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Gänsefutter – was fressen Gänse? Infos zum Futter und dem Füttern

Graugans beim fressen

Schauen Anfänger in die entsprechende Fachliteratur hinein, so werden sie von den Unmengen an Fütterungsempfehlungen schier erschlagen. Doch lassen Sie sich nicht entmutigen, denn das richtige Füttern Ihrer Gänse ist so schwer tatsächlich nicht. Während der Sommermonate sollten die Tiere auf einer saftigen Weide stehen und sich dort einen Großteil ihres Futters selbst zusammensuchen – den Rest besorgen Sie mit einer guten Futtermischung sowie einem abwechslungsreichen Speiseplan. Haben Sie außerdem immer einen guten Blick auf Ihre Tiere, damit sie nicht durch überreichliches Gänsefutter verfetten.

Was fressen Gänse?

Zunächst einmal: Eine Gans hat je nach Jahreszeit und Lebensphase einen vergleichsweise hohen Eiweißbedarf. Dennoch besteht in der Weidesaison das Hauptfutter aus Grünfutter, welches sich die Tiere auf der Weide zusammensuchen. Dieses enthält Gräser, Kräuter sowie eiweißreiche Leguminosen. Das Weidefutter wird – je nach Zusammensetzung der Weide – ergänzt durch ein selbst zusammengesetztes Weichfutter am Morgen und eine weitere Ration Körnerfutter am Abend.
Neben Grünfutter bekommen Gänse außerdem:

  • Getreide und Getreideprodukte (als Korn und Schrot), vor allem Mais, Gerste und Hafer
  • bei magerer Weide zusätzliches, frisch geschnittenes Grünfutter
  • Gemüse wie geraspelte Möhren, Weißkohl, Kartoffeln oder Futterrüben
  • eiweißreiche Hülsenfrüchte wie Erbsen, Ackerbohnen, Sojaschrot
  • Fleisch- oder Fischmehl als Lieferanten für wertvolle Aminosäuren
  • sowie als Ergänzungsfutter Muschelschrot und Grit

Tipp: Verfüttern Sie nicht zu viel energiereiches Getreide
Denken Sie daran, dass Weizen nur in der Mast gefüttert werden sollte, da die Tiere sonst zu schnell verfetten. In der normalen Erhaltungsfütterung wird stattdessen besser Gerste oder Hafer verwendet und zwar mit einer Ration von maximal 75 Gramm pro Tier. Wie viel zusätzliches Gänsefutter geweidete Gänse tatsächlich benötigen, hängt konkret von der Zusammensetzung der Weide sowie von der Rasse ab. Eine Emdener Gans hat naturgemäß einen weniger hohen Energiebedarf wie die schwerere Toulouser Gans.

Die ideale Weidezusammensetzung

Idealerweise besteht eine Gänseweide aus einer gesunden Mischung aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen. Die Qualität der Weide hängt dabei vor allem von dem Boden ab, auf dem diese steht. Sehr nährstoffreiche Böden bringen ebenso fette Weiden hervor, während auf eher mageren Böden vor allem Pflanzen wie Brennnesseln, Disteln und Gänseblümchen wachsen. Übrigens: Gänseblümchen heißen so, weil die Tiere sie nicht mögen.
Stattdessen sollten sich vor allem diese Pflanzen auf einer Gänseweide finden:

  • Gräser: Knaulgras, Weidelgras, Lieschgras
  • Kräuter: Löwenzahn, Wiesenkerbel, Spitzwegerich
  • Leguminosen: Rot- und Weißklee, Hornklee, Vogelwicke

Brennnesseln fressen Gänse zwar ebenfalls sehr ungern, allerdings nicht, wenn diese zerkleinert und mit dem übrigen Gänsefutter vermischt gereicht werden. Brennnesseln sind sehr gesund, enthalten viele Vitamine sowie Mineralstoffe und eignen sich daher sehr gut für die Herstellung von Weichfutter. Auf der Gänseweide selbst hat das Kraut allerdings trotzdem nichts zu suchen.

Eine Gänseweide richtig pflegen

Damit die Weide hochwertig zusammengesetzt bleibt und nicht etwa „verwildert“, muss sie entsprechend gepflegt werden. Dazu gehört, dass Sie zum Beweiden mehrere Teilstücke abtrennen und die Tiere sich immer nur auf einem Teil der Weide befinden. Der Rest hat nun Zeit sich zu erholen, schließlich fressen Gänse die Grasnarbe sehr kurz ab. Das wiederum kann zu schweren Schäden führen, wenn keine Wechselweide betrieben wird – die wertvolleren Weidepflanzen nämlich wachsen meist recht langsam und werden so schnell durch weniger wertvolle, schnell wachsende Unkräuter verdrängt.

