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Wassertriebe am Obstbaum entfernen

Sollte man alle Wassertriebe am Obstbaum entfernen? Was zu tun ist

Dass Obstbäume für eine reiche Ernte jährlich ausgelichtet werden müssen, ist bekannt. Ein Obstbaum tendiert häufig dazu, Wassertriebe zu bilden, was sich erheblich auf den Fruchtertrag und die Vitalität des Gewächses auswirkt. Ob Sie diese überhaupt entfernen müssen und wie das gelingt, erfahren Sie in ausführlichen Details hier.

Welche Wasserschosse entfernen?

Wassertriebe bei Obstbäumen sind eine Reaktion der Pflanze auf einen zu starken Rückschnitt im Vorjahr, bei dem die Pflanze zu viel Holz verloren hat. Durch die Bildung der Wasserschosse versucht der Obstbaum, das verlorene Holz zu ersetzen, was zu den typischen Trieben führt, die steil nach oben wachsen und eine Länge von bis zu einem halben Meter oder mehr erreichen können. Haben Sie etwas zu stark die Schere angesetzt, begrüßen Sie aus diesem Grund häufig zahlreiche Wassertriebe. Diese wachsen vor allem in der Mitte der Krone. Weitere Ursachen für Wasserschosse können die folgenden Ursachen sein:

  1. Starkes Wachstum: Manche Obstbäume verfügen über ein äußerst starkes Wachstum und bilden selbst nach geringen Schnittmaßnahmen Wasserschosse aus. Ebenfalls können erhöhte Mengen Dünger oder eine starkwüchsige Sorte wie der Apfel (bot. Malus) ‚Retina‘ dafür verantwortlich sein.
  2. Schwache Fruchtbildung: Vor allem ältere Obstbäume können mit der Zeit weniger Früchte ausbilden. Besteht dieser Zustand über einen längeren Zeitraum, treiben weitere Wassertriebe aus, denn der Baum versucht dadurch die Bildung von Früchten anzuregen. Das gelingt aber nur in den wenigsten Fällen.

Wassertriebe am Obstbaum entfernen

Trotz des intensiven Wachstums der Wasserschosse sollten Sie beim Entledigen dieser behutsam vorgehen, denn nicht alle erweisen sich für den heimischen „Obstbauer“ als unproduktiv. Im Obstbau biegt man Wasserschosse gerne schräg nach unten um sie fest zu binden. Das nennt man Saftwaage. Es sorgt dafür, dass die nach unten gebundenen Schosse Fruchtstände ausbilden. Nur schräge Äste und Triebe bilden bei Obstbäumen Fruchtstände aus, was die Saftwaage ermöglicht. In den wenigsten Fällen ist es der Pflanze möglich, an geraden Wassertrieben Früchte auszubilden. Deshalb sollten Sie Wassertriebe entfernen. Dabei sollten aber die folgenden Auswahlkriterien beachtet werden:

  • senkrecht nach oben wachsende werden entfernt
  • alternativ nach unten binden (Saftwaage)
  • maximal ein Drittel der Triebe werden entfernt
  • diagonal wachsende in Ruhe lassen
  • 45° wachsende Triebe sind ideal für Fruchterträge

Wenn Ihr Obstbaum schon immer an einer Fruchtarmut gelitten hat, können Wasserschosse sogar eine effektive Methode sein, um diesen wieder zu einer reichen Ernte zu bewegen. Wichtig ist hier wie bei allen Obstbäumen immer der folgende Gedanke: Weniger ist mehr. Übertreiben Sie es allgemein niemals mit dem Schneiden. Dadurch können Sie sich viel Arbeit in der Zukunft sparen. Zudem bildet Ihr Baum durch vorsichtiges Auslichten ansprechende Krone aus. Achten Sie zudem darauf, nicht alle Wasserschosse zu entfernen, wenn ihr Obstbaum über mehrere Jahre welche ausgebildet hat, die Sie bis jetzt nicht entfernt haben. Diese Maßnahme würde zu einem übermäßig starkem Austrieb führen, was Sie eigentlich verhindern wollen.

