Lein, Flachs

Die traditionelle Kulturpflanze Leinsamen – gesund für Mensch und Tier

Leinsamen besitzen einen sehr hohen Ölanteil und dienen unter anderem als Viehfutter. Die Samen werden ganz verfüttert oder vorab geschrotet.


Nicht nur für Tiere ist Leinsamen gut geeignet. Sie sind auch gesund für Menschen.

Den Magen schonend, die Verdauung fördernd und als Abführmittel dienend – dies sind die hervorstechenden Eigenschaften des Leinsamens.

Aber Vorsicht:
Nicht in großen Mengen einnehmen, denn in den Samen bildet sich giftige Blausäure. Insbesondere bei Kindern und kranken Menschen aufpassen mit der Dosierung.


Aus Leinsamen wird Öl gewonnen. Der Ölgehalt liegt zwischen 30 und 45 Prozent und ist abhängig von Sorte und Reifegrad des Samens. Der Faserlein enthält weitaus weniger Öl, da er vor der Vollreife zu ernten ist.

Das Leinöl gilt als besonders gesundheitsfördernd und ist beispielsweise eine wichtige Zutat für das Spreewälder Gericht Pellkartoffeln mit Quark. Vielfach wird Leinöl als nicht besonders schmackhaft bezeichnet, andererseits verfeinert es jedoch viele Gerichte. Außerdem lässt sich aus Leinöl Farbe, Seife oder Druckerschwärze herstellen.

Leinsamen sind vier bis fünf Millimeter lang und zwei bis drei Millimeter breit. Die Form ist eiförmig. Die Farbe reicht von hellgelb bis dunkelbraun und die Oberfläche ist immer glänzend und glatt. Die Schale des Leinsamens ist dünn und spröde. Die Epidermis bildet den charakteristischen Schleim, der sich bildet, wenn Leinsamen in Wasser gelegt oder aufgekocht wird.

Flachs – älteste bekannte Kulturpflanze, auch als Lein bezeichnet

Flachs (lat. Linum usitatissimum) Flachs (lat. Linum usitatissimum)

Die Flachspflanze, häufig auch als Lein bezeichnet, ist eine sehr alte Kultur-
pflanze. Eine der ältesten überhaupt.
Ihre Anwendung ist seit der Jungsteinzeit belegt. Flachs ist die Pflanze, die angeblich am längsten von allen Pflanzen zur Herstellung von Kleidung Verwendung findet.

Flachs wird in den gemäßigten Breiten Europas bis hin zum östlichen Mittel-
meergebiet angebaut. Zu hohe Tempera-
turen und häufige Niederschläge wirken sich jedoch negativ auf die Faser- und Samenproduktion aus.

Die Pflanzen können eine Höhe zwischen 30 und 120 Zentimetern erreichen. Sie besitzen flache Pfahlwurzeln. Die höheren Sorten dienen der Fasergewinnung. Denn in den Stängeln sind genau die Fasern zu finden, die zur Herstellung des Leinenstoffes benötigt werden. Andere Sorten besitzen einen hohen Ölgehalt und werden zur Ölgewinnung angebaut.

Die Blätter des Leins sind wechselständig und schmal. Die Blüten bestehen aus fünf Kelchblättern, zehn Staubblättern und fünf Kronblättern. Die Samen befinden sich in den doppelkammerigen Fruchtblättern. Die Blüten sind dunkel- bis blassbläulich.

Lein stellt keine besonderen Anforderungen an den Boden. Nur Feuchtigkeit oder gar Staunässe mag er nicht. Allerdings benötigt Faserlein etwas mehr Feuchtigkeit als Öllein. Damit die Fasern wachsen und sich Blüten herausbilden können, müssen die so genannten Langtagbedingungen stimmen. Diese Phase des Wachstums liegt im Mai und Juni.

Flachs niemals in zu kurzen Abständen auf derselben Fläche anbauen. Ein Abstand von mindestens fünf bis sechs Jahren in der Fruchtfolge ist empfehlenswert. Bei zu kurzer Fruchtfolge bilden sich Pilze im Boden, die die Jungpflanzen befallen.

Ausgesät wird Flachs Ende März oder Anfang April. Keinesfalls bei starkem Frost. Für Faserlein genügen Phosphor und Kalium als Dünger. Kalium erhöht die Qualität der Fasern bezüglich Größe und Festigkeit. Jedoch sollte nicht zu viel Stickstoff im Boden sein.

Die Ernte erfolgt nach etwa 110 bis 120 Tagen, rund sieben bis zehn Tage vor der Vollreife. Dafür kommen besondere Maschinen zum Einsatz. Die so genannten Raufmaschinen ziehen die Pflanzen mitsamt ihrem Wurzelansatz aus dem Boden.

Eigenschaften des Flachs

Leinfasern sind gut teilbar und lassen sich ganz fein spinnen. Daher eignen sie sich ausgezeichnet für die Wäsche- Leinenund Kleidungsherstellung. Die Faser ist glatt und das Gewebe schließt kaum Luft ein. Flachs ist als nahezu flusenfrei zu bezeichnen und wenig anfällig gegenüber Bakterien und Schmutz. Die Faser besitzt antistatische Eigenschaften, da auf der Oberfläche der Flachsfasern Wasser gehalten werden kann.

