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Entenaufzucht/Enten selber züchten – so ziehen Sie Entenküken auf

Entenküken

Enten eignen sich perfekt für Selbstversorger. Die Tiere liefern nicht nur Fleisch und Eier, sondern sind auch relativ einfach zu halten. Kein Wunder also, dass sich Enten zu den beliebtesten Tieren von Menschen gehören, die ihre Lebensmittel gerne selbst produzieren. Natürlich kommt da schnell der Gedanke auf, den Entennachwuchs selbst zu züchten. Auch das ist kein großes Problem, wenn man ein paar grundlegende Regeln beachtet und mit System vorgeht. Die Enten werden bei der Entenaufzucht ohnehin die meiste Arbeit von alleine verrichten.

Grundlagen der Entenaufzucht

Enten sind Wasservögel. Als Vögel bringen sie ihre Jungen nicht direkt zur Welt, sondern legen Eier, in denen der Nachwuchs vom Embryo bis zum Küken heranwächst. Damit dies funktioniert müssen die Eier gewärmt werden. Dies geschieht entweder durch das Muttertier, das sich mit seinem Körper auf die Eier setzt, also brütet. Oder man gibt die Eier in einen sogenannten Brutkasten bzw. Brutschrank, in dem das Ausbrüten quasi künstlich erfolgt. Nach 28 bis 30 Tagen Brutzeit schlüpfen die Küken. Sie sind von Anfang an voll lebensfähig, kommen aber dennoch in den ersten Lebenswochen nicht alleine zurecht. Sie werden auch nicht gesäugt, sondern suchen sich ihre Nahrung selbst. Was sie für ihr Entenleben wissen müssen, lernen sie von der Mutterente bzw. vom Entenverband, zu dem sie gehören. Bei der Entenaufzucht sollte folgendes grundsätzlich beachtet werden:

  • nur Enten derselben Rasse paaren
  • nur Enten paaren, die genetisch nicht miteinander verwandt sind
  • Paarungszeit ist im Prinzip das ganze Jahr über
  • beste Paarungszeit ist von Ende Winter bis hin zum frühen Sommer
  • unbedingt auf artgerechte Lebensbedingungen achten
  • Zuchtenten für die regelmäßige Paarung auswählen
  • darauf achten, dass die Zuchtenten nicht viel Fett angesetzt haben

Der letzte Punkt ist übrigens besonders wichtig, da Enten, die bereits zu fett sind in der Regel nur unbefruchtete Eier legen und es damit natürlich zu keinem Nachwuchs kommen kann. Klar, dass „schlanke“ Enten der Fleischgewinnung im Wege stehen. Gerade deshalb aber ist es von Bedeutung, Zuchtenten zu bestimmen.

Weide und Stall

Wer als Selbstversorger Enten halten möchte, benötigt eine ausreichend große Freifläche bzw. eine umzäunte Weide für die Tiere. Die reine Käfighaltung ist gesetzlich verboten. Gleichzeitig aber ist auch ein Stall notwendig, in dem die Enten die Nacht verbringen, um vor Fressfeinden wie Marder oder Fuchs geschützt zu sein. Weide und Stall kommen natürlich auch bei der Entenaufzucht eine gewisse Bedeutung zu. Die Paarung wird in der Regel im Freien stattfinden – vorausgesetzt, die Haltungsbedingungen stimmen. Der Stall ist nötig, damit die Mutterente einen geschützten Raum hat, um ein Nest bauen zu können, Eier zu legen und sie zu bebrüten. Die Ausgestaltung von Weide und Stall bestimmen dabei ganz wesentlich die Haltungsbedingungen. Beides muss artgerecht sein, will man die Enten dazu bringen, Nachwuchs großzuziehen. Das bedeutet:

  • ausreichend große Freifläche
  • ausreichend Trinkmöglichkeiten für die Tiere
  • saubere Futterstelle
  • Möglichkeit zum Schwimmen (Teich)
  • Stall muss warm und trocken sein
  • Stall muss regelmäßig gesäubert werden

