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Grundlagen der Bienenhaltung – der Weg vom Interessenten zum Selbstversorger

Bienenhaltung - Bienenstock
Die Bienenzucht wird seit Jahrtausenden praktiziert und gilt dennoch vielen Menschen bis heute als Mysterium. Dabei ist der Einstieg in die Bienenhaltung mit den richtigen Tipps und Hilfestellungen vergleichsweise einfach. Gerade, wer Bienenvölker für den Eigenbedarf halten möchte, ist bereits mit wenigen wegweisenden Grundlagen bereit für den Einstieg in die praktische Arbeit.

Die Gründe, warum sich Menschen für die Bienenhaltung entscheiden, mögen unterschiedlich sein. Eine Person hat Freude daran, dem Bienenvolk beim Wachsen und Gedeihen zuzuschauen, eine andere Person sucht den Einklang mit der Natur und eine Dritte möchte schlicht Honig mit der Gewissheit über Herkunft und Gewinnung erhalten. Meist wird es eine Mischung mehrerer dieser Gründe sein. Unabhängig von der Motivation, gilt es, ein oder mehrere Bienenvölker nicht nur zu etablieren, sondern auch in seiner dauerhaften Entwicklung zu begleiten und zu lenken. Damit das gelingt, sind sowohl materielle als auch fachliche Voraussetzungen nahezu unverzichtbar.

Die Voraussetzungen für einen Gelungenen Start

Damit der Einstieg in die Bienenhaltung möglichst gut gelingt, kommt es auf die richtigen Rahmenbedingungen an. Zuallererst gehört dazu vor der ersten echten Biene eine gewisse Ausstattung zur Unterbringung und zur Betreuung des Bienenvolkes. Weit wichtiger für die Bienenhaltung aber noch sind die nötigen Kenntnisse über den Umgang mit der Ausstattung und den Bienen selbst. Zwar vermittelt eine Vielzahl an Fachliteratur Wissen auf hohem Niveau. Für den Einstieg empfiehlt es sich allerdings, sich bei den ersten praktischen Schritten begleiten zu lassen. Denn der Schritt von theoretischem Wissen zu praktischen Fähigkeiten ist mitunter nicht zu vernachlässigen. Eine gute Möglichkeit bieten Kurse für Imkereiinteressierte, bei denen die Basisfertigkeiten gezielt vermittelt werden. Aber auch der Kontakt zu einem Imker, der in der Funktion eines Paten unterstützt und berät, kann zielführend sein.

Die Hardware

– unerlässlich bis komfortabel –

Wie zu jedem Handwerk, gehört auch zur Bienenhaltung ein gewisses Repertoire an Ausstattung. Für den Einstieg sind die folgenden Dinge unerlässlich, oder zumindest sehr hilfreich:

Beuten

Als Beuten bezeichnet der Imker die Gehäuse, in denen die Bienenvölker untergebracht werden. Etabliert sind heute so genannte Magazinbeuten, in die Holzrahmen mit Waben magazinartig in dichter Besetzung eingeschoben werden. Einfach aufeinandergesetzt, lassen sich so baukastenartig vollwertige Behausungen für die Bienenvölker erstellen. Wichtig ist schließlich die Vorhaltung einer Ein- und Ausflugöffnung mit einem geeigneten Startbrett als Abflugstelle der Arbeiterbienen. Als oberer Abschluss dient ein Deckel, der zur Kontrolle, sowie zur Arbeit am Bienenvolk einfach abgenommen werden kann.

Rahmen und Mittelwände

In die Beuten eingesetzt werden Holzrahmen, über die später der in die Waben eingelagerte Honig einfach entnommen werden kann. Ausgestattet werden diese Rahmen üblicherweise mit vorgefertigten und im Handel erhältlichen Mittelwänden aus Wachs. Diese Mittelwände bilden als Grundlage der späteren Bienenwaben eine Ebene, auf der die Bienen mit ihrer Arbeit der Wabenbildung beginnen können.

Werkzeug

  • Stockmeißel, vielseitiges Werkzeug zur Arbeit mit den Rahmen
  • Wabenheber, hilfreich bei der Entnahme der Waben
  • Abkehrbesen, zur Entfernung der Tiere von der Wabe.
  • Stockwaage, zur Feststellung von Veränderungen am Bienenvolk durch Gewichtskontrolle
  • Entdeckelungsmesser, zur Entfernung der Wabendeckel.
Imker - Bienen - Smoker
Imker – Bienen – Smoker

sonstige Hilfsmittel für die Bienenhaltung

  • Absperrgitter, zur Fernhaltung der Königin aus der Honigkammer
  • Smoker, zur Beruhigung der Bienen durch Rauch
  • Refraktometer, zur Bestimmung des Wassergehalts im Honig.
  • Honigschleuder: zur Trennung des Honigs von den Waben
  • Futtereimer, zur gezielten Nachfüttern nach der Honigentnahme
  • Aufbewahrungsgefäße, für die Lagerung des gewonnenen Honigs

Soda

Wie immer beim Umgang mit Lebewesen und auch Lebensmitteln nimmt das Thema Hygiene einen hohen Stellenwert beim Umgang mit Bienen ein. Denn mangelnde Hygiene kann zu Infektionen der Bienen, sowie zum Verderben des Honigs führen. Ein weit verbreitetes Mittel zur Reinigung von Beute, Rahmen und Werkzeug ist Soda.

