötigen Hühner?

Der Platzbedarf einer kleinen Hühnerschar – Sie sollten, den natürlichen Bedürfnissen der Tiere entsprechend, mindestens drei Exemplare halten – variiert nach Rasse, Größe und Charakter derselben. Grundsätzlich benötigen große Hühnerrassen mehr Platz als kleine, wobei als Mindestmaß für kleinere Rassen ein Auslauf von 1,5 mal 1,5 Metern angegeben wird – pro Huhn. Allerdings kommt jeder zusätzliche Quadratmeter den Tieren zugute: Die Seuchengefahr ist schließlich am größten, wenn man zu viele Tiere auf begrenztem Raum pflegt. Bemessen Sie also Hühnerstall und Auslauf möglichst großzügig, wobei Sie größeren Gruppen wiederum weniger Platz bieten müssen als es rein rechnerisch erforderlich wäre. Immerhin nutzen alle Tier dieselbe Fläche.

Der Hühnerstall

Hühnerställe werden üblicherweise aus Holz gebaut, wobei Sie natürlich selbst zu Hammer und Säge greifen – oder aber einfach einen gebrauchsfertigen Stall im Fachhandel erwerben können. Diese gibt es auch oft schon mit angeschlossenem Verschlag bzw. Voliere und in verschiedenen Größen. Kleine Ställe benötigen dabei meist keine Baugenehmigung, müssen aber dennoch bei der Kommune angemeldet werden. So mancher nutzt auch ein Gartenhaus aus Holz – wie in den Baumärkten erhältlich – als Stall oder mauert einen aus Ziegelsteinen. Für welches Material Sie sich auch entscheiden, folgende Punkte sollten Sie unbedingt beachten:

  • Lage: Frontseite sollte immer nach Südosten zeigen
  • Stallwände: sollten möglichst glatt verputzt und ohne Ritzen oder Rillen sein (Ungeziefer!)
  • Stallboden: bewährt hat sich eine glatte Betonfläche
  • Isolierung: sehr wichtig! Am besten an der Innenwand anbringen und mit Platten oder Fliesen verkleiden.
  • Belüftung: eine Lüftungsklappe, die ständig offen steht. Angebrachte Gaze hindert Ungeziefer am Eindringen.
  • Beleuchtung: Stromanschluss für Lichtquelle (sonst legen die Hühner im Winter nicht!)
  • Heizung: nicht erforderlich, sofern der Stall gut isoliert und die Einstreu immer trocken ist

Als Bodenbelag wählen Sie am besten Holzmulch und / oder scharfen Sand. Auch Stroh ist sehr gut geeignet, muss aber trocken bleiben. Dafür sorgt regelmäßiges Wenden. Heu ist dagegen als Stalleinlage ungeeignet.
Ist der Stall soweit fertig, kann er nun eingerichtet werden. Dazu brauchen Sie:

  • ein Schlupfloch: ca. 60 bis 80 Zentimeter über dem Boden (Vermeidung von Zugluft)
  • dieses sollte mit einer Tür / Schiebetür zu verschließen sein
  • Sitzstangen: bis auf Seidenhühner baumen die Tiere abends alle auf.
  • Legeboxen: zur Ablage der Eier
  • Futtergefäße und Trinkschalen: niemals direkt auf den Boden stellen, am besten aus leicht zu reinigendem Kunststoff

Tipp: Ordnen Sie die Sitzstangen niemals auf mehreren Ebenen an: Hühner sitzen nämlich gerne möglichst hoch und dann käme es allabendlich immer zum Streit um die besten Plätze. Die Höhe der Stangen sowie der Abstand zwischen ihnen sowie zur Wand richten sich nach der Rasse. Schwere Hühnerrassen sowie solche mit kurzen Beinen benötigen relativ niedrige Stangen in ca. 30 Zentimeter Höhe, bei anderen können Sie sie in etwa 80 Zentimeter Höhe montieren.

Zwerghühner für kleine Gärten

Sollten Sie nur sehr wenig Platz zur Verfügung stellen können, empfiehlt sich die Anschaffung von Zwerghühnern. Viele der großen Rassen gibt es auch in der speziell gezüchteten handlichen Zwergversion (z. B. Deutsches Lachshuhn, Orpington, Wyandotten, Sulmtaler…), die über dieselben Eigenschaften wie die „Großen“ verfügen. Daneben existieren auch einige sehr alte Zwerghuhnrassen, die durchaus mehr als nur Liebhaberei sind (z. B. die sehr charmanten Chabos, Moderne Englische Zwergkämpfer, Sebright, Deutsches Zwerghuhn, Antwerpener Bartzwerge…). Diese Rassen benötigen lediglich die Hälfte des angegebenen Platzbedarfs und sind auch für Anfänger hervorragend geeignet.

