Selbstversorger.de
Unkraut jäten

Magnesiumsulfat und Apfelessig gegen Unkraut: ja oder nein?

Selbst die fleißigsten Hobbygärtner werden vom Unkraut nicht verschont. Gerade gezupft, sind die grünen Störenfriede auch schon wieder da. Wer seinen Garten ohne die chemische Keule unkrautfrei halten will, stößt früher oder später auf alternative Lösungen wie Apfelessig und Magnesiumsulfat. Helfen diese Mittel wirklich? Sind sie überhaupt erlaubt? Wir klären auf.

Was ist Unkraut?

Als Unkraut gelten die Pflanzen, die nicht speziell angebaut werden und sich spontan auf Beeten mit Kulturpflanzen ansiedeln. Weit verbreitete und von Hobbygärtnern gefürchtete Unkräuter sind zum Beispiel:

  • Quecke
  • Giersch
  • Acker-Kratzdistel
  • Acker-Winde
  • Löwenzahn
  • Brennnessel

Auch der schöne rote Klatschmohn und die blauen Kornblumen zählen da, wo sie nicht speziell ausgesät wurden, zu den unerwünschten Unkräutern. Der Grund für die explosionsartige Verbreitung der Unkräuter liegt oft in der enormen Samenbildung. Eine einzige Klatschmohnpflanze bildet bis zu 19.000 neue Samen. Der gewöhnliche Löwenzahn wirkt dagegen mit 5.000 Samen pro Pflanze sehr zurückhaltend und doch wird man ihn kaum los.

Hinweis: Eine treffendere Bezeichnung für Unkraut wäre Beikraut. Dieser Begriff beschreibt gut, dass diese Pflanzen die zur Nutzung angebauten Kulturpflanzen begleiten. Pflanzen, die an einem Ort ein Unkraut darstellen, können an einem anderen Ort jedoch durchaus erwünscht sein.

Unkrautbekämpfung

Viele Hobbygärtner nehmen seit Jahren Abstand von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln, die Glyphosat enthalten. Wer jedoch nicht täglich Zeit zum Jäten hat, sucht nach anderen Lösungen, um das Unkrautwachstum zu reduzieren.

Apfelessig und Magnesiumsulfat

Apfelessig

Essig ist in der Lage, Pflanzen dauerhaft zu schädigen. Diese Eigenschaft führt dazu, dass Essig als geeignetes Mittel zur Unkrautbekämpfung gilt. Er gehört zu den alten Hausmitteln und wird gern als Ersatz für Chemie für Reinigungszwecke verwendet. Daneben gehört Essig ebenso zu den Würzmitteln. Er schmeckt sauer und wird von Essigbakterien durch Fermentation alkoholhaltiger Flüssigkeiten hergestellt. Wie der Name vermuten lässt, wird Apfelessig dabei aus Apfelwein produziert. Obwohl er milder bwz. weniger sauer ist als Branntweinessig, kann er Unkraut vernichten.

Wenn Essig solche Auswirkungen auf Unkräuter hat, bleiben die Pflanzen in der Umgebung dann wirklich unbeschadet? Nein! Essig wird von der Erde aufgenommen und verändert den pH-Wert im Boden. Über die Blattadern dringt die Säure in die Pflanze, zerstört ihr Säure-Basen-Gleichgewicht und führt so zu einer dauerhaften Schädigung bzw. zum Absterben. Normales Gießwasser hat einen neutralen pH-Wert von 7. Apfelessig besitzt dagegen einen pH-Wert von 3,0. Im Internet wird immer wieder die Verwendung von Essigessenz angeraten, diese hat einen pH-Wert von 2,0, ist also noch saurer.

Was passiert beim Gießen mit Essigwasser?

  • pH-Wert im Boden sinkt
  • Schädigung der Pflanzenwurzeln im Umfeld
  • Pflanzen können nicht genug Wasser aufnehmen und vertrocknen

Hinweis: Essig hat keine sanftere Wirkung auf Lebewesen als herkömmliche chemische Mittel zur Unkrautbekämpfung. Die Wirkungsweise und die Ausbreitung von Essig macht es unmöglich, Pflanzen und Tiere in dem Lebensraum wirksam vor Schäden zu bewahren.

Pflanzenschutz hat Priorität

Die Anwendung von Essig zur Unkrautvernichtung ist auf Nichtkulturlandflächen entsprechend § 3 des Pflanzenschutzgesetzes verboten, da dieser Einsatz gegen die erforderliche „gute fachliche Praxis“ verstößt. Eine Zuwiderhandlung kann mit einem Bußgeld geahndet werden.

Wer auf die Inhaltsangaben von für den privaten Gebrauch zugelassenen Mitteln zur Unkrautvernichtung achtet, bemerkt schnell, dass diese oft auch Essigsäure enthalten. Allerdings ist die Säurekonzentration in den im Fachhandel erhältlichen Mitteln so gewählt, dass eine mögliche Schädigung des Umfeldes ausgeschlossen bzw. reduziert werden kann. Gleichermaßen gelten auch für diese Substanzen strenge Bestimmungen für den Einsatz im Garten.

Magnesiumsulfat

Magnesiumsulfat, das sogenannte Bittersalz, hat auf Pflanzen eine ähnliche Wirkungsweise wie Apfelessig. Das Gießen von Unkräutern mit einer Salzlösung trocknet die Pflanzen und den Boden aus. Das Bittersalz schädigt alle umliegenden Pflanzen sowie Kleintiere und Insekten. Magnesiumsulfat gelangt außerdem über den Boden in die Kanalisation und das Grundwasser, wo es zu weiteren Schäden führen kann. Auch der Einsatz von Bittersalz zur Unkrautbekämpfung ist auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen untersagt.

Alternativen

Wer nach umweltverträglichen Möglichkeiten zur Unkrautvernichtung sucht, sollte von solchen aggressiven Mitteln wie Apfelessig und Magnesiumsulfat Abstand nehmen.

Unkraut verbrennen

Wirksame Alternativlösungen sind:

  • Abflammgeräte
  • Heißwasser-Hochdruckreiniger
  • mechanische Entfernung

Wer kein Geld für Geräte zur Unkrautvernichtung aufwenden will, kann kochendes Wasser verwenden. Das Gießen mit kochendem Wasser führt zum Absterben des Unkrautes, ohne die Qualität des Bodens dauerhaft zu beeinträchtigen. Vor allem auf befestigten Flächen, auf denen keine schützenswerten Pflanzen wachsen, kann heißes Wasser erfolgreich eingesetzt werden. In der Nähe anderer Pflanzen oder Bäume ist auch diese Art der Unkrautbekämpfung eine Gefahr.

Tipp: Wer Giersch im Garten hat, wird diesen kaum wieder los. Nicht ärgern, sondern essen, heißt die Devise! Giersch schmeckt prima im Salat oder auf dem Frischkäsebrot. Dazu ist er sehr gesund. Auch Löwenzahnsirup oder Brennnesselsuppe sind schmackhafte Spezialitäten voller Vitalstoffe. Drehen Sie den Spieß einfach herum, machen Sie aus dem Unkraut ein Lebensmittel und freuen Sie sich über die Ernte. Probieren Sie es aus!