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Tiefwurzler: was ist das? 15 tiefwurzelnde Bäume und Sträucher

Tiefwurzler

Beim Erwerb von Bäumen und Sträuchern wird häufig die Bedeutung des Wurzelsystems unterschätzt. Zahlreiche Gehölzarten senden ihre Wurzelstränge viele Meter tief ins Erdreich aus. Diese Eigenschaft ist mit Vor- und Nachteilen verbunden. Was sich konkret hinter dem Begriff Tiefwurzler verbirgt, erklärt dieser Ratgeber erklärt detailliert und nachvollziehbar. Lernen Sie hier 15 tiefwurzelnde Bäume und Sträucher näher kennen.

Tiefwurzler – Definition mit Erläuterungen

Tiefwurzler sind Pflanzen mit einer dominanten Pfahlwurzel, die senkrecht und metertief in den Boden reicht. Von der Primärwurzel aus verzweigen wenige, nachrangige Wurzelstränge horizontal in Nähe der Erdoberfläche.

Tiefwurzler sind darauf spezialisiert, die oberirdischen Pflanzenteile aus den tieferen Bodenschichten zu vorsorgen. Indem Sie ihre Wurzeln tief ins Erdreich treiben, gelangen die Gehölze an versickertes Regenwasser, Grundwasser und eingeschwemmte Nährstoffe. Ein Wachstum mit tief reichenden Pfahlwurzeln hat zugleich den Vorteil, dass sich Bäume und Sträucher im Boden sicher verankern. Dank dieser Eigenschaft sind Tiefwurzler besser gegen Windwurf gewappnet, als Flachwurzler oder Herzwurzler. Im Rahmen der Pflanzung auf Grundstücken punkten tiefwurzelnde Gehölze mit dem Vorteil, dass auch nach Jahren keine Schäden zu befürchten sind an Versorgungsleitungen, gepflasterten Flächen oder Gebäuden. Selbstversorger wissen zu schätzen, dass sich die Baumscheiben ausgezeichnet eignen, um darauf schattenverträgliches Gemüse anzubauen. Spinat, Feldsalat oder Radieschen gedeihen im Schutz tiefwurzelnder Bäume und Sträucher, ohne dass sich die Wurzeln gegenseitig behindern.

Tiefwurzler

Lokale Bodenqualität beachten

Es hängt nicht einzig von der genetischen Veranlagung ab, ob sich ein Gehölz zum Tiefwurzler entwickelt. Ein wichtiger Faktor für die Bildung des spezifischen Wurzelsystems ist die lokale Bodenqualität. Bäume und Sträucher sind sehr anpassungsfähig. In schwerer, verdichteter Gartenerde fällt es Wurzeln schwer, das Erdreich zu durchdringen. Unter diesen Umständen ist es keine Seltenheiten, dass ein als Tiefwurzler definiertes Gehölz die Wurzeln flach und in großem Radius ausbreitet. Eine fest zementierte Prognose, wie sich ein Wurzelsystem entwickelt, kann somit nicht getroffen werden. Vielmehr sind die Übergänge zwischen den verschiedenen Wurzelsystemen fließend, je nach der örtlichen Beschaffenheit des Bodens.

Tiefwurzelnde Bäume und Sträucher

Die folgende Auslese mit 15 tiefwurzelnden Gehölzen basiert auf der Prämisse, dass die Pflanzen in normaler, gut durchlässiger Erde gedeihen.

Esskastanie, Marone (Castanea sativa)

Wer eine Esskastanie sein Eigen nennt, darf sich im Herbst über eine reiche Ernte essbarer Nussfrüchte freuen. Als windstabiler Hausbaum hat sich die Marone ebenfalls einen Namen gemacht. Zumindest in seiner Jugend sendet der heimische Laubbaum eine kräftige Pfahlwurzel senkrecht in Richtung des Grundwassers und eingeschwemmter Nährstoffe. Fernerhin sind die unzähligen, grünlich-weißen Kätzchenblüten im Frühsommer für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge ein beliebtes Ausflugsziel auf der Jagd nach Nektar und Pollen.

  • Wuchshöhe: 20 bis 30 Meter
  • besonderes Merkmal: gut winterhart und stadtklimafest
Tiefwurzler
Esskastanie und Eibe

Eibe (Taxus baccata)

Schnittverträgliche Koniferen, die als Tiefwurzler gedeihen, machen sich rar im Pflanzenreich. Einziger europäischer Nadelbaum, der sich dieser Attribute rühmen kann, ist die Eibe. Beliebt ist das immergrüne Nadelgehölz als formale Heckenpflanze, die dem Garten einen repräsentativen Rahmen verleiht. Die ausgeprägte Toleranz gegenüber Schnittmaßnahmen beruht auf der Tatsache, dass die Eibe aus altem Holz erneut austreibt. Zu dieser Meisterleistung sind andere Nadelgehölze nicht in der Lage. Leider verbirgt sich hinter dem dekorativen Erscheinungsbild ein ausgeprägter Giftgehalt, was der Europäischen Eibe den Titel Giftpflanze des Jahres 2011 einbrachte.