Freiland- oder Bodenhaltung?

Hühner
Hühner

Wenn rund um Ihr Haus genug Platz vorhanden ist, sollten Sie die Hühnerschar freilaufend halten. Das entspricht ihrem natürlichen Verhalten: Die Tiere können selbst nach Futter suchen, nach Belieben Sandbäder nehmen und sind den ganzen Tag beschäftigt. Gelangweilte Hühner neigen zu sehr unangenehmen Verhaltensweisen, beispielsweise dem Federrupfen. Außerdem suchen sich die Tiere im Freilauf selbst einen Großteil des nötigen Futters zusammen. Natürlich können Sie die Tiere nur dann frei laufen lassen, wenn sie niemandem zur Last fallen können. Eine Umfriedung ist also unerlässlich, wobei die Höhe des Zaunes abhängig ist von der speziellen Rasse: Für die großen und schweren Brahmas beispielsweise reichen 70 Zentimeter vollkommen aus, während leichte und flugfähige Rassen wie etwa die Friesen oder Brakel-Hühner mühelos zwei bis drei Meter hohe Hindernisse überwinden

Vorteile der Bodenhaltung

Allerdings ist die reine Freilandhaltung von Hühnern auch mit Nachteilen verbunden. So haben es nicht nur Greifvögel wie der Habicht, Füchse oder auch wildernde Hunde auf das Federvieh abgesehen, auch Seuchen wie etwa die in den letzten Jahren verstärkt auftretende Vogelgrippe zwingt den Geflügelhalter zumindest zeitweise zu einer reinen Stallhaltung. Ist eine solche übrigens behördlich angeordnet und wird nicht eingehalten, drohen empfindliche Strafen – je nach Bundesland werden mehrere tausend Euro fällig. Aus diesen Gründen kann auch eine Bodenhaltung sinnvoll sein: Bei dieser werden die Hühner in einem ausreichend großen Stall mit einer überdachten Voliere gehalten. Bedenken Sie bei einer geplanten Bodenhaltung jedoch den Platzbedarf der Tiere – der Hühnerstall muss entsprechend größer gebaut und auch ausgestattet werden. Sorgen Sie für eine vernünftige Belüftung und bringen Sie im Vorfeld die regional bei Ihnen gültigen Regelungen zur Aufstallung bei Vogelgrippe / Geflügelpest in Erfahrung. Diesen entsprechend sollte der Hühnerstall gebaut werden.

Hühnerpflege

Hygiene ist bei der Hühnerhaltung das A und O. Wenn Sie peinlich auf Sauberkeit achten und nicht zu viele Tiere auf engem Raum halten, treten Krankheiten oder Parasiten eher selten auf. Läuse machen da allerdings eine Ausnahme: Wie gut Sie sich auch immer um Ihre Hühner kümmern, eine Infektion durch Spatzen und andere Wildvögel lässt sich in der Regel nicht vermeiden. Hindern Sie deshalb Wildvögel (und natürlich auch anderes Getier wie Füchse, Dachse etc.) durch entsprechende Maßnahmen am Eindringen. Hierzu eignet sich beispielsweise ein entsprechend engmaschiger Maschendrahtzahn mit Überdachung (z. B. durch ein Vogelschutznetz).

Stallreinigung und Hygiene

In puncto Stallreinigung gilt bei der Hühnerhaltung diese Faustregel: Reinigen Sie den Stall nicht erst, wenn es nötig erscheint, sondern schon vorher! Diese Aufgaben sind täglich zu verrichten:

  • Eier einsammeln
  • Wasserschale und Futternapf reinigen (mit heißem Wasser, anschließend in der Sonne trocknen lassen)
  • frisches Trinkwasser einfüllen
  • verschmutzte und feuchte Einstreu entfernen
  • gegebenenfalls den Boden darunter reinigen
  • frische Einstreu einfüllen