Gänseherde regelmäßig umtreiben

Treiben Sie die Tiere daher regelmäßig um und mähen Sie die Weide nach dem Umtrieb gleichmäßig ab. So werden eventuelle „Inseln“ vermieden. Unerwünschter Bewuchs (wozu neben Brennnesseln, Disteln und Co. auch Giftpflanzen wie Kreuzkraut etc. gehören!) sollte von Zeit zu Zeit gründlich entfernt werden. Im Herbst können Weiden bei Bedarf gekalkt und im Frühjahr – vor der eigentlichen Weidesaison – gedüngt werden.

Das optimale Gänsefutter

Die Fütterung der Tiere richtet sich in erster Linie danach, in welcher Lebensphase sie sich gerade befinden. So haben beispielsweise im Wachstum befindliche Junggänse einen vergleichsweise höheren Energiebedarf als erwachsene Tiere. Aber nicht nur das Alter, auch die Jahreszeit bestimmt über den Futterplan: Befinden sich die Gänse etwa gerade in der Legeperiode, so steigt ihr Nährstoff- und Energiebedarf. Außerhalb der Legeperiode können die Tiere dagegen bei einer zu starken Fütterung verfetten und dann in der Zucht versagen, d. h. sind vor allem die Ganter zu fett, lässt deren Befruchtungsleistung stark nach. Deshalb wird während der Legeruhe lediglich ein so genanntes Erhaltungsfutter gereicht, um ein Überangebot an Energie zu vermeiden. Allerdings ist auch während der Mauser – eine sehr kräftezehrende Zeit – ein erhöhter Bedarf an Nährstoffen und Energie festzustellen, wobei Sie jedoch weniger Getreide und mehr Futtermittel wie gekochte Kartoffeln, Rübenschnitzel, Möhren etc. verfüttern sollten.

Erhaltungs- oder Leistungsfutter? Das sind die Unterschiede

Grundsätzlich wird bei der Tierfütterung zwischen Erhaltungs- und Leistungsfutter unterschieden. Leistungsfutter wird gereicht, wenn sich die Tiere gerade in einer besonderen Phase der Anstrengung befinden (beispielsweise der Eiablage) oder aber gemästet werden sollen. Erhaltungsfutter wird dagegen gefüttert, wenn die Gänseherde nicht verfetten, sondern kräftig und gesund bleiben sollen. Hauptsächliche Energieträger sind dabei vor allem Getreide und Getreideprodukte, insbesondere Weizen. Einen mittleren Energiegehalt haben Zuckerrüben und gedämpfte / gekochte Kartoffeln, eine geringere Energiekonzentration ist dagegen in Grünfutter, Futterrüben und Möhren enthalten.

Wertvolle Aminosäuren für gesunde und vitale Tiere

Proteinreiche Futtermittel sind zugleich oft von einer hohen Energiedichte. Allerdings können die Tierkörper bestimmte, lebenswichtige Aminosäuren nicht selbst herstellen (z. B. Lysin, Zystin und Methionin), weshalb diese unbedingt im Futter enthalten sein müssen. Fischmehl, Magermilch, Futterhefe und Sojaextraktionsschrot haben den höchsten Eiweißgehalt, eine optimale Aminosäurenzusammensetzung sowie gleichzeitig einen vergleichsweise geringen Energiegehalt. Relativ hoch ist auch der Gehalt an Proteinen in Ackerbohnen und Erbsen.

Kaufen oder mischen?

Am einfachsten ist es natürlich, das Gänsefutter je nach dem jahreszeitlich bedingten sowie rassetypischen Bedarf fertig zu kaufen und gegebenenfalls mit Kartoffeln, Möhren etc. anzureichern. Dabei haben Sie im Handel die Wahl zwischen Mischfuttermittel, Alleinfuttermittel und Ergänzungsfuttermittel.

Mischfuttermittel

Mischfuttermittel werden aus verschiedenen Rohstoffen wie geschrotetem Getreide oder Hülsenfrüchten, aus Mühlennachprodukten wie z. B. Soja-, Raps- oder Sonnenblumenextraktionsschrot, ferner Weizenkleie, Grießkleie etc. und aus Mineralstoffen sowie speziellen Vitaminvormischungen hergestellt. Dieses Futter ist in Form von Mehlen oder in Form von Preßfutter (Pellets) erhältlich. Allerdings nehmen die Tiere mit Preßfutter meist mehr auf – dieses ist konzentrierter als Futtermehl – und werden daher schneller überfüttert.