  • Wuchshöhe: 2 bis 10 Meter
  • besonderes Merkmal: bildet keine Zapfen aus, sondern rote Früchte in Beeren-Optik

Eberesche, Essbare Vogelbeere (Sorbus aucuparia)

Tiefwurzler Eberesche

Dieser Tiefwurzler begeistert als Augenweide und verspricht mit seinen Früchten erfrischenden Gaumenschmaus. Die Eberesche gedeiht als dekorativer Laubbaum mit pyramidaler Krone, wunderschönen Fiederblättern und weißen Rispenblüten im Juni und Juli. Im Herbst harmonieren leuchtend rote, essbare Beeren mit goldgelbem Laub. Versorgt wird die malerische Pracht durch ein tiefgründiges Wurzelsystem, das mit zunehmendem Alter in die Breite geht.

  • Wuchshöhe: 7 bis 15 Meter
  • besonderes Merkmal: Wachstum als mehrstämmiger Baum mit schlanker Krone

Flieder (Syringa vulgaris)

Damit im Selbstversorger-Garten der ästhetische Aspekt nicht zu kurz kommt, erstrahlt Flieder mit atemberaubend schönen Blüten, denen ein verführerischer Duft entströmt. Dank seiner tief in den Boden reichenden Wurzeln macht sich der Blütenstrauch als dekorativer Windschutz nützlich, ohne selbst durch Windwurf gefährdet zu sein. In Sachen Schnittpflege macht das Blütengehölz dem Gärtner das Leben leicht. Die gerüstbildenden Bodentriebe sowie das Blütenholz bleiben über viele Jahre vital, sodass ein Rückschnitt nur selten erforderlich ist.

  • Wuchshöhe: 2,50 bis 6 Meter
  • besonderes Merkmal: stark Ausläufer bildend

Ginster, Besen-Ginster, Edelginster (Cytisus scoparius)

Ginster

Beim Erwerb von Ginster für den heimischen Garten sollten Sie einen Blick auf den botanischen Namen werfen, wenn Sie Wert auf einen Tiefwurzler legen. Besen-Ginster und Edelginster zählen zur Gattung Geißklee. Von Mai bis Juli legen die majestätischen Schönheiten ein gelbes, rotes oder zweifarbiges Blütenkleid an. Bevorzugt gedeiht Ginster in sandig-lockerer Erde, damit er seine tiefreichende Pfahlwurzel darin verankern kann. Im Gegensatz dazu verharrt Färber-Ginster, Flügel-Ginster oder Sand-Ginster der Genista-Gattung auf einer Wuchshöhe von 20 bis 50 Zentimetern und wird gespeist durch ein flaches Wurzelgeflecht.

  • Wuchshöhe: 1 bis 2 Meter
  • besonderes Merkmal: der ideale Blütenstrauch für den Steingarten

Hainbuche (Carpinus betulus)

Die Hainbuche erfreut sich großer Popularität als schnittverträgliche Heckenpflanze. Ungeachtet ihres Namens handelt es sich um ein Birkengewächs, was am weißen Holz zu erkennen ist. Als Tiefwurzler verspricht der heimische Laubbaum eine zuverlässige Standsicherheit, sodass er im naturnahen Garten als ökologisch wertvoller Hausbaum auf dem Vormarsch ist. Traditionell rangiert die Hainbuche als beste Wahl, wenn eine windstabile Hecke mit Sichtschutzfaktor auf dem gärtnerischen Wunschzettel steht. Obschon die Pflanze zu den laubabwerfenden Gehölzen zählt, trägt sie die eingetrockneten Blätter bis weit in den Winter hinein.

Hainbuche

  • Wuchshöhe: 3 bis 14 Meter, selten höher
  • besonderes Merkmal: heimisches, ausgeprägt robustes Wildgehölz

Lärche, Europäische Lärche (Larix decidua)

Die Lärche sorgt im Herbst für Erstaunen, wenn sie nach einer furiosen Goldfärbung ihre Nadeln abwirft. Das ist nicht die einzige Überlebens-Strategie, derer sich die europäische Konifere bedient. In ihrer Jugend gedeiht die Lärche als Tiefwurzler, indem sie tief in kiesiges und steinhaltiges Erdreich vordringt. Charakteristisch sind die zahlreichen Wurzelverkrümmungen entlang der Pfahlwurzeln. In feinkrümeliger Bodenqualität sind Wurzeltiefen von 2 Metern und mehr möglich.

Lärche

  • Wuchshöhe: 30 bis 55 Meter
  • besondere Merkmale: markant hartes Holz, grüne Lärchennadeln ein natürlicher Badezusatz

Pflaume (Prunus domestica)

Saftig-süße Pflaumen aus eigenem Anbau verspricht ein heimischer Tiefwurzler aus der Familie der Rosengewächse. Zu den herausragenden Attributen der Pflaume zählen malerische Frühlingsblüten, die sich in große, runde Steinfrüchte verwandeln. Die sommergrünen Blätter verabschieden sich im Herbst mit einer schönen Gelbfärbung. Wer als Gärtner windstabile und standfeste Obstbäume favorisiert, kommt am tiefwurzelnden Pflaumenbaum nicht vorbei.