Von Zeit zu Zeit (ca. alle paar Tage) sind außerdem die Sitzstangen zu säubern und der Auslauf mittels Harken von Kot zu befreien. Die Legeboxen sollten alle zwei bis vier Wochen gründlich gereinigt und mit frischem Stroh ausgelegt werden. Wenn das Außengehege nicht allzu groß ist, sollte man die obere Bodenschicht etwa alle zwei bis fünf Jahre abtragen und durch sauberen Sand ersetzen. Den Aushub können Sie bedenkenlos als Dünger im Garten verteilen. Des Weiteren sollte der Stall jedes Jahr innen neu gekalkt werden. Bei einer eventuellen Bodenhaltung sollten Sie bei der Stallreinigung besonders penibel sein, da sich Parasiten und Krankheitskeime hier sehr schnell vermehren.

Muss man Hühner baden?

Normalerweise muss man Hühner nicht baden, allerdings gibt es begründete Ausnahmen: Rassen mit üppiger Fußbefiederung oder Hauben sowie stark verschmutzte oder von Außenparasiten (Läusen) befallene Tiere brauchen gelegentlich ein Bad. Gebadet wird wie folgt:

  • Huhn mit lauwarmem Wasser anfeuchten
  • dieses sorgfältig gegen den Strich einmassieren
  • Huhn mit mildem Babyshampoo einschäumen (nicht in Rachen und Augen kommen lassen!)
  • Shampoo sorgfältig ausspülen
  • Huhn mit einem Handtuch abtrocknen

Nach dem Bad muss das Tier trocken sein bevor es zurück in den Stall gesetzt wird. Föhnen Sie es oder setzen Sie es für mehrere Stunden in einen warmen Karton.

Krallen, Sporen und Schnabel

Huhn
Huhn

Im Grunde ist eine Körperpflege bei Hühnern nicht notwendig, außer die Krallen der Tiere müssen eingekürzt werden. Wenn Sie sich das selbst nicht zutrauen, überlassen Sie diese Aufgabe am besten einem Tierarzt oder einem erfahrenen Züchter. Übrigens sind die Krallen der Grund dafür, weshalb ein Hühnerstall einen harten Boden aus Beton oder Ziegelsteinen haben sollte: Holzböden sind einfach zu weich, so dass die Tiere ihre Krallen beim Scharren nicht von selbst abschleifen. Auch zu stark ausgeprägte Sporen bei Hähnen sowie überlange bzw. übermäßig vorstehende Schnäbel bedürfen einer Kürzung. Beides überlassen Sie jedoch lieber dem Tierarzt.

Hühner richtig tragen

Das richtige Aufheben und Tragen der Hühnerhaltung will gelernt sein! Niemals sollten Sie die Tiere an den Flügelwurzeln oder an den Läufen hochheben, auch wenn Sie dies in Filmen bzw. auf alten Fotos so gesehen haben. Stattdessen heben Sie das Huhn folgendermaßen auf:

  • Legen Sie eine Hand auf den Hühnerrücken.
  • Dies wirkt beruhigend auf das Tier.
  • Stecken Sie die andere Hand nun unter das Tier und zwar so, dass je ein Finger außerhalb und die übrigen zwischen den Beinen liegen.
  • Drücken Sie das Huhn sanft an sich und heben Sie es langsam hoch. Dabei können Sie das Huhn vorsichtig mit dem Unterarm umklammern.

Mauser bedeutet Ruhezeit

Die Mauser ist ein alljährlich wiederkehrender Prozess, in dem die Hühner ihr komplettes Federkleid allmählich wechseln. Normalerweise dauert es ein bis zwei Monate, bis die Tiere neu befiedert sind. Hennen in der Mauser legen in der Regel keine Eier, weil sie ihre ganze Energie zur Bildung des neuen Gefieders benötigen. Zum Aufbau des neuen Federkleides sind die Tiere deshalb auf eine an Energie und Eiweiß reichere Ernährung als sonst angewiesen. Mit im Handel erhältlichem Unterhalts- bzw. Mauserfutter können Sie nichts verkehrt machen.

Hühner artgerecht ernähren und Hühnerfutter richtig zusammenstellen
Hühner sind Allesfresser. Wenn Sie sie mit Auslauf im Freien halten, fressen sie gleichermaßen Körner, Beeren, Insekten, Würmer, Schnecken und Grünfutter – sie suchen sich ihr Hühnerfutter ganz artgerecht selbst zusammen. Aus diesem Grund sollte auch in der privaten Hühnerhaltung das Hühnerfutter aus folgenden Komponenten bestehen:

  • Körner- und Schrotfutter: fertige, im Handel erhältliche Mischungen
  • Grünfutter und Obst: verschiedene Früchte und Gemüse, Wildkräuter
  • Tierische Futtermittel: bei fehlendem Auslauf sollten Mehlwürmer gereicht werden
  • Grit und „Magenkiesel“: ohne verhungern Hühner, da diese zur Verdauung gebraucht werden
  • Zusatzfutter: Vitamine und Mineralien während der Mauser sowie im Winter
  • Wasser

Füttern Sie am besten abends im Stall: So locken Sie die Tiere gleich an ihren Schlafplatz. Machen Sie die Futtertröge nicht zu voll – kleinere Hühnerrassen brauchen ca. 30 Gramm Körnerfutter, große bis zu 100 Gramm.

Krankheiten, Parasiten und Verhaltensstörungen

Viele Krankheiten, Parasiten und auch Verhaltensstörungen in der Hühnerhaltung lassen sich durch die Gabe von gutem Hühnerfutter in hoher Qualität sowie einer sehr guten Hygiene in Hühnerstall und Auslauf vorbeugen. Nichtsdestotrotz können Ihre Tiere natürlich dennoch erkranken.

Zu den Symptomen von Erkrankungen und / oder Parasitenbefall gehören:

  • ständiges Kratzen
  • kahle Stellen
  • Abmagerung
  • Durchfall
  • Lähmungserscheinungen
  • Beine mit abstehenden Schuppen
  • Einstellen der Eiablage
  • lethargisches Verhalten (v. a. mit aufgeplusterten Federn)
  • ungewöhnlich gefärbter Kot
  • Nahrungsverweigerung

Wenn Sie erst mit der Hühnerhaltung angefangen und daher wenig Erfahrung haben, sollten Sie Kontakt mit einem erfahrenen Züchter aufnehmen. Dieser erkennt aufgrund langjähriger Erfahrung meist, was vorliegt und was dagegen zu tun ist. Wenn auch er keinen Rat weiß, können Sie einen Tierarzt konsultieren. Vergewissern Sie sich jedoch, dass dieser sich mit Hühnern auskennt – bei vielen Kleintierärzten ist das nämlich nicht der Fall.

Parasitenbefall vorbeugen

Die häufigsten Parasiten – eine Übersicht

  • Würmer: zur Vorbeugung die Tiere halbjährlich entwurmen
  • Rote Blutmilben
  • Federläuse
  • Federmilben
  • Flöhe

Die häufigsten Krankheiten – eine Übersicht

  • Durchfall
  • Hühnerschnupfen / Akute Coryza
  • Erkältungen
  • Infektiöse Bronchitis: vorbeugende Impfung möglich
  • Kokzidiose / Rote Kükenruhr: v. a. bei schlechter Belüftung und mangelnder

Hygiene

  • Mareksche Lähme / Marek: Jungtiere unbedingt vorbeugend impfen lassen!
  • Newcastle Disease / Pseudo-Vogelpest: vorbeugende Impfung möglich

Extra-Tipp: Einige der gefährlichsten Hühnerkrankheiten lassen sich durch eine rechtzeitige Impfung verhindern. Fragen Sie einen bekannten Hühnerzüchter, der Mitglied eines Kleintierzuchtverbandes ist: Die Mitglieder lassen ihre Bestände oftmals geschlossen impfen, was natürlich erheblich günstiger ist als die individuelle Einzeldosis beim Tierarzt.

Literatur zum Weiterlesen

1. Peitz, Beate und Leopold; Bauer, Wilhelm: Hühner in meinem Garten. Alles über Haltung und Ställe. Verlag Eugen Ulmer, 2012. Fundiertes Standardwerk nicht nur für Anfänger der Hühnerhaltung.
2. Bauer, Wilhelm: Hühnerställe bauen. Verlag Eugen Ulmer, 2008. DAS Standardwerk für den Bau und die Einrichtung von Hühnerställen. Überhaupt sind die Bücher des „Geflügelpapstes“ Wilhelm Bauer sehr empfehlenswert.
3. Baldwin, Suzie: Hühner halten im Garten. Der Weg zum eigenen Bio-Ei. BLV Buchverlag, 2012. Sehr liebevoll und unterhaltsam geschriebenes Sachbuch, ideal für absolute Anfänger in Sachen Hühnerhaltung.