Prunus avium Kirschbaum

Tipp: Gerade die Süßkirsche (bot. Prunus avium) ist bekannt dafür, an geraden Wasserschossen zahlreiche Fruchtstände auszubilden, die den Ertrag der Ernte steigern. Aus diesem Grund sollten Sie bei den Süßkirschen besonders darauf aufpassen, nicht zu viele der Triebe zu entfernen, um sich nicht die Chance auf eine größere Kirschenernte zu verderben.

Zeitpunkt

Das Entfernen der Wassertriebe am Obstbaum sollte im späten Frühling nach den Eisheiligen im Mai geschehen, spätestens zu Sommerbeginn. Der Grund hierfür ist die Beschaffenheit der Wassertriebe, denn diese sind bis zu diesem Zeitpunkt noch weich, haben keine schlafenden Augen gebildet und lassen sich auf einfache Weise entfernen. Wenn Sie einen Obstbaum Früchte tragen sehen wollen, der nicht durch die Bildung von Wasserschossen behindert wird, bietet sich dieser Zeitpunkt hervorragend an. Eine Entfernung im Winter ist aufgrund des folgenden Ablaufs nicht zu empfehlen:

  • Obstbaum verfügt über schlafende Augen
  • Wasserschosse treiben aus diesen aus
  • jeder Wasserschoss bildet zwei weitere Augen aus
  • nach dem Herausschneiden schießen Triebe aus den Knospen
  • diese Wassertriebe verfügen ebenfalls über Augen
  • ein Kreislauf entsteht

Wie Sie sehen, sorgt die Entfernung der Wasserschosse im Winter für ein starkes Austreiben. Obstbäume werden im Winter nur zurückgeschnitten, um die Bildung von Holz zu fördern, was gleichbedeutend mit Wasserschossen ist. Aus diesem Grund sollten Sie niemals die Wassertriebe zur kalten Jahreszeit entfernen, sonst werden Ihnen am Obstbaum bald nur noch diese Schosse begegnen.

Tipp: Die Knospenbildung bei Wasserschossen wird ebenfalls angeregt, wenn Bäume immer wieder eingekürzt werden. Aus diesem Grund finden sich viele Wasserschosse bei Exemplaren, die mit Absicht klein gehalten werden.

Wassertriebe am Obstbaum entfernen: Anleitung

Wassertriebe entfernen

Ist der Mai gekommen, können Sie gegen die Wasserschosse vorgehen. Das Beste an diesem Projekt ist die simple Ausführung, In den meisten Fällen benötigen Sie nicht einmal eine Schere, wenn es sich um frische Wasserschosse handelt, die noch nicht verholzt sind. Ist das der Fall, können Sie diese mit einer speziellen Technik entfernen, nämlich dem Reißen. Das gelingt auf die folgende Weise:

  • zu entfernende Wassertriebe auswählen
  • dabei an oben genannten Punkten orientieren
  • Wasserschoss mit der Hand umgreifen
  • wenn möglich, gleich mehrere Schosse gleichzeitig umfassen
  • mit kräftigem Ruck herausreißen
  • dabei nicht in der Bewegung zögern

Diese Methode klingt auf den ersten Blick etwas rabiat, doch ist das die beste Variante, um die Wasserschosse dauerhaft zu entfernen. Achten Sie darauf, dass ein Teil der Rinde zusammen mit dem Trieb weggerissen wird, denn dadurch verhindern Sie die Ausbildung schlafender Knospen. Das Reißen ähnelt dem Verlust der Schosse durch das Wetter oder Tiere, was die Bäume deutlich besser als einen Schnitt vertragen. Gerissene Wunden schließen sich an dieser Stelle schneller, was die Bildung der Schosse verhindert und somit die Fruchterträge steigert. Nur bei äußerst kräftigen Wasserschossen sollten Sie auf den Einsatz einer Astschere- oder Säge setzen, was in den meisten Fällen nur bei vernachlässigten Obstbäumen notwendig ist.