Bis zu 35 Prozent Luftfeuchtigkeit kann Flachs aufnehmen – ohne die Feuchtigkeit zu speichern. Er tauscht diese immer wieder rasch mit der Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aus. Damit wirkt die Faser kühlend und bei geringer Luftfeuchtigkeit wärmend. Das Gewebe bietet sich insbesondere für Sommerbekleidung an. Da Flachsfasern schmutzabweisend sind, ist auch eine Reinigung seltener nötig.

Weiterhin sind Leinenfasern eher unelastisch und somit überaus reißfest und langlebig. Durch die fehlende Elastizität ist die Faser allerdings Knitteranfällig. Zudem ist Flachs anfällig für Reibung. Bei der Handwäsche die Faser nicht reiben, in der Maschinenwäsche den Schongang nutzen. Vorteile: Leinen muss nicht gestärkt werden und besitzt einen natürlichen Glanz.

Unempfindlich ist Leinen gegenüber Waschmittel, Laugen und der chemischen Reinigung. Es lässt sich bei hoher Temperatur bügeln, allerdings sollte der Stoff noch feucht sein, um die Knitterfalten entfernen zu können. Da trockene Hitze schädigend wirkt, die Flachsfaser nicht in den Trockner geben.

Leinen niemals bleichen. Denn die Bleiche führt zu Gewichtsverlust, der bis zu einem Fünftel betragen kann. Färben ist möglich. Eine echte Färbung erfolgt nur mit Indigo, daher die häufig anzutreffende tiefe Blaufärbung bei Kleidung aus Leinen.

Verarbeitung des Flachs

Nach der Ernte werden die Pflanzen zum Trocknen auf den Feldern aufgeschichtet. Danach werden die Kapseln entfernt, der Vorgang wird als Riffeln bezeichnet. Die Kapseln dienen als Nahrungs- oder Futtermittel oder werden zu Öl verarbeitet. Ein Teil der Kapseln wird als nächste Aussaat zurückgehalten.

Beim Rösten des Strohs wird der Stängel zu einem gewissen Teil zersetzt, so lassen sich die Fasern von den holzigen Anteilen trennen. Das Stroh wird dafür auf die Erde ausgelegt. Dadurch ist es Regen, Tau und verschiedenen Pilzen ausgesetzt. Dies wird als Taurösten bezeichnet. Einige Länder bevorzugen die Wasserröste, wobei das Stroh in Bottichen, Teichen oder Bächen gelagert wird. Bakterien und Wasser sorgen für die nötige Zersetzung.

Die gerösteten und getrockneten Stängel kommen zur Verarbeitung in Schwingereien. Dort wird das Stroh gebrochen, also die Faser von den Schäben, den holzigen Anteilen, getrennt. Es folgt das parallele Ausrichten, das Schwingen der Fasern. Diese werden dabei über ein Brett gezogen, welches mit herausstehenden Nägeln versehen ist. So entstehen lange und gerade Fasern, der gehechelte Flachs. Außerdem kurze und verknotete Fasern, der Werg. Vielfach ein Nebenprodukt bei der Langfasergewinnung. Ist die Flachsproduktion aber speziell auf Kurzfasern ausgerichtet, wird das Stroh nicht parallel beim Schwingen ausgerichtet. Kurzfasern eignen sich bestens zum Polstern oder kommen für technische Zwecke in Frage.

Langfasern besitzen eine hohe Festigkeit, daher können daraus unterschiedliche Garne gesponnen werden. Diese finden Verwendung in Buchbindereien und der Schuhindustrie. Langfasern sind auch ideal geeignet für Fischernetze und Schnürbänder. Gehechelter Flachs wird für verschiedene Arten von Geweben und Leinen benutzt.

Beim Verspinnen von Langfasern kommen zwei Verfahren zum Einsatz: das Trocken- und Nassspinnverfahren. Beim Letzteren entstehen besonders hochwertige Fasern. Bei Kurzfasern bietet sich das Trockenspinnverfahren an. Die Garne, die so entstehen, sind rauer.

Leinen wird prinzipiell gewebt. Dabei wird ein sehr teures und gleichmäßiges Garn verwendet, welches für die Kettfäden nötig ist. Normale Kettfäden, wie sie für Leinen üblich sind, würden bei Beanspruchung durch Scheuern sehr leicht reißen und wären so einem extremen Verschleiß ausgesetzt. Neben dem normalen Leinen gibt es noch das Halbleinen. Dabei handelt es sich um ein Gewebe, welches nur über einen bestimmten Mindestgehalt an Leinenfasern verfügt. Gewebt wird dieses mit Kettfäden aus Baumwolle.

Verwendung des Flachs

Traditionell wurde Leinengewebe für Haus- und Bettwäsche verwendet. Und dann von der kostengünstigeren Baumwolle verdrängt. Dafür entdeckte die Kleidungsindustrie Flachs für sich. Außerdem ist Lein als Dekorationsstoff beliebt. Oder als Bezug von Büchern. Teilweise sind Schuhe und Taschen aus Lein gefertigt. Insbesondere die Malerei machte das Gewebe bekannt. Und zwar als Namensgeber für die Leinwände.

Weiterhin finden Leinenfasern als Dämmstoff Verwendung, ebenso als technisches Gewebe oder als Ersatzstoff für die schädlichen Asbestfasern. Leinenstroh findet auch immer größeren Zugang im Bereich der Pferdehaltung. Der eher holzige Teil des Pflanzenstängels ist besonders vorteilhaft, denn die Saugkraft des Leinenstrohs ist um das Zehnfache höher als bei normalem Stroh und sogar noch viermal höher als bei Holzspänen.

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