Alleinfuttermittel

Ein Alleinfutter enthält alle lebensnotwendigen Nährstoffe und Mineralien, welche die Tiere im Laufe ihres Lebens benötigen. Je nach Alter haben Sie die Wahl zwischen Kükenstarter-, Aufzucht-, Jungtier-, Lege- und Elterntierfutter. Alleinfutter soll den vollständigen Bedarf der Tiere an Nähr- und Wirkstoffen abdecken, weshalb auf eine zusätzliche Fütterung von Getreide oder anderen Ergänzungen verzichtet werden sollte. Für Gänse einer mittleren Größe sehr gut geeignet ist ein Alleinfuttermittel für Legehühner, welches Sie mit eingeweichtem Brot, Kartoffeln und geschnittenen Brennnesseln optimieren.

Ergänzungsfuttermittel

Ein Ergänzungsfuttermittel in Form von Mehlfutter oder Pellets enthält gegenüber vergleichbarem Alleinfutter einen deutlich höheren Gehalt an beispielsweise Rohprotein, Aminosäuren oder Mineralstoffen, jedoch wesentlich weniger Energie. Dadurch eignen sich Ergänzungsfuttermittel zur kombinierten Fütterung mit Getreide. In der Praxis bewährt hat sich die Methode, den Gänsen morgens vor dem Weidegang 2/3 Ergänzungsfutter sowie abends beim Reinholen in den Stall 1/3 Getreide zu füttern.
Sie können Ihren Tieren das Gänsefutter allerdings auch selber mischen, wobei Sie jedoch die einzelnen Komponenten mit ihren jeweiligen Nährstoffzusammensetzungen genau im Blick behalten müssen. Auch hier empfiehlt es sich, zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe hineinzumischen.

Rezept für ein bewährtes Futtergemisch für die Weidesaison

Natürlich hat jeder langjährige Gänsezüchter seine eigenen Rezepte für Gänsefutter optimiert. Vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e. V. (BDRG) empfohlen wird für die Weidesaison folgende Weichfuttermischung, die am bestens morgens vor dem Weidegang gereicht wird (Mengenangaben beziehen sich pro Tag auf eine Gans mittlerer Größe):

  • 130 Gramm Hafer oder Haferschrot
  • 100 Gramm gedämpfte oder gekochte Kartoffeln
  • 50 Gramm Gerstenschrot
  • 25 Gramm geschnitzelte Futterrüben

Abends sollten Sie Ihren Tieren noch eine Ration von ca. 50 bis 75 Gramm (abhängig von der Gänserasse!) Getreide, beispielsweise Hafer oder Gerste, füttern.

Rezept für ein bewährtes Futtergemisch für den Winter

Im Winter können die Gänse naturgemäß nicht auf die Weide, weshalb die Ernährung während der kalten Jahreszeit eine andere ist. Mischen Sie

  • 30 % Maisschrot
  • 20 % Gerstenschrot
  • 10 % grobe Weizenkleie
  • 10 % Haferschrot
  • 15 % Dorschmehl (oder ein anderes Fischmehl, allerdings ist Dorsch reich an gesunden Fettsäuren)
  • 10 % Fleischmehl
  • 5 % Biertreiberzu einem Mehlfutter zusammen. Pro Gans werden täglich etwa 50 Gramm dieser Mischung sowie 50 Gramm Hafer, beides angemengt mit Butter- oder Magermilch, gefüttert.

Was gehört noch ins Gänsefutter?

Gänsefutter & EntenfutterNeben dem üblichen Beifutter sollten Sie unbedingt Muschelschrot sowie Grit reichen – natürlich extra – sowie, vor allem wenn Sie Fertigfutter verwenden, die Vitamine A, D und E sowie eine Reihe von Mineralstoffen zufüttern. Kalzium, Phosphor, Natrium, Mangan und Zink erfüllen wichtigste Aufgaben im Stoffwechsel, sind aber in handelsüblichen Futterstoffen nicht in ausreichender Menge vorhanden. Aus diesem Grund ist vornehmlich im Winter die Beimischung der genannten Mineralien sowie von Kupfer und Eisen notwendig. Halten Sie sich jedoch genau an die Empfehlungen der Hersteller, um eine Überdosierung zu vermeiden. Diese kann insbesondere bei einem Überangebot der o. g. Vitaminen zu Krankheiten führen. Viel hilft eben nicht immer viel, denn es kommt auf die Dosis an.

