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Champignons anbauen | Standort- und Pflegeansprüche

Champignons Wiese

Pilze im Wald zu sammeln ist mit einem hohen Risiko verbunden, essbare Arten mit giftigen Doppelgängern zu verwechseln. Insbesondere der Champignon ist nicht immer einfach zu identifizieren. Wer den schmackhaften Agaricus jedoch im Garten kultiviert, kann sich seiner Verträglichkeit sicher sein. Für einen brauchbaren Ernteertrag spielt beim Anbauen natürlich die Pflege eine wichtige Rolle.

Sortenwahl

Der Champignon, auch als Egerling bekannt, gehört zu den beliebtesten Speisepilzen. Auf Wiesen und Wäldern erscheint er in rund 600 verschiedenen Sorten. Allerdings sind längst nicht alle Arten essbar. Zudem spricht zum einen die hohe Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Knollenblätterpilz und zum anderen die Eigenschaft, Schwermetalle und radioaktive Stoffe aus der Luft zu binden, gegen das Sammeln von Waldpilzen.

Vollkommen unbedenklich ist dagegen der Anbau des Agaricus bisporus, dem weißen Champignon. Bei dem weißen zweisporigen Egerling handelt es sich um die reine Art. Ebenso bekannt ist sein brauner Verwandter, Agaricus bisporus var. hortensis, der allerdings aus einer Kreuzung hervorgeht und deshalb eine Unterart bildet. Wer sich ein kräftiges Aroma wünscht, sollte bevorzugt letztere Art anbauen.

Champignonkultur anlegen

Das Tolle am Anbauen von Champignons ist die Platzersparnis im Vergleich zu anderen essbaren Gewächsen. Eine Kultur passt in jede Fensterbank oder auf den Balkon. Champignons sind abgesehen von den Temperatur- und Lichtverhältnissen am Standort ausgesprochen anspruchslos.

Zudem gelingt die Anzucht auch unerfahrenen Gärtnern. Ein Erntegewinn ist ziemlich sicher. Darüber hinaus kann die Aufzucht unabhängig der Jahreszeiten erfolgen. Die beste Zeit, um eine Kultur anzulegen ist der Frühling oder der Herbst. Im Winter benötigen Champignons einen frostfreien Standort, beispielsweise ein warmes Gewächshaus im Keller.

Benötigtes Zubehör für die Anzucht

  • Champignon-Fertigkultur
  • abdeckbare Anzuchtschale (alternativ eine Holzkiste)
  • Substrat
  • Sprühflasche mit Gießwasser

Wer sich zum ersten Mal ans Anbauen von Champignons wagt, sollte auf eine Fertigkultur zurückgreifen. Diese erhält der Züchter in jedem gut sortierten Fachhandel. Der Hersteller hat die Pilzmyzeln bereits in eine keimfähige Unterlage eingearbeitet. Neben den oben genannten Werkzeugen sind keine weiteren Materialien erforderlich, da einer vorgefertigten Packung auch das Anzuchtsubstrat bereits beiliegt.

Champignons zwei

Wer nicht über eine spezielle Anzuchtschale verfügt, kann sich alternativ mit einer herkömmlichen Holzkiste behelfen. Diese kleidet der Züchter mit Folie aus. Ebenso deckt er die eingepflanzte Pilzkultur am Ende mit einer durchsichtigen Folie ab.

Hinweis: Eine Fertigkultur bringt im Durchschnitt vier Monate lang Ernteerträge, ehe der Boden ausgelaugt ist.

Pilzbrut vorbereiten

  • fertige Unterlage in der Anzuchtschale ausbreiten
  • Anzuchterde mit den Fingern zerbröseln
  • dünn über die Unterlage streuen
  • mit der Sprühflasche befeuchten
  • Deckel aufsetzen
  • an einem mäßig warmen Ort (15 bis 20°C) lagern
  • Deckel entfernen, sobald die ersten Champignons sprießen

Hinweis: Auf keinen Fall darf der Züchter die heranwachsenden Champignons zu warm lagern. Bei Temperaturen über 22°C sterben die hitzeempfindlichen Egerlinge ab.

Substrat impfen

Wer schon etwas geübter ist, kann seine Anzuchterde auch selber impfen. Dabei pflanzt der Züchter die Pilzbrut in abgestorbenes Material wie zum Beispiel

  • Strohmehl
  • Sägespäne
  • oder mit Mist angereicherter Kompost
  • am häufigsten verwenden Züchter Körner-Brut aus Getreide

Jedoch ist das Untermischen der Pilzfäden ziemlich anspruchsvoll. Das Impfen erfolgt am besten im Frühjahr oder Herbst. Letztere Jahreszeit erfordert allerdings einen recht frühen Termin, da insbesondere Kulturen im Freiland keinen Frost bekommen dürfen. Spätestens im September sollte der Züchter die Vorbereitungen abgeschlossen haben. Damit nicht schon vorab Keime an die Pilzmyzeln geraten, empfehlen sich Handschuhe und ein steriler Arbeitsplatz.

Tipp: Um Platz zu sparen, lassen sich mehrere Holzkisten sogar übereinanderstapeln, solange der Züchter die Pilzkultur trotzdem noch bewässern kann.

Standort

Champignons Erde

Ob draußen im Freiland oder in geschlossenen Räumen, Champignons stellen beim Anbau kaum Ansprüche an den Standort und gedeihen nahezu überall. Ein Komposthaufen bietet den Egerlingen beste Voraussetzungen und erfordert keine zusätzlichen Vorbereitungen. Wer keinen Garten besitzt, wählt am besten einen kühlen Keller.

Im Gegensatz zu anderen Nutzpflanzen keimt Agaricus auch im Dunkeln. Pilze bilden kein Chlorophyll. Dies ist bereits an der braunen, grauen oder weißen Farbe des Fruchtkörpers zu erkennen. Grüne Pilze kommen in der Natur nicht vor. Generell bevorzugen die Eukaryoten, die übrigens biologisch nicht zu den Pflanzen gehören und auch kein Gemüse darstellen, einen schattigen Standort.

Während der Keimphase ist es dringend notwendig, das Substrat mit einer Folie abzudecken. Diese sorgt für eine hohe Luftfeuchtigkeit und schützt die Erde vor dem Austrocknen. Trotzdem sollte der Züchter sein Mini-Gewächshaus regelmäßig auf Schimmelbildung kontrollieren. Erscheinen die Fruchtkörper an der Oberfläche, benötigen die Egerlinge hingegen frische Luft.

Substrat

Da Pilze sich von Biomasse ernähren, existieren zahlreiche Substanzen, die sich als Anzuchtsubstrat eignen. Champignons benötigen kaum Nährstoffe. Allerdings sollte die Erde stickstoffreich sein. Grundvoraussetzung ist überdies, dass der Züchter sie ständig feucht hält. Dabei ist es wichtig, dass er das Substrat lediglich mit einer Sprühflasche bewässert, niemals aber zu einer herkömmlichen Gießkanne greift. Der hohe Wasserfluss würde die Anzuchterde fluten, woraufhin die Pilzmyzeln zu faulen beginnen.

Hinweis: Wie hoch der Ernteertrag der selbst gezogenen Champignonkultur ausfällt, hängt von der Größe der Anzuchtschale ab. In einem großflächigen Substrat gedeihen mehr Fruchtkörper. Ein kleines Gewächs bringt hingegen einen schnelleren Ertrag, da die Pilzbrut die Erde schneller durchwurzelt.

Luftzusammensetzung

Die Ansprüche an die Luftzusammensetzung wechselt nach dem Erscheinen der Fruchtkörper. Zunächst benötigen die Pilzmyzeln einen hohen CO2 Gehalt, um zu keimen. Diese Voraussetzung finden sie in normaler Humuserde. Später ist ein ausgeglichenes Verhältnis mit Sauerstoff wichtig. Dafür sollte der Züchter die Folie seines Gewächshauses entfernen.

Champignons ernten

Bei artgerechter Pflege ist es sogar möglich, Champignons außerhalb der Saison zu ernten. Die genaue Zeit hängt von der Sorte ab. Grundsätzlich kann der Züchter mit einem halben Jahr nach Anlegen der Fertigkultur rechnen. Zum Schneiden benutzt er am besten ein scharfes Messer. Es empfiehlt sich, Agaricus im Ganzen zu ernten, damit offene Schnittstellen keinen Zugang für Schädlinge bieten. Kleinen Fruchtkörpern sollte der Züchter jedoch noch etwas Zeit geben, sich zu entwickeln. Diese kann er problemlos stehen lassen.

Tipp: Wenn sich der Hut des Fruchtkörpers langsam nach oben wölbt, besitzt der Champignon am meisten Aroma. Zu lange sollte der Züchter mit der Ernte jedoch nicht warten.

Lagerung

Sowohl Champignons aus dem Freiland-Anbau als auch jene aus dem Keller sind nach dem Ernten nur für kurze Zeit haltbar. In einem Geschirr- oder Papiertuch eingewickelt bleiben sie im Kühlschrank rund fünf Tage frisch. Dabei dürfen sie aber auf keinen Fall mit Feuchtigkeit in Berührung kommen. Auch Kunststoffbehälter eignen sich nicht für die Aufbewahrung. Können Champignons nicht atmen, verderben sie frühzeitig.

Champignons braun

Tipps zur Verarbeitung

Agaricus gehört zu den wenigen Speisepilzen, die sich zum Rohverzehr eignen. In frischen Salaten schmeckt er besonders gut. Aufgrund der kurzen Haltbarkeit, empfiehlt es sich jedoch, die selbst gezogenen Pilze zu konservieren. Dafür stehen dem Züchter viele Möglichkeiten zur Auswahl:

  • in Essig oder Öl einlegen
  • im Dörrer oder Backofen trocknen
  • einfrieren

Selbstverständlich schmeichelt der kulinarische Allrounder auch Nudelgerichten, Aufläufen oder deftigen Herbsteintöpfen. Zuvor sollte der Züchter die Fruchtkörper jedoch gut reinigen und putzen. Leichter Schmutz lässt sich problemlos mit einem Pinsel entfernen. Gröbere Verunreinigungen verschwinden mit einem Küchenpapier.

Tipp: Obwohl Champignons nur wenige Kalorien besitzen, enthalten sie zahlreiche wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente.