Paprika überwintern in 6 Schritten | Mehrjährige Paprikapflanzen

Paprika grün rot

Die Paprika gilt im Allgemeinen als einjährige Pflanze. In jeder Saison aufs Neue machen sich Hobbygärtner und Selbstversorger an die Aufzucht der vielseitigen Gemüsepflanzen. Dabei lässt sie sich in der Tat mehrjährig verwenden. Wir erklären Schritt für Schritt, wie das Überwintern der Paprika gelingt.

Warum Paprika überwintern?

Um die wichtigen Aspekte beim Überwintern von Paprika verstehen zu können, sollte zunächst kurz die Frage nach dem Warum beantwortet werden. Ziel bei der Überwinterung von Paprika ist es, die Zeitspanne für Anzucht und Aufwachsen vom Samen zur Jungpflanze zu vermeiden. Durch den mehrjährig erfolgenden Anbau kann Capsicum im zweiten Jahr sofort mit der Bildung fruchttragender Triebe beginnen und Zeit und Energie für den Aufbau einer Wurzelapparates und grundlegendes Größenwachstum einsparen.

Hierdurch unterscheidet sich die Überwinterung dieser Nutzpflanze stark von beispielsweise Zierpflanzen, die für die Herstellung der Überwinterungsfähigkeit extrem bis vollständig zurückgeschnitten werden und im Folgejahr komplett neu austreiben.

Schritt für Schritt durch den Winter

Sie haben sich also entschieden, Ihre Paprikapflanzen auch im nächsten Jahr zu einigem Ertrag zu bringen. Nun gilt es, Ihre Lieblinge für den Winter fit zu machen. So gehen Sie Schritt für Schritt vor:

1. Kontrolle auf Krankheiten und Schädlinge

Die geschützte Umgebung des Winterquartiers ist nicht nur für die Paprika von Vorteil, sondern begünstigt auch vorhandene Parasiten und Krankheitserreger. Diese können sich explosionsartig vermehren und der Pflanze zu Leibe rücken. Eine genaue Kontrolle vor dem Einwintern sollte daher erfolgen. Folgende Anzeichen sind dabei besonders aufschlussreich:

  • Vorhandensein von Blattläusen, Spinnmilben oder deren Gespinsten
  • Veränderungen an Stielen und Blättern, die auf Parasitenbefall oder Krankheiten schließen lassen, z.B. Verwelken, braune Stellen, Rost etc.
  • Hinterlassenschaften von Parasiten, wie etwa leere Gespinste oder Kokons, Ausscheidungen etc.

Bekämpfung

Je nach erkanntem Befall sollte dieser vor der Umsiedelung in das Winterquartier vollständig und besonders gründlich bekämpft werden. Welche Variante, also Pestizide, Entfernen befallener Triebe oder auch der Einsatz gängiger Hausmittel, dabei gewählt wird, hängt vom konkreten Befall ab.

HINWEIS: Bei der Schädlings- oder Krankheitsbekämpfung sollten schnell wirksame Mittel zum Einsatz kommen. Langsam wirkende oder mehrfach anzuwendende Mittel führen entweder zu einer unvollständigen Bekämpfung vor der Einwinterung, oder zu einem zu frühzeitigen Beginn der Maßnahme. Dann können sich während der Bekämpfung weitere Erreger anderer Art ansiedeln und sich bis zum Umzug der Paprika ausbreiten.

2. Zeitpunkt

Wechselt die Pflanze zu früh in das Winterquartier, findet sie dort möglicherweise zu vorteilhafte Bedingungen vor und beginnt im Herbst nochmals mit intensivem, den Überwinterungschancen abträglichem Wachstum. Zu spät umgesiedelt, wird Capsicum dagegen unter den einsetzenden Frösten leiden und so ebenfalls geschwächt in die Winterpause starten. Ideal ist der Umzug, sobald die ersten Nachtfröste zu erwarten sind, also meist im Zeitraum zwischen Mitte bis Ende Oktober und Mitte November.

3. Standortwahl

Die optimale Grundlage, um Paprika zu überwintern, bildet ein Standort mit folgenden Eigenschaften:

  • Hell, aber ohne intensive Besonnung
  • Temperaturen um die 10 Grad Celsius
  • Trocken, um Fäulnis durch Tauwasserausfall zu vermeiden
  • Gut belüftet gegen Schwitzwasser und resultierende Folgeschäden

Gängige Standorte sind daher beispielsweise der Wintergarten, oder der nicht südlich ausgerichtete und unbeheizte Flur.

4. Versorgung der Paprika

Obwohl die Pflanze im Winterquartier in eine Art Winterruhe verfällt, kommt sie auf Grund des begrenzten Wasser- und Nährstoffreservoirs in Pflanzschale oder Topf nicht gänzlich ohne Versorgung aus. Bewässerung und Düngergaben können im Allgemeinen wie im Freiland während des Sommers erfolgen. Allerdings sollten die Gaben deutlich reduziert werden. Die tatsächliche Häufigkeit gestaltet sich dabei nach Standort und Topfgröße. Üblicherweise reicht die Düngerversorgung ein- bis zweimal während des Winters, während sich der Wasserbedarf nach der Austrocknung des Bodens ergibt.

Mini-Paprika

5. Frühjahrsvorbereitungen

Vor dem tatsächlichen Umzug ins Freiland oder ins Gewächshaus, sollte die Paprikapflanze auf den Saisonstart vorbereitet werden:

  • Umtopfen in größeres Pflanzgefäß
  • Verabreichung von Langzeitdünger als Reservoir für die ersten Wachstumswochen (z.B. mit Tomatendünger)
  • Gießintervalle an Sommerbetrieb anpassen
  • Standort vor dem Gang ins Freiland an wärmeren Ort verlagern, um Schock durch Umzug zu verringern und Wachstum anzuregen
  • Geringen, wachstumsfördernden Schnitt durchführen

6. Der Start in die neue Freilandsaison

Sobald Nachtfröste der Vergangenheit angehören, kann die Paprikapflanze dann wieder in den Garten umziehen. Meist ist das der Fall nach den Eisheiligen.

Paprika während der Winterzeit ernten

Immer wieder kann es vorkommen, dass Paprikapflanzen während der Winterpause sogar einzelne Früchte hervorbringen. Das ist immer dann der Fall, wenn das Angebot an Nährstoffen, Wasser und Licht sehr hoch und mit dem des Sommers vergleichbar ist.

Neben der „aus Versehen“ geschehenden Optimalversorgung kann es auch gewollt sein, während des Winters Früchte zu ernten. In diesen Fällen bietet sich ein heller, teilweise besonnter Standort mit höheren Temperaturen an, etwa in der Küche oder einem Wohnraum. Zugleich müssen Wasser und Nährstoffe regelmäßig und den sommerlichen Intervallen angepasst verabreicht werden.