Erkennen ob Gänse zu fett werden

Ob die Tiere durch eine übermäßige Fütterung zu fett werden, erkennen Sie natürlich am Äußeren – allerdings braucht es dafür ein geübtes Auge, denn manche Gänserassen wie beispielsweise die Toulouser Gänse sind von Natur aus sehr schwer. Tasten Sie also besser regelmäßig die Haut an Brust und Bauch ab, dann erkennen Sie schnell, ob sich dort eine stetig wachsende, übermäßige Fettschicht aufbaut. Wenn Sie sehr unsicher sind, können Sie die Tiere auch regelmäßig – immer morgens, vor dem Füttern – wiegen und so erkennen, ob sie vielleicht zu viel oder zu wenig oder auch gar nicht zunehmen. Haben Sie bei der Einschätzung immer die empfohlene bzw. geforderte Gewichtsklasse für die jeweilige Rasse im Blick.

Gänse richtig füttern

Das selbst angemischte oder gekaufte Gänsefutter reichen Sie morgens und abends, tagsüber sollten die Tiere die Möglichkeit für einen Auslauf haben. Das ist in der Regel auch im Winter möglich. Da Gänse im Grunde den ganzen Tag fressen, können Sie ihnen während der an Grünfutter armen Zeit täglich frisches Heu reichen, woran sie knabbern können und beschäftigt sind. Für die optimale Fütterung der Tiere empfehlen sich außerdem folgende goldenen Regeln:

  • Gefüttert wird morgens und abends.
  • Gefüttert wird möglichst immer zu denselben Uhrzeiten.
  • Füttern Sie aus mehreren Futtertrögen, damit auch schwächere Tiere eine Chance auf ausreichend Futter haben.
  • Futterbehälter sollten nach der Fütterung immer leer sein.
  • Anderenfalls leeren und reinigen Sie sie, damit nichts schimmelt
  • oder etwa Ungeziefer angelockt wird.
  • Achten Sie darauf, ob Ihre Tiere ausreichend fressen oder vielleicht anschließend noch Hunger haben.
  • Reichen Sie zwei Mal täglich frisches Wasser.
  • Dieses sollte jedoch ständig zur Verfügung stehen.
  • Reinigen Sie die Trinkgefäße ebenfalls täglich zumindest grob.

Futter- und Wasserbehälter

Wählen Sie als Futter- und Wasserbehälter am besten Tröge oder Näpfe, die übergittert o. ä. sind, damit die Tiere beides nicht aus den Behältern hinausbefördern oder aber beispielsweise beim Koten verschmutzen können. Als Futtertröge eignen sich sehr gut übergitterte Metallbehälter, diese sind zudem leicht zu reinigen.

Gänse richtig mästen

Eine Gänseherde richtig zu mästen, ist ebenfalls kein Hexenwerk. Am einfachsten ist es, die Tiere etwa vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Schlachttermin separat aufzustallen und anschließend täglich 500 Gramm Getreide (vor allem Weizen!) pro Tag und Tier sowie Mineralfutter zu reichen. Diese Art Gänsefutter ist sehr energiehaltig und sorgt dafür, dass die Tiere innerhalb kurzer Zeit ein gutes Schlachtgewicht bei einer ebenso guten Schlachtkörperqualität erreichen. Das optimale Alter bei der Schlachtung liegt bei ungefähr 28 bis 32 Wochen, was, das richtige Timing beim Schlüpfen vorausgesetzt, genau zu St. Martin bzw. Weihnachten der Fall sein dürfte. Klassischerweise stehen Mastgänse in dieser Zeit im Stall, damit sie sich das angefütterte Gewicht nicht gleich wieder abrennen.

Literatur zum Weiterlesen

Sehr viele und gut durchdachte Informationen zur richtigen Fütterung und Halten von Hausgänsen finden Sie in diesen Büchern:

1. Marion Bohn-Förder – Liebenswerte Langhälse: Über den artgerechten Umgang mit Gänsen. Cadmos, 2012.
Die Autorin züchtet schon seit Jahrzehnten sehr erfolgreich graue Pommerngänse, Kanadagänse und noch weiteres Geflügel. Dieses Buch gilt als das Standardwerk zur Gänsehaltung und -zucht.

2. Karl-Heinz Schneider – Gänsezucht und Gänsehaltung. Oertel und Spörer, 2010. Auch dieses Standardwerk enthält alles Wissenswerte, was der künftige Gänsehalter wissen muss.

3. Horst Luttitz – Enten und Gänse halten. Ulmer Eugen Verlag, 2005. Speziell für Hobbyhalter geschrieben!