Saatgut - aufbereiten, trocknen, dreschen

Saatgut Trockenreinigung:

Die Trockenreinigung erfolgt in drei Schritten: dem Trocknen der Samenträger oder des Saatguts, dem Dreschen und dem Reinigen.

Saatgut trocknen

Trocknen der Samen an der Pflanze: Bei Bohnen, Erbsen, Zichorie, Getreide, Mohn und manchen Paprikasorten trocknen die Samen schon in den Früchten relativ gut. Vorsicht ist geboten bei lang anhaltenden Feuchtwetterlagen kurz vor der Ernte. Die Samen sind bereits keimfähig und können bei manchen Gemüsen, statt zu trocknen, gleich wieder auskeimen!

Nachtrocknen der Samenstände im Haus: Oft lässt man die Samen an den gerauften oder abgeschnittenen Samenstände und in Samenkapseln, Hülsen oder Schoten nachreifen. Typischerweise geschieht das bei Kohlgewächsen, Feldsalat, Winterportulak oder Rukola. Manche Vielfaltsgärtnerinnen berichten, dass ein Aufhängen der Pflanzen mitsamt den Wurzeln eine bessere Nachreife erbringt. Dann die Wurzeln gut einpacken, damit sich die an den Wurzeln haftende Erde nicht mit den Samen vermischen kann.

Notreife unter Dach: Gerät der Sommer zu kurz oder der Herbst zu feucht, können Samenträger über dem Boden abgeschnitten und unter Dach kopfüber aufgehängt werden. Dies aktiviert eine Notreife der Samen. Zum Beispiel bei Stangenbohnen, die in höheren Lagen Samen tragen sollen, kann dies notwendig sein. Bei anderen Pflanzen können die Samenträger auch getopft werden und an einem frostfreien Ort zum Abreifen gestellt werden. Bei späten Brokkolisorten oder bei Gemüsefenchel kann dies notwendig werden.

Trocknen des Saatgut: Die gesäuberten Samen mindestens eine Woche lang trocknen. Dabei darf die Trocknungstemperatur nicht langfristig über 35°C steigen, da sonst die Keimlinge Schaden erleiden. Möglichkeiten zum Trocken sind: Dachboden, Ofennähe, Heizräume, Brutkasten. Sind keine geeigneten Räume vorhanden, kann Saatgut über Silikagel getrocknet werden. Silikagel ist in Form kleiner Kügelchen in der Apotheke erhältlich. Die Samen in offenen Gläsern oder in Stoffsäcken in eine luftdicht verschließbare Kiste stellen. Die gleiche Menge Silikagel wie Saatgut in die Kiste legen und ca. eine Woche trocknen lassen. Nicht direkt mit den Samen in Berührung bringen! Für die Trocknung eignet sich das im Handel erhältliche orangefarbene Silikagel.

Saatgut dreschen
Das Ausdreschen von Samenkörnern ist vom Getreide bekannt. Aber auch viele Gemüsesamenträger werden ausgedroschen. Dreschen heißt, die Samenkörner aus ihren Hüllen zu befreien. Bei kleinen Samenmengen passiert dies am einfachsten von Hand: Erbsen oder Bohnen werden aus den Hüllen ausgelöst oder aus den Blattachseln gelöst (Mangold, Spinat), Salatsamen noch an der Pflanze aus den Körbchen gezupft. Bei größeren Mengen sind andere Methoden einfacher und schneller:

Samen, die in Blattachselnsitzen oder in leicht brüchigen Samenkapseln (Lein, Spinat ...):

Die Samenstände in einem Sack (z.B. alter Kopfpolsterbezug) gegen die Wand schlagen: Die Samen fallen aus und sammeln sich am Boden des Sackes.

Trockenreinigung

Samen, die fest von Hüllen umgeben sind (Zichorie, Endivie, Radieschen und Rettich, Mohn, Artischocken...):
Samenträger in einem Sack auf einer relativ festen Unterlage (z.B. alte Decke oder Rosshaarmatratze) mit einem Dreschflegel (z.B. ein alter Hackenstiel) ausdreschen oder mit den Füßen austreten.

Samen, die sich beim Dreschen leicht aus der Hülle lösen und die leicht durch zu starkes Schlagen beschädigt werden können (Bohnen, Erbsen, Salate, Kohle...):
Ausdreschen im Sack auf einer weichen Unterlage oder mit den Füßen austreten.

Bei größeren Mengen können auch Dresch-Maschinen verwendet werden. Erhältlich ist auch eine spezielle Hand-Dreschmaschine für die Saatgutgewinnung im Hausgarten. Eine eigene Maschine ist aber nur notwendig, wenn jährlich größere Mengen vermehrt und ausgedroschen werden. Für den durchschnittlichen Bedarf im Hausgarten sind folgende Arbeitsgeräte ausreichend:

> Matratze oder alte Decke als Unterlage
> Dreschflegel (z.B. alter Spaten- oder Hackenstiel)
> alte Bettwäsche (stopfen, wenn sie Löcher hat)
> Planen zum Unterlegen
> Abfülltrichter und dichte Papiersäcke
> Schüsseln und Schalen

Saatgut reinigen
Besonders bei feinkörnigen Samen ist auf Sauberkeit des Saatguts zu achten, damit nicht zuviel (feinkrümeliger) Schmutz neben dem Saatgut im Samensäckchen landet. Mit Erde oder Stängel- und Blattresten können auch Krankheitserreger übertragen werden. Besonders bei Kulturen, bei denen ein Krankheitsbefall aufgetreten ist, sollte das Saatgut sehr sauber gereinigt werden. Nach dem Dreschen das Saatgut in Sieben und mit dem Wind reinigen. Um gute Reinigungserfolge zu erzielen, sind oft mehrere Wiederholungen der Reinigungsvorgänge nötig, oft werden verschiedene Methoden auch miteinander kombiniert.

Für das Reinigen von Saatgut eignen sich folgende Methoden:

> Reinigen von Hand: Kleine Mengen Saatgut
können von Hand gereinigt werden.

> Aussieben mit Sieben verschiedener Größe: Das Aussieben ist eine einfache und rasche Methode, um Saatgut zu reinigen. Siebe sind mit verschiedenen Maschenweiten erhältlich. Sie können so verwendet werden, dass die Samen im Sieb bleiben und feiner Schmutz und Kümmerkorn durchfallen, oder dass die Samen durchfallen und die größeren Pflanzenteile im Sieb bleiben.

> Rütteln, Schütteln, Schwingen und Kreisen:
Diese Methode erfordert etwas Geschick. Gut geeignet sind größere feinmaschige Siebe ("Schwungsiebe"), in denen sich schwere und leichte Samen durch ihr spezifisches Gewicht voneinander trennen. Die Siebe kreisförmig und leicht schräg schwingen. Zusätzlich kann man die Samen in einer Schüssel kreisend und stoßend bewegen. Die Pflanzenteile schwimmen meist an der Oberfläche und können abgelesen werden. Wenn trotzdem ein paar Stängel im Saatgut verbleiben, schadet das natürlich nicht.

> Reinigen im Wind:
Siebe in eine Fallbewegung bringen: Die feinen Pflanzenteile steigen hoch. Indem man anschließend das Sieb rasch zur Seite zieht, fallen sie daneben. Die schweren Samen fallen in das Sieb zurück. Dazu ein feinmaschiges Sieb verwenden. Unbedingt ein Leintuch unterlegen, falls Samen herunterfallen, und üben, üben,üben ...
Schütten des Saatguts von einem Gefäß in ein anderes. Leichte Teile werden vom Wind verblasen, die schweren Samen fallen in das Auffanggefäß. Dies gelingt gut mit großen Samen wie zum Beispiel Getreide oder Bohnen.

> Blasen:
Sind noch kleine, leichte Verunreinigungen im Saatgut, können sie einfach sanft aus einer flachen Schüssel weggeblasen werden. Wer größere Mengen reinigen will, kann es auch sanft mit einem Haarföhn versuchen.

> Mit Wasser:
Nach der Trockenreinigung können manche Samen auch noch einmal im Wasser getrennt werden: Die schweren, keimfähigen Samen sinken meist zu Boden, die Pflanzenreste und eventuell taube Samen schwimmen oben. Dies ist zum Beispiel bei Zwiebelsamen eine einfache Methode, umkeimfähige von tauben Samen zu trennen. Die Samen müssen anschließend sofort wieder getrocknet werden (Filterpapier oder Teller).

Siebe
Entscheidend ist die Gittergröße. Die Gitter sind eingeteilt in Größen von 2 bis 40. Das gröbste Sieb hat die Gittergröße Nr. 2: Es lässt kleine Bohnen noch durchfallen. Gitter Nr. 40 („Schwungsieb“) lässt auch die kleinsten Samen (z.B. Glockenblumensamen) nicht mehr durch. Wir empfehlen folgenden Siebsatz als Erstausstattung:

> Grobe Siebe Nr. 2 und 12
> Mittlere Siebe Nr. 14 und 18
> Feine Siebe Nr. 24 und 40
> Schlitzsieb (1,0–1,2mmbreite Schlitze)

Je mehr verschiedene Samen Sie reinigen, umso mehr verschiedene Siebe sind hilfreich. Siebe können entweder selbst gebastelt oder im Handel bezogen werden.

Saatgut von Hand auslesen
Das gereinigte Saatgut sollte noch einmal genau unter die Lupe genommen werden. So sind an den Samenkörnern vieler Arten Verkreuzungen oder ein Pilzbefall feststellbar. Um die geernteten Samen mit dem Originalsaatgut vergleichen zu können, ist es immer hilfreich, einige Samen vom Originalsaatgut auf die Seite zu legen.

Bei der Beurteilung der Samenkörner achten auf:

> die Farbe des Saatguts (sortenecht, krank oder gesund, Pilzbefall?)
> die Größe des Saatguts (Kümmerlinge, taube Samen entfernen...)
> den Geruch des Saatguts (muffig riechendes Saatgut kann verpilzt oder alt sein;
frisches Saatgut hat bei manchen Arten einen ganz typischen Geruch)
> Feuchtigkeit der Samen (ist das Saatgut zu feucht, fühlt es sich klamm an. Dann nachtrocknen.)

Wir bedanken uns für die Fotos bei Markus Zuber
und für den Text und das Buchcover beim Löwenzahn Verlag

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