  • Wuchshöhe: 8 bis 10 Meter
  • besonderes Merkmal: als tiefwurzelnde Säulenpflaume für den kleinen Garten ideal

Sanddorn, weiblich (Hippophae rhamnoides)

Tiefwurzler, vitaminreiche Früchte, pflegeleicht und genügsam. Die Liste vorteilhafter Attribute von Sanddorn ist lang und überzeugend. Die weibliche Variante der ertragreichen Zier- und Obstgehölze ist auf einen männlichen Befruchter in räumlicher Nähe angewiesen, um die leuchtend orangefarbenen Beeren hervorzubringen. In der Küche verwandeln sich die Früchte in erfrischende Marmelade oder gesunde Getränke.

  • Wuchshöhe: 4 bis 5 Meter
  • besonderes Merkmal: Wurzelwachstum bis in 3 Meter Tiefe

Tausendblütenstrauch, Bienenbaum (Tetradium daniellii var. hupehensis)

Bienenbaum

Halten Sie hier Ausschau nach einem tiefwurzelnden ökologischen Kleinod mit Seltenheitswert? Dann werden Sie beim Tausendblütenstrauch fündig. Hier ist der Pflanzenname Programm, denn von Juli bis August erfolgt eine sehenswerte Blütenexplosion aus weißen Schirmrispen. Dieses Festmahl lassen sich Bienen, Hummeln und Schmetterlinge nicht entgehen. Obschon der Bienenbaum aus Asien stammt, ist er in unseren Breiten zuverlässig winterhart.

  • Wuchshöhe: 10 bis 15 Meter
  • besonderes Merkmal: Tiefwurzler mit weitreichenden Seitenwurzeln

Walnussbaum (Juglans regia)

Der Baum des Jahres 2008 beschert seinem Gärtner edles Holz und knackige Nüsse in Premium-Qualität. Dank silbriger Rinde und knorriger Äste verleiht ein Walnussbaum jedem Garten besonderes Flair. Erst spät im Frühjahr legt die Echte Walnuss ihr Laubgewand an, sodass eine Unterpflanzung von milder Frühlingssonne profitiert. In seiner Jugend treibt der Baum eine kräftige Pfahlwurzel tief ins Erdreich. Im fortgeschrittenen Alter breiten sich die Wurzeln herzförmig aus.

Walnuss

  • Wuchshöhe: 10 bis 20 Meter
  • besonderes Merkmal: tief reichende Pfahlwurzel empfindlich gegen Verpflanzung

Weißdorn, Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna)

Weißdorn gedeiht als dichter, dornenbewehrter Großstrauch mit malerischer Blüte von Mai bis Juni. Traditionell macht sich das tiefwurzelnde Gehölz als standsichere und unüberwindliche Einfriedung von Bauernhöfen nützlich. Moderne Selbstversorger haben Weißdorn-Sträucher wieder entdeckt, um ihre Nutztiere ebenso sicher wie dekorativ auf dem Grundstück zu halten. Ungebetenen Gästen wird dank einer Weißdorn-Hecke der Zugang nachdrücklich verwehrt.

  • Wuchshöhe: 2 bis 5 Meter
  • besondere Merkmale: essbare Früchte, wichtiges Vogelnährgehölz

Weißtanne, Edeltanne (Abies alba)

Die Weißtanne kommt als Nadelbaum der Superlative daher. Die heimische Konifere gilt als höchster Baum Europas. Als Tiefwurzler dringen seine Wurzeln in Bereiche vor, die anderen Bäumen verschlossen bleiben. Wo es einer Weißtanne gefällt, erreicht sie ein biblisches Alter von bis zu 600 Jahren. Im Selbstversorger-Garten steht die Edeltanne hoch im Kurs als selbst gezogener Weihnachtsbaum.

  • Wuchshöhe: bis 65 Meter
  • besondere Merkmale: dekorative, weiß-graue Rinde, weiche Nadeln
Tiefwurzler
Edeltanne und Winter-Linde

Winter-Linde (Tilia cordata)

Im Selbstversorger-Garten mit eigener Honigproduktion darf die Winter-Linde nicht fehlen. Der Baum des Jahres 2016 gedeiht nicht nur als standfester Tiefwurzler. Primär gilt die formschöne, breit-kegelige Krone als eine der besten Bienenweiden. Wenn Ende Juni die gelblichen Blüten im Garten ihren Duft verbreiten, geht es hoch her im dunkelgrünen Blätterkleid, wenn Wild- und Honigbienen emsig Nektar und Pollen sammeln. Planen Sie für den majestätischen Baum bitte eine ausreichend große Fläche ein. Mit zunehmendem Alter ergänzen weitstreichende Seitenwurzeln die tiefe Hauptwurzel.

  • Wuchshöhe: 15 bis 30 Meter
  • besonderes Merkmal: kann dank guter Schnittverträglichkeit auf 6 bis 8 Meter gehalten werden