Selbstversorger.de

Brennnesseljauche während der Erntezeit verwenden?

Wer einen Nutzgarten besitzt, hofft auf eine reichhaltige Ernte. Ein bewährtes Hausmittel zur Stärkung der Pflanzen, als Dünger und als Schädlingsbekämpfungsmittel ist Brennnesseljauche, doch kann diese auch während der Erntezeit verwendet werden? Ist die Ernte dann immer noch genießbar, oder verdirbt der strenge Geruch der Jauche das Gemüse?

Die Inhaltsstoffe von Brennnesseljauche

Um zu verstehen, ob und inwiefern die Jauche während der Erntezeit einen nachteiligen Einfluss auf die Früchte haben kann, lohnt zunächst ein näherer Blick auf die Inhaltsstoffe:

  • Skopoletin
  • Flavonoide
  • Vitamine A, B, C und K
  • Eisen
  • Mangan
  • Kalium
  • Kalzium
  • Magnesium
  • Kieselsäure
  • Stickstoff

Betrachtet man die einzelnen Inhaltsstoffe einmal näher, so fällt auf, dass auf den ersten Blick keine schädlichen Stoffe enthalten sind. Im Gegenteil, die Vitamine und Mineralien könnten sich in dieser Form auch auf der Inhaltsangabe von Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln wiederfinden.

Auch bei den weniger bekannten Skopoletinen und Flavonoiden wird man mit etwas Recherche schnell fündig. Sie sind in zahlreichen Pflanzen zu finden, die wir als Gemüse, als Kräuter oder in anderer Form verwenden und verzehren. Eine schädliche Auswirkung ist ebenso wenig bekannt, wie eine echte Giftigkeit. Als Fazit lässt sich also feststellen, dass die Brennnesseljauche per se ungiftig ist.

Ungiftig, aber ungenießbar?

Neben der Frage, ob der Mensch die Jauche verzehren kann, stellt sich natürlich auch die Frage, ob er sie überhaupt verzehren möchte. Wer schon einmal die Brennnesseln überbrüht und als gärenden Sud angesetzt hat, der erinnert sich sicherlich gut an den üblen, mitunter beißenden Geruch des Ansatzes. Eine gewichtige Frage ist daher nun, ob Gemüse, das mit Brennnesseljauche gedüngt wird, überhaupt noch genießbar ist. Wir konzentrieren uns dabei auf die Zeit während der Ernte, wenn die Früchte bereits voll entwickelt und bereit zum Verzehr sind.

Brennnesseljauche

Die Art der Verwendung

Brennnesseljauche lässt sich in Abhängigkeit von dem erwünschten Effekt auf unterschiedliche Art und Weise einsetzen:

  • als Dünger oder zur Pflanzenstärkung
  • Als Schädlingsbekämpfungsmittel

Jauche als Dünger

Soll die Jauche Nährstoffe liefern, wird sie verdünnt eingesetzt. Der Pflanze zugeführt wird sie dann idealerweise über das Gießwasser, da sie so unmittelbar dort ankommt, wo sie die Pflanze auch aufnehmen kann: an den Wurzeln. Wird die Düngergabe richtig durchgeführt, spricht nichts gegen die Düngung mit Brennnesseljauche. Denn die Nährstoffe werden über das Wasser und das Erdreich von der Pflanze aufgenommen. Die den üblen Geruch erzeugenden Stoffe verbleiben dagegen im Boden und erreichen so erst gar nicht die Früchte.

HINWEIS: Damit bedenkenlos während der Erntezeit gedüngt werden kann, kommt es auf ein sorgfältiges und gewissenhaftes Vorgehen an. Achten Sie darauf, die Gießbrühe explizit nur auf das Erdreich zu gießen und nicht aus Versehen Blätter und Früchte mit zu benetzen!

Jauche als Insektenvernichter

Wird der Brennnesselsud dagegen zur Vertreibung von Schädlingen eingesetzt, nützt die Einbringung über das Gießwasser wenig. Blattläuse und andere Schmarotzer werden in erster Linie durch den üblen Geruch vertrieben. Um wirksam zu sein, muss die Jauche daher am Standort der Läuse – den Blättern – aufgebracht werden. Da Früchte und Blätter in unmittelbarer Nachbarschaft gedeihen, ist es ausgeschlossen, die Blätter zu benetzen, ohne die Früchte gleich mit zu besprühen.

Die Art der Früchte

Nun stellt sich als nächstes die Frage, ob mit Brennnesseljauche in Kontakt gekommene Früchte noch genießbar sind, oder man während der Erntezeit lieber auf ihren Einsatz als Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten sollte. Ob Gemüse oder Obst, die Früchte der Gartenpflanzen lassen sich bezüglich der Jaucheverwendung während der Erntezeit in zwei Kategorien unterteilen.

1. Ungeeignete Früchte

  • dünne, leicht verletzliche Schale
  • schwer zu reinigende Fruchtform
  • stark wasserdurchlässige Fruchthülle
  • Beispiele: Himbeeren, Erdbeeren, Tomaten…

Erdbeeren nass

2. Geeignete Früchte

  • dicke, feste Schale
  • gut zu reinigende Oberfläche (fest, wenige Poren etc.)
  • geringe Wasseraufnahmefähigkeit durch die Schale
  • Beispiele: Kürbis, Gurke, Zucchini…

Gehören Früchte der ersten Kategorie an, kann sich aufgebrachte Jauche sehr gut an der Schale festsetzen, jedoch nur noch schwer entfernt werden. Die nachteiligen Geruchsstoffe können sogar teilweise auf Grund einer durchlässigen Schale in die Frucht selbst hinein wandern. Hier sollte daher unbedingt auf den Einsatz des Brennnesselsuds als Schädlingsbekämpfer verzichtet werden.

In der zweiten Kategorie dagegen kann die Jauche recht einfach abgewaschen werden. Außerdem ist eine Anreicherung in der Frucht nicht zu befürchten. Daher erscheint die Verwendung hier auch während der Erntephase möglich.

TIPP: Lassen Sie bei der Abwägung, ob Sie Brennnesseljauche während der Erntezeit verwenden wollen, auch ihr eigenes Bauchgefühl nie außer Acht! Empfindliche Menschen verspüren trotz vollständig gereinigter Früchte immer noch Unbehagen beim Verzehr. So kann aus einer eigentlich problemlos genießbaren Frucht für den einzelnen Menschen schnell ein No-Go werden. Gehen Sie mit dem Wundermittel Brennnesseljauche daher im Zweifelsfall gerade während der Ernte zurückhaltend um.