Um in aller Ruhe Eier legen und sie bebrüten zu können, sollte das Muttertier einen abgesonderten Teil des Stalls zur Verfügung gestellt bekommen. Sind die Küken geschlüpft, sollten sie die ersten beiden Wochen zusammen mit der Mutter auch im Stall insbesondere vom Erpel abgetrennt werden, da die Gefahr besteht, dass er die Kleinen tötet. Da das Immunsystem der Küken noch nicht so stabil ist wie bei den erwachsenen Tieren, spielt in den ersten beiden Lebenswochen die Hygiene eine große Rolle. Der regelmäßige Wechsel der Einstreu und das Entfernen von Kot sind zwingend erforderlich. Darüber hinaus muss auch auf eine ausreichend große Menge an Einstreu (Stroh) geachtet werden, damit es die Küken warm und kuschelig haben. Sollten die Küken schlüpfen während es draußen noch relativ kalt ist, sollte der Stall mit einer Infrarotlichtlampe als eine Art Heizung versehen sein. Wichtig ist schließlich auch, dass sie sich bei Bedarf leicht in den Stall flüchten können. Er muss also jederzeit für den Nachwuchs ohne Barrieren zugänglich sein.

Erpel und Paarungsbereitschaft

Enten werden in Gruppen gezüchtet. Unter Gruppe versteht man dabei die Kombination aus einer männlichen Ente, dem sogenannten Erpel, und mehreren weiblichen Enten. Wie viele Damen dabei auf einen Herrn kommen, hängt von der jeweiligen Rasse ab. Als Faustregel gilt, umso größer der Wuchs der Rasse, umso weniger Entenladys pro Erpel. Mit einem Verhältnis von eins zu sechs kann man in der Regel aber nichts falsch machen. Diese Zahl sollte allerdings auch nicht unterschritten werden, da es sonst zu Verletzungen bei den einzelnen Weibchen kommen kann. Der Erpel und die Weibchen dürfen nicht genetisch verwandt sein, weil das im schlimmsten Fall zu Missbildungen beim Nachwuchs führen könnte. Die Tiere selbst erkennen im Zusammenhang mit der Paarung Verwandtschaftsverhältnisse nicht. Ein Erpel würde sich also auch jederzeit mit seinen eigenen Kindern paaren. Hier ist also der Mensch gefragt, um zu sortieren. Am besten wird eine eigene Zuchtgruppe gebildet. Die einzelnen Tiere der Gruppe sollten zwischen ein und zwei Jahre alt und natürlich gesund sein.

Küken
Küken

Die Paarung ist grundsätzlich das ganze Jahr über möglich, wird aber in der Regel im Frühjahr und im Frühsommer stattfinden. Die weiblichen Tiere signalisieren dabei deutlich ihre Paarungsbereitschaft. Typische Signale sind:

  • nickende Bewegungen mit Kopf und Hals
  • vorsichtiges Beißen mit dem Schnabel in den Hals
  • lockende Bewegungen des Hinterteils
  • sich zurecht legen für die Paarung

Der Paarung erfolgt dadurch, dass der Erpel die weibliche Ente regelrecht besteigt und sie dabei zum Teil auch mit dem Schnabel festhält. Ein Erpel wird sich mehrmals am Tag paaren wollen.

Das Brüten

Entenküken entwickeln sich in Eiern. Diese müssen ausgebrütet werden. Das kann in der Entenaufzucht auf zwei Wegen geschehen. Die beste Methode ist dabei natürlich, dass das Muttertier das Brüten selbst übernimmt. Die Mutter weiß dabei genau, worauf es ankommt. In der Regel wird sie sich auch nach dem Schlüpfen sofort um den Nachwuchs kümmern, ihn mit Futter versorgen und ihn schützen. Alternativ kann man dieses natürliche Brüten freilich auch durch das Ausbrüten in einem Brutkasten ersetzen. Der Vorteil: Man hat als züchtender Selbstversorger mehr Kontrolle und einen besseren Überblick. Nachteile: Man muss in einen Brutkasten investieren und sich Fachwissen aneignen. Außerdem kann sich die Sozialisation der Küken mit dem Entenverband durchaus schwierig gestalten.

Muttertier brütet selbst

Das Muttertier wird nicht sofort mit dem Brüten beginnen. Es sammelt zunächst eine gewisse Menge an Eiern an. Vom ersten Ei bis zum vollständigen Gelege können da schon einmal zehn bis 15 Tage vergehen. In der Regel wird das Tier ein Ei pro Tag legen. Abgelegt werden die Eier dort, wo es am sichersten erscheint – meistens also im Stall. Die Ente wird sie nach Möglichkeit verstecken, um sie vor Räubern zu schützen. Ist das Muttertier zu der Überzeugung gelangt, dass genügend Eier vorhanden sind, beginnt sie mit dem Brüten. Dafür baut sie ein Nest aus Stroh, Heu und Federn. Das Nest erfüllt dabei verschiedene Aufgaben. Es:

  • sorgt dafür, dass das Gelege beisammen bleibt
  • bietet Sichtschutz gegenüber Eierräubern
  • spendet Wärme bzw. reguliert die Temperatur
  • dient als abgezirkelter Platz für das Muttertier.

Die Ente brütet dadurch, indem sie sich mit ihrem Körper auf die Eier legt. Bis zum Schlüpfen der Küken wird sie die meiste Zeit dort verbringen und das Nest nur zum Fressen und Trinken verlassen. Das Brüten erfolgt dabei durch die eigene Körpertemperatur. Das Tier ist dabei auch in der Lage, die Brüttemperatur zu variieren und sie den äußeren Gegebenheiten anzupassen – zum Beispiel dadurch, dass es sich aufplustert oder den Abstand zwischen Eiern und Körper verändert. Zwischendurch wird die Ente die Eier auch regelmäßig mit dem Schnabel umdrehen, um das Festkleben der inneren Membran an der Eierschale zu verhindern. Das alles geschieht instinktiv und funktioniert natürlich ganz ohne menschliche Hilfe. Man sollte das Muttertier auch in aller Ruhe brüten lassen. Sie dabei zu stören oder gar ins Nest fassen zu wollen, kann durchaus schmerzvoll für einen selbst sein. Die Ente wird ihr Gelege auf jeden Fall verteidigen und gegebenenfalls auch beißen. Die Brutzeit beträgt unter normalen Umständen 28 Tage, kann sich aber auch auf 30 Tage verlängern.

Brüten im Brutschrank

Ist das Muttertier nicht selbst willens, die Eier auszubrüten oder will man einfach mehr Kontrolle haben, kann das Brüten auch mit einem Brutschrank erfolgen. Passende Geräte in unterschiedlichen Größen gibt es im Agrarfachhandel. Beim Brüten im Brutschrank ist folgendes zu beachten:

  • nur möglichst frische Eier (nicht älter als 15 Tage) ausbrüten
  • die Raumtemperatur sollte 15 Grad Celsius nicht überschreiten
  • es darf im Raum weder Zugluft noch große Temperaturschwankungen geben
  • direkte Sonneneinstrahlung auf die Eier vermeiden
  • bei Motorbrütern sollte die Brüttemperatur bei 37,5 Grad Celsius liegen
  • bei Flächenbrütern sollten 38,5 Grad Celsius herrschen
  • vor allem in den ersten 14 Tagen Temperaturschwankungen im Brutschrank vermeiden
  • stets für eine hohe Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 Prozent sorgen
  • kurz vor dem Schlüpfen die Luftfeuchtigkeit auf 85 bis 90 Prozent steigern

Natürlich können sich die obigen Angaben von Brutschrank zu Brutschrank unterscheiden. Hier gilt es, die Benutzungshinweise des Herstellers genau zu studieren und sich daran zu halten. Sollte der Brutschrank keine Möglichkeit haben, die Luftfeuchtigkeit zu regulieren, stellt man einfach eine Schale mit kaltem Wasser, in dem sich ein Schwamm befindet, in das Gerät. Kurz vor dem Schlüpfen füllt man in die Schale heißes Wasser. Durch die dabei im Inneren des Kastens entstehenden Kondenstropfen werden auch die Eier benetzt, was zu einer weicheren Schale führt und damit den Küken das Aufbrechen der Schale erleichtert.

Schlüpfen und erste Lebenswoche

Nach 28 bis 30 Tagen Brutzeit werden die Küken beginnen von Innen mit ihren Schnabel die Schale der Eier aufzubrechen und anschließend schlüpfen. Das Schlüpfen eines Geleges findet in der Regel nicht gleichzeitig statt. Bis sich alle Küken aus ihren Eiern befreit haben, können durchaus mehrere Stunden vergehen. Hat das Muttertier die Eier selbst ausgebrütet, muss man sich nicht weiter um den Entennachwuchs kümmern. Die Mutter wird dafür sorgen tragen, dass es die Küken nach dem Schlüpfen warm haben und ihr nasser Flaum schnell trocknen kann. Beim Ausbrüten im Brutkasten werden die Eierschalen entfernt und die Küken zurück in den Kasten gegeben. Die Temperatur sollte dabei rund 40 Grad Celsius betragen.

Enten Küken
Enten Küken

Die Küken kommen sofort gut alleine zurecht. Allerdings benötigen sie einen gewissen Schutz. Man tut deshalb gut daran, sowohl im Stall als auch in der Freifläche bestimmte Gebiete abzugrenzen. Vor allem der Erpel neigt nämlich dazu, den Nachwuchs aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus zu töten. Wichtig ist auch, dass die Küken in der ersten Lebenswoche keinen Zugang zum Teich oder zu Wasserschalen haben, die besonders tief sind. Zwar können sie theoretisch bereits schwimmen, jedoch besteht die große Gefahr, dass sich ihr Flaum mit Wasser vollsaugt, sie aufgrund des Gewichts untergehen und dann ertrinken. Die spezielle, wasserabweisende Schutzschicht im Gefieder der Enten bildet sich erst nach etwa einer Woche aus.

Die Küken können im Prinzip alles fressen, was die erwachsenen Tiere auch vertilgen. Eine spezielle „Babynahrung“ ist nicht notwendig. Allerdings sollte man darauf achten, dass insbesondere die Körner, die man unter Umständen füttert, relativ klein sind. Hier kann es durchaus Sinn machen Kükenfutter aus dem Agrarfachhandel zu kaufen. Dabei handelt es sich um Fertigmischungen, die genau die richtige Größe haben und zusätzliche Nährstoffe enthalten, um das Wachstum des Nachwuchses zu fördern.

Enten züchten – Verantwortung ist gefragt

Enten selbst zu züchten und so regelmäßig für Nachwuchs zu sorgen ist also alles andere als kompliziert. Es verlangt aber ein gewisses Maß an Verantwortung. Man sollte sich deshalb schon vorab Gedanken darüber machen, wie viele Küken bzw. Enten man eigentlich haben möchte. Aus einer Zuchtgruppe, die aus einem Erpel und sechs weiblichen Enten besteht, können innerhalb eines Jahres ganz schnell 100 Enten werden. Klar, dass diese nicht nur ernährt werden müssen, sondern auch ausreichend Platz benötigen. Im Zweifelsfall gilt es hier auf jeden Fall zu regulieren, in dem man die gelegten Eier entfernt, bevor die Muttertiere mit dem Brüten beginnen. Grundsätzlich sollte jeder Entenhalter vor dem Züchten folgende Fragen klären:

  • Wie viel Nachwuchs möchte ich haben?
  • Reicht der vorhandene Platz auch noch, wenn es deutlich mehr Nachwuchs als gedacht gibt?
  • Lassen sich bestimmte Bereiche auf der Freifläche und im Stall abtrennen?
  • Will ich nur für den Eigenbedarf züchten oder Küken eventuell auch verkaufen?
  • Habe ich Abnehmer für Küken bzw. weiß ich, wo ich welche finde?
  • Kann ich den Aufwand, den das Brüten im Brutkasten erfordert, bewältigen?

Wie gesagt: Entenaufzucht bedeutet wie allgemein die Haltung von Tieren jede Menge Verantwortung. In diesem Zusammenhang der Natur einfach nur ihren Lauf zu lassen ist da meist keine gute Idee.