Ziegenrassen
Für einen Selbstversorger der sich mit der Ziegenhaltung beschäftigen möchte, dürften die Thüringer Wald Ziegen von besonderem Interesse sein. Diese Ziegenrasse steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierrassen und entstand aus einer Kreuzung der Toggenburger Ziege mit thüringischen Ziegen. Markant sind im Erscheinungsbild die weißen Verfärbungen an den Beinen, am Kopf und am so genannten Spiegel. Die Ziege besitzt eine gute Fruchtbarkeit und ist für einen Selbstversorger aufgrund ihrer hohen Milch- und Fettleistung besonders geeignet. Dazu ist sie sehr anspruchslos und widerstandsfähig. Die Thüringer Wald Ziegen erreichen eine Größe bis zu 85 Zentimetern und siebzig Kilogramm bei den Böcken. Ebenfalls interessant für die Ziegenhaltung eines Selbstversorgers ist die Toggenburger Ziege. Diese erbringt eine gute Milchleistung und ist sehr fruchtbar. In der Regel lammt diese Ziege einmal pro Jahr. Bis zu 800 Kilogramm Milch kann diese Ziegenart im Jahr erbringen. Der Bock der Toggenburger Ziege wird bis zu 85 Zentimeter groß und erreicht ein Gewicht von rund 100 Kilogramm.
Die Burenziege ist eine sehr ruhige Ziege, die eine besonders hohe Fruchtbarkeit aufweist. Innerhalb von zwei Jahren kann es bis zu drei Ablammungen geben. Der Vorteil dieser Ziegenart liegt auch darin, dass sie nicht den typischen Ziegengeruch verströmen und ihre Milch auch weitaus weniger nach Ziege schmeckt, als dies bei anderen Rassen der Fall ist. Die Milchleistung der Burenziege ist mittel, dafür ist sie für ihre hohe Fleischleistung bekannt. Auch ein gemeinsames Halten zusammen mit Rindern oder Schafen ist möglich, da diese Ziegenart so verträglich ist. Böcke erreichen eine Widerristhöhe von etwa 90 Zentimetern und ein Gewicht von rund 130 Kilogramm.
Einige Selbstversorger schwören bei der Ziegenhaltung teilweise auch auf die Bunte Holländische Ziege. Diese wird nur mittelgroß, sie sind aber sehr genügsam und widerstandsfähig. Es handelt sich bei der Bunten Holländischen Ziege um eine reine Milchziegenrasse. Die Rasse ist zudem frühreif und als sehr fruchtbar zu bezeichnen. Rund 900 Liter Milch kann eine Ziege dieser Rasse im Jahr erbringen. Ihre Milch gilt als weitaus eiweißreicher als die Milch anderer Ziegenrassen.
Zuletzt sei an dieser Stelle die Weiße Deutsche Edelziege zur Ziegenhaltung genannt. Diese gilt als besonders langlebig und besitzt eine hohe Fruchtbarkeit. Ein bis zwei Lämmer werden pro Ziege im Jahr geboren. Besonders charakteristisch für die Rasse ist die Langlebigkeit und ihre hohe Anpassungsfähigkeit. Außerdem erreicht sie bei der Milchleistung Spitzenwerte von rund 1000 Kilogramm pro Jahr, es gab sogar schon Tiere, die bis zu 2000 Kilogramm im Jahr erbracht haben. Das Euter der Weißen Deutschen Edelziege ist sowohl für das Hand- als auch für das Maschinemelken geeignet, was durchaus nicht bei allen Rassen der Fall ist.
Ziegenhaltung
Die Haltung von Ziegen ist relativ einfach, wenn einige grundlegende Dinge beachtet werden. Ziegen sind sehr anspruchslos, benötigen aber natürlich dennoch die Beachtung ihrer Wesensmerkmale.
Die Futterversorgung der Ziegen erfolgt im Sommer über Kräuter, Klee und Kraftfutter. Nur wenn nichts anderes zur Verfügung steht, greifen die Ziegen auf Gras zurück. Kraftfutter benötigen in erster Linie die Ziegen, die der Milchgewinnung dienen sollen und die Muttertiere. Ist nicht ausreichend Gras vorhanden, so ist die Gabe von Heu sinnvoll. Wasser muss natürlich immer frisch und frei zugänglich sein.
Da Ziegen anscheinend immer das Futter am besten schmeckt, das sich außerhalb ihrer Weide befindet, muss der Zaun ausreichend hoch und dicht sein. Empfehlenswert ist der so genannten Knotengitterzaun, auch wenn der Holzzaun die beste Variante ist. Aber dieser ist im Alltag doch etwas sehr teuer. Der Gitterzaun kann auch als Elektrovariante benutzt werden, was aber in buschigem Gelände schwierig ist. Hier kann die Leitfähigkeit der Drähte nicht immer garantiert werden, was die Ziegen aber meist sehr schnell mitbekommen. Wer die Tiere den ganzen Sommer über auf der Weide belassen möchte, der sollten einen Unterstand als Schutz vor den Unbilden des Wetters zur Verfügung stellen. Dabei ist zu beachten, dass dieser ausreichend groß sein muss, um allen Ziegen gleichzeitig die Möglichkeit des Unterstellen zu gewährleisten. Wer auf einer Weide eine Hütte bauen will, muss sich aber meist von den örtlichen Behörden eine Genehmigung ausstellen lassen.
Eine Alternative sind mobile Schutzhütten.
Weiden die Ziegen auf Wiesen mit Obstbäumen, so sollten diese vor Verbiss bis zu einer Höhe von zwei Metern geschützt werden. Ansonsten sind die Ziegen nicht gerade zimperlich, was das Annagen der Rinde von Bäumen angeht.
Wer den Ziegen bei einer Stallhaltung Grünfutter anbieten möchte, der muss dafür Sorge tragen, dass dieses stets frisch ist. Denn zu lange gelagertes Gras oder Grünfutter entwickelt starke Hitze und fängt schon bald an zu gären. Verdauungsprobleme und Koliken können die Folge sein. Wer Silage verfüttern möchte, der muss darauf achten, dass diese völlig einwandfrei ist, denn Ziegen sind anfällig für Listerien, die in schlechter Silage vorkommen können. Verfüttert werden können neben dem Kraft- und dem Grünfutter auch Rüben und Möhren, Äpfel und Birnen. Im Sommer benötigt eine Ziege rund acht Kilogramm Grünfutter, im Winter etwa drei Kilogramm Heu, dazu Kraft- und Saftfutter. Reine Milchziegen werden nicht wirklich fett, sie sehen immer etwas mager aus.
Ziegen dürfen auf keinen Fall angebunden gehalten werden. Bei dem Gefühl von Gefahr müssen sie flüchten können, ansonsten stehen sie sehr unter Stress.
Wer Ziegen zur Milchgewinnung halten möchte, der muss sie lammen lassen. Meist werden die Lämmer nach vier bis sechs Wochen über Nacht von der Mutter getrennt, morgens kann dann mit dem Melken begonnen werden. Es ist aber auch möglich, die Lämmer bis zur selbständigen Abnabelung bei der Mutter zu belassen, die Milchgewinnung ist dann allerdings weniger hoch.
Ziegenstall
Der Stall der Ziegen muss bestimmte Funktionen erfüllen, er muss dem Verhalten der Tiere gerecht werden, er muss hygienisch und vom Arbeitsaufwand her sinnvoll angelegt sein. Wer mit wenigen Tieren beginnt, sollte von Vornherein im Auge haben, ob er seinen Bestand später vergrößern möchte und den Stall entsprechend anlegen. Für hornlose Ziegen gilt als Faustregel ein Platzbedarf von zwei Quadratmeter pro Tier, für gehörnte Ziegen wird ein halber Quadratmeter mehr empfohlen. Die Höhe des Ziegenstalles sollte mindestens 2,5 Meter betragen um eine gute Luftqualität zu garantieren. Die so genannte Lichteinfallsfläche muss mindestens ein Zehntel der Bodenfläche betragen.
Der Untergrund im Ziegenstall sollte befestigt sein. Nur dadurch ist es möglich, dass keine Jauche in den Boden eindringt, außerdem ist ein solcher Stall leichter zu reinigen. Wer die Tiere in größeren Gruppen hält, der sollte darauf achten, dass sie Liege- und Fressbereich trennen können, also ausreichend Rückzugsmöglichkeiten einplanen. Das hat auch den Vorteil, dass rangniedrigere Tiere den ranghöheren ausweichen können.
Da Ziegen dafür bekannt sind, alles in ihrer Reichweite anzufressen, muss darauf geachtet werden, dass nichts Giftiges oder Schädliches in ihrem Handlungsspielraum zu finden ist. Man denke dabei auch an Elektrokabel oder giftige Holzschutzmittel, mit denen zum Beispiel Trenngitter eingestrichen werden.
Als Einstreu für den Stall dient Stroh, denn es ist sehr saugfähig und besitzt eine gute Wärmedämmung. Da die Tiere ständig Zugang zu frischem Wasser benötigen, sollten Selbsttränken im Stall installiert werden. Wassereimer müssen in einer Befestigung stehen, damit sie nicht umgestoßen werden können.
Ziegenmilch und Ziegenkäse
Die Ziegen, die ein Selbstversorger hält, dienen in den meisten Fällen nicht der Fleischgewinnung, sondern sie sollen Ziegenmilch liefern, die dann weiter zu Ziegenkäste oder Quark verarbeitet werden kann. Dazu müssen die Ziegen gemolken werden, was wie bei der Kuh meist am Morgen geschieht.
Die Einstellungen der Selbstversorger sind hier unterschiedlich, die einen sperren die Ziegenkitze über Nacht von der Mutter getrennt ein, damit sich die Milch sammeln kann, die anderen nehmen mit weniger Milch Vorlieb und lassen die Kinder bei ihrer Mutter.
Ziegenmilch wird aber selten frisch genossen. Die Milch schmeckt nach Ziege, was vielen Menschen unangenehm ist. Soll sie dennoch frisch getrunken werden, so sollte sie ohne Abkochen nicht länger als einen Tag lang aufbewahrt werden. Mit Abkochen hält sie sich etwas länger, sollte aber auch nicht mehr als zwei bis drei Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden. Ziegenmilch besitzt rund 2,7 bis 3,5 Prozent Fett und einen Eiweißanteil von 2,8 bis 3,5 Prozent. Meist wird die Ziegenmilch zu Ziegenkäse verarbeitet.
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