Tipp: In der ersten Phase des Ausprobierens und Herantastens muss nicht zwingend die gesamte Ausstattung bereits käuflich erworben werden. Hier lohnt der Kontakt zu einem etablierten Imker, der möglicherweise mit dem einen oder anderen Utensil aushelfen kann, bis die finale Entscheidung zur Bienenzucht gefallen ist. Darüber hinaus kann er an Hand seiner Erfahrung bei der Auswahl der richtigen Artikel beraten und unterstützen.

Die Bewohner

– kein Erfolg ohne Biene –

Die Bienenhaltung beginnt nicht mit einer einzelnen Biene. Stattdessen gelingt der vergleichsweise einfache Einstieg über den Erwerb eines Bienenvolks, das man im Folgenden pflegt und betreut. Ein Bienenvolk lässt sich heute recht einfach über Online-Shops beziehen. Sicherer ist dagegen der Gang zum Imker. Dort lässt sich die Qualität der Bienen und Völker mit eigenem Auge ergründen. Auch, wenn der Laie oder Einsteiger diese Dinge zunächst kaum beurteilen kann, gibt der allgemeine Zustand der gesamten Bienenzucht einen guten Überblick über den Anspruch und die Sorgfalt des Züchters.

Die Bienenart

Auch bei den Bienen gibt es eine Vielzahl an Arten, die sich in Optik, Verhalten und Honigertrag teils deutlich unterscheiden. Eine bei vielen Züchtern beliebte Bienenart ist die so genannte Buckfast Biene. Sie entstand durch die Kreuzung unterschiedlicher Zuchtbienen und zeichnet sich durch eine hohe Schwarmträgheit, sowie einen überdurchschnittlich hohen Ertrag aus. Alle Zuchtbienenarten lassen sich auf neun ursprüngliche, im eigentlichen biologischen Sinn als echte „Arten“ zu bezeichnende Bienenarten zurückführen:

  • Kliffhonigbiene
  • Riesenhonigbiene
  • Westliche Honigbiene
  • Asiatische Rote Honigbiene oder Rote Honigbiene
  • Apis nigrocincta
  • Asiatische Bergbiene
  • Östliche Honigbiene / Asiatische Honigbiene
  • Zwerghonigbiene
  • Zwergbuschbiene oder Buschhonigbiene

Die Fütterung

Grundsätzlich sind Bienenvölker autark lebensfähig und beherrschen alle zum Fortbestand des Volkes wichtigen Tätigkeiten ohne Zutun des Menschen. Gestört wird dieses Verhalten durch den menschlichen Eingriff in Form der Honiggewinnung. Entzieht der Imker seinen Bienen durch die Entnahme des Honigs das eigentlich für den Winter eingelagerte Futter, ist das Volk fortan schließlich auf die externe Fütterung durch den Imker angewiesen. Dies erfolgt im Regelfall über den Futtereimer durch ein Angebot an Zuckerlösung. Der Zucker ersetzt den entnommenen Honig und bildet indes die Grundlage für das Überleben des Volks im Winter.

Der Erfolg

– Honiggewinnung für Einsteiger –

Wer ein oder mehrere Bienenvölker sein eigen nennt, möchte Honig gewinnen. Die Ernte des Honigs erfolgt nach Ende der Tracht, also dann, wenn die Nahrungsgrundlage verschwunden ist. Je nachdem, ob als Nahrungsgrundlage Blüten, Pollen oder Honigtau vorhanden sind, erzeugen die Bienen daraus einen anderen Honig, der zu einem anderen Zeitpunkt geerntet werden muss. Bekannteste Beispiele sind Blütenhonig und die verschiedenen Waldhonigsorten, wie etwa Tannenhonig.

Honigwaben öffnen
Honigwaben öffnen

Grundvoraussetzung für die Honigernte ist ein ausreichend niedriger Wassergehalt des Honigs. Dieser wird durch verschiedene Umweltfaktoren, wie das Wetter, beeinflusst und kann vor der Ernte mit dem Refraktometer bestimmt werden. Die Honigwaben werden dem Bienenstock entnommen, entdeckelt und in der Honigschleuder geschleudert. Das Wachs der nun leeren Honigwaben kann eingeschmolzen und für neue Mittelwände eingesetzt werden.

Tipp: Das Wachs der Honigwaben kann übrigens bei zahlreichen Händlern gegen neue Mittelwände eingetauscht werden. So entfällt der Aufwand für deren Herstellung und das Wachs der leeren Waben ist nicht vergeudet.

Wissenswertes im Umgang mit Bienen

Auch wenn der Neuling in Sachen Bienenhaltung die meisten Dinge erst im Laufe seines Imkerlebens erlernen kann, sollte er jedoch einige wichtige Aspekte zumindest einmal den Grundzügen nach gehört haben, um dann, wenn sie wichtig werden, nicht völlig unbedarft zu sein.

Häufige Krankheiten

Wie alle anderen Lebewesen auch, werden auch Bienen von Krankheiten befallen. Da sie im Volk in großer Zahl auf engstem Raum zusammen leben, erfolgt die Übertragung, ist die erste Biene einmal infiziert, meist in rasender Geschwindigkeit. Daher nehmen die frühzeitige Erkennung, sowie die Verhinderung der verbreitetsten Krankheiten einen großen Stellenwert ein.

Die amerikanische Faulbrut

Die amerikanische Faulbrut ist die aggressivere von zwei Formen dieser bakteriellen Erkrankung. Sie befällt die Brut in bereits verschlossenen Waben im so genannten Streckmaden-Stadium. Ihr Gewebe degeneriert zu einer schleimigen, wässrigen Substanz und die Maden sterben indes ab. Die Krankheit ist in Deutschland anzeigepflichtig. Bekämpft wird die Faulbrut durch die Entfernung und Vernichtung betroffener Brutwaben sowie die Desinfektion der Beuten. Früher wurden sogar alle Völker eines Standes vollständig vernichtet.

Die Varroose

Varroamilben
Varroamilben

Als Varroose wird der Befall der Bienenbrut mit der Varroamilbe bezeichnet. Die Milbe schädigt die befallene Biene auf verschiedenem Weg. Einerseits durch Schwächung des Tieren und andererseits durch eine Entwicklungshemmung. Eine befallene Biene ist meist bis zu 10% kleiner, als gesunde Artgenossen. Darüber hinaus überträgt der Parasit aber auch zahlreiche Krankheitserreger. Die Varroamilbe gilt als Hauptauslöser des Bienensterbens und als weltweit bedeutendste „Krankheit“. Dennoch ist sie in Deutschland nicht anzeigepflichtig. Bekämpft wird sie in erster Linie durch den Einsatz von Oxalsäure.

Die Positionierung der Bienenstöcke

Die Platzierung eines Bienenstocks ist ausschlaggebend für das Nahrungsangebot und damit die Honigausbeute. Ideal ist die Positionierung in Gebieten hoher Tracht. Ideal sind beispielsweise Wildblumenwiesen oder Felder mit blühenden Pflanzen, aber auch Wälder mit entsprechendem Angebot. Stimmen diese Grundlagen, sind die Hauptvoraussetzungen für eine reiche Ernte gegeben. Darüber hinaus sollten Sie aber auch weitere Faktoren berücksichtigen. Auch wenn meist mehrere Völker eines Imkers in enger räumlicher Nähe platziert werden, erhöht die Räumliche Nähe die Wahrscheinlichkeit von Räuberei, sowie der Übertragung von Krankheiten von Volk zu Volk.

Das Schwärmen

Gerade Einsteiger haben meist großen Respekt vor dem Schwärmen. Dabei stellt es als natürlicher Bestandteil der Fortpflanzung einen wichtigen Bestandteil im Überleben der Biene dar. Meist alle ein bis zwei Jahre schwärmt ein Bienenvolk aus. Das bedeutet, die alte Königin verlässt den Schwarm und nimmt einen Teil der „Bevölkerung“ mit sich. Im Bienenstock werden dagegen neue Königinnen erzeugt, um das Überleben des zurückbleibenden Schwarms sicherzustellen. Gerade, wenn man als Neu-Imker die Ankündigung des ersten Schwärmens feststellt, lohnt der Kontakt zu erfahrenen Kollegen, um überlegt und zielgerichtet die richtigen Schritte zu unternehmen. Gelingt das Einfangen des Schwarms, ist man ab sofort um ein Bienenvolk reicher.

Fazit

– Schritt für Schritt zum Selbstversorger –

Ob gewerbliche Honigproduktion oder Ernte für den eigenen Bedarf, hinter der Bienenhaltung verbirgt sich ein hoher Aufwand, der zuletzt aber lohnt. Gerade, wenn man dieser anspruchsvollen wie erfüllenden Tätigkeit zur Selbstversorgung nachgeht, lohnt es aber, die Ruhe zu bewahren und gegebenenfalls kleinere Rückschläge als Lerneffekt in Kauf zu nehmen. Denn zu Beginn sind die Vielzahl der zu erlernenden Tätigkeiten und Hintergründe ohnehin so fordernd, dass zusätzliche Maßnahmen für noch mehr Ertrag und noch üppigeres Wachstum meist nur zusätzlichen Aufwand bedeuten, die aber letztendlich schnell vom Kern der Imkerei an